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wuming schrieb am 23.7. 2010 um 05:00:33 Uhr über

Brinkmann

Rolf Dieter Brinkmann (* 16. April 1940 in Vechta; † 23. April 1975 in London) war ein deutscher Dichter, Schriftsteller und Herausgeber.

Inhaltsverzeichnis [Verbergen]
1 Leben
2 Veröffentlichungen
3 Literatur
4 Film
5 Theaterstücke
6 Weblinks
7 Einzelnachweise

Leben [Bearbeiten]
Nach Schule und Buchhandelslehre lebte Rolf Dieter Brinkmann ab 1962 in Köln, wo er zunächst Pädagogik studierte, sich aber bald für ein Leben als freier Schriftsteller entschied. Zahlreiche kürzere Aufenthalte in London während der 1960er Jahre brachten ihm die anglo-amerikanische Lyrik und Popmusik jener Zeit nahe. In den Jahren 1972 bis 1974 war er Gast der Villa Massimo in Rom sowie Gastdozent in Austin (Texas). Brinkmanns frühe Prosa orientiert sich an der Ästhetik des nouveau roman. Brinkmann machte die amerikanische Underground-Lyrik in Deutschland bekannt und wurde selbst der führende Underground-Lyriker Deutschlands in den 60er Jahren. Lyrik war für ihn Spiegelbild und direkte Reflexion des Faktischen. Auf die kurzzeiligen Gedichte der frühen Gedichtbände folgten nach 1970 prägnantgesetzte“ Prosagedichte von enormer Vitalität und Bildkraft. Die Beschäftigung mit der US-Avantgarde (Frank O’Hara, William Carlos Williams) ab Mitte der 1960er Jahre beeinflusste Brinkmann stark. Die zusammen mit Ralf-Rainer Rygulla 1969 herausgegebene AnthologieAcid. Neue amerikanische Szenezählt bis heute zu den wesentlichen Zeugnissen der amerikanischen Beat Generation. Der immer wieder als provozierender Rebell auftretende Brinkmann zog sich nach 1970 vom deutschen Literaturbetrieb zurück und widmete sich ausschließlich dem Schreiben und Collagieren der sogenannten „Materialienbände“. Außerdem entstand in den letzten Jahren sein lyrisches opus magnum „Westwärts 1 & 2“, das ihm 1975 posthum den Petrarca-Preis einbrachte und bis heute als einer der wichtigsten Gedichtbände des 20. Jahrhunderts gelten darf. Als weiteres Hauptwerk giltRom, Blicke“, ein mit wilder Unerbittlichkeit auf Verfallenes, Obszönes, fixiertes Konvolut aus Briefen, Notizen, Zeitungsausschnitten, Fotos, das von Brinkmann ursprünglich als „Materialienband“ für künftige Projekte gedacht war. Das Gesamtwerk Brinkmanns erscheint bei Rowohlt.

Brinkmann wurde am 23. April 1975 in London von einem Auto überfahren.

Als radikaler literarischer Erneuerer hat Brinkmann Einfluss auf nachfolgende Lyrikergenerationen im deutschen Sprachraum. Die Stadt Köln vergibt in Erinnerung an den Dichter seit 1990 das Rolf-Dieter-Brinkmann-Stipendium. In seiner Geburtsstadt Vechta würdigt die Rolf-Dieter-Brinkmann-Gesellschaft das Schaffen und Wirken Brinkmanns.

2005 wurden Originaltonaufnahmen des Autors aus dem Jahr 1973 unter dem TitelWörter Sex Schnittveröffentlicht. Harald Bergmanns 2006 in die Kinos gekommener FilmBrinkmanns Zornbasiert auf den originalen Tonaufnahmen.

Veröffentlichungen [Bearbeiten]
Bücher
Ihr nennt es Sprache. Achtzehn Gedichte. Auflage 500 nummerierte Exemplare, z. T. signiert; Auslieferung durch den Autor verhindert. Willbrand, Leverkusen 1962.[1]
Le Chant du Monde. Gedichte mit Radierungen von Emil Schumacher. Olefer Hagarpresse Rolf Kuhn, Olef/Eifel 1964
Die Umarmung. Erzählungen. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1965
Ohne Neger. Gedichte. Handpressendruck in 150 nummerierten Exemplaren. Collispress/Paul Eckhardt, Hommerich 1966
&-Gedichte. Oberbaumpresse, Berlin 1966
Raupenbahn. Erzählungen. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1966
Was fraglich ist wofür. Gedichte. ebd. 1967
godzilla. Gedichte. Wolfgang Hake, Köln 1968
Keiner weiß mehr. Roman. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1968
TB: Rowohlt, Reinbek 1970
Die Piloten. Neue Gedichte. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1968
Standphotos. Gedichte. Guido Hildebrandt, Duisburg 1969
Gras. Gedichte. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1970
Aus dem Notizbuch 1972, 1973 Rom Worlds End. Villa Massimo Druck, Rom u. Deutsche Akademie, München 1973
Westwärts 1 & 2. Gedichte. Rowohlt, Reinbek 1975
Westwärts 1 & 2. Gedichte. Erweiterte Neuausgabe. ebd. 2005
Rom, Blicke. ebd. 1979
Standphotos. Gedichte 19621970. ebd. 1980.
Der Film in Worten. Prosa. Erzählungen. Essays. Hörspiele. Fotos. Collagen. 19651974. Band 1 (von 4 gepl. Bänden.) ebd. 1982. Enthält u.a. Wie ich lebe und warum[2] (1970), veränderte Fassung.
Erzählungen. In der Grube. Dei Bootsfahrt. Die Umarmung. Raupenbahn. Was unter die Dornen fiel. Band 2 (von 4 gepl. Bd.) ebd. 1985
Eiswasser an der Guadelupe Str. Gedichte. Ebd. 1985
Rolltreppen im August. Gedichte. Hrsg. von Chris Hirte. Volk & Welt, Berlin (DDR) 1986
Erkundungen für die Präzisierung des Gefühls für einen Aufstand: Träume. Aufstände/Gewalt/Morde. Reise Zeit Magazin. Die Story ist schnell erzählt. Tagebuch. Rowohlt, Reinbek 1987
Schnitte. Ebd. 1988
Künstliches Licht. Lyrik und Prosa, ebd. 1994
Guten Tag wie geht es so. Erzählungen, ebd. 1996
Briefe an Hartmut, ebd. 1999
Herausgeber und Übersetzer
Der Gummibaum. Hauszeitschrift für neue Dichtung. Nr. 1 bis 3. Privatdruck, Köln 1969 bis 1970
Lunch Poems und andere Gedichte. Gemeinsam mit Frank O'Hara. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1969
ACID. Neue amerikanische Szene. Gemeinsam mit Ralf-Rainer Rygulla. März, Darmstadt 1969 [3]
Silver Screen. Neue amerikanische Lyrik. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1969
Übers. von Ron Padgett: Ein Gedicht (A Man Saw a Ball of Gold). In: März-Texte 1, März, Frankfurt 1969 (Nachdrucke 1984, & 2004, hier S. 52[4]), S. 50, zweispr.dt.-engl. Auch in R. P.: Große Feuerbälle, Rowohlt, Reinbek, 1973
Der joviale Russe. Gedicht. Mit Ralf-Rainer Rygulla (nach Guillaume Apollinaire: La jolie rousse). In: März-Texte 1, März, 1969 (Nachdrucke 1984, 2004. [5], S. 70, 72. mit Anm. 12. Ein Adaptionsversuch des Apollinaire-Gedichtes nach der Lautgestalt, ohne Rücksicht auf eine inhaltliche Bedeutung)
Guillaume Apollinaire ist tot. Gedichte, Prosa, Kollaborationen. Mit Ted Berrigan. März, Frankfurt 1970
Auswahl: »Drei Gedichte«, nämlich: Persönliches Gedicht Nr. 9; Auf ein frohes Wiedersehen (für Dick Gallup); Für Dich (für James Schuyler) zweispr. dt.-engl. in März-Texte 1, Reprint 2004 [6]S. 264 - 271
Einzelveröffentlichungen
Vanille und Anmerkungen zu meinem GedichtVanille“. In: März-Texte 1, März, 1969, S. 106–140 und S. 141–144 . Eine Text-Bild-Collage und eine Erläuterung. Reprint 2004 [7]
Interview mit einem Verleger. Mit Jörg Schröder und weiteren Genannten. Im Reprint Area, 2004, S. 285 - 298[8]
Wie ich lebe und warum. Fotocollage. In: Renate Matthaei (Hg): Trivialmythen März, Frankfurt 1970. Wieder in dies., Hg., bei Area 2004 [9] S. 387–393. Jörg Schröder & Barbara Kalender
Literatur [Bearbeiten]
Antiquariat Beim Steinernen Kreuz (Hrsg.): Rolf Dieter Brinkmann zum 50. Geburtstag. Eigenverlag, Bremen 1990.
Theo Breuer: Was Neues im Westen oder Brinkmann macht weiter. In: Theo Breuer: Aus dem Hinterland. Lyrik nach 2000. Edition YE, Sistig 2005.
Thomas Boyken, Ina Cappelmann und Uwe Schwagmeier (Hrsg.): Rolf Dieter Brinkmann: Neue Perspektiven. Orte - Helden - Körper. Fink, München 2010. ISBN 3770549457
Karl-Eckhard Carius (Hrsg.): BrinkmannSchnitte im Atemschutz. edition text + kritik, München 2008.
Gunter Geduldig (Hrsg): »Amerikanischer Speck, englischer Honig, italienische NüsseRolf Dieter Brinkmann zum 60..« Eiswasser - Zeitschrift für Literatur, 7. Jahrgang, Band I/II, Eiswasser Verlag 2000.
Gunter Geduldig und Marco Sagurna (Hrsg.): »Too much. Das lange Leben des Rolf Dieter Brinkmann«. 2. Aufl. Vechta: Eiwasser Verlag 2000.
Gunter Geduldig und Ursula Schüssler (Hrsg.): »/:Vechta!Eine Fiktion!/: der Dichter Rolf Dieter Brinkmann«. Osnabrück: Secolo Verlag 1995.
Gunter Geduldig und Claudia Wehebrink (Hrsg.): »Bibliographie Rolf Dieter Brinkmann«. Bielefeld: Aisthesis-Verlag 1997.
Stefan Greif: Schlagwörter sind zum Schlagen, hast du das begriffen? Sprache und Gewalt bei Rolf Dieter Brinkmann. In: Gewalt und kulturelles Gedächtnis. Hg. v. Robert Weninger. Stauffenburg, Tübingen 2005, S. 139-151. ISBN 3-86057-219-9
Andreas Moll: Text und Bild bei Rolf Dieter Brinkmann. Intermedialität im Spätwerk. Peter Lang, Frankfurt am Main 2006.
Hansjürgen Richter: Ästhetik der Ambivalenz. Studien zur Struktur „postmoderner“ Lyrik – exemplarisch dargestellt an Rolf Dieter Brinkmanns Poetik und dem Gedichtband „Westwärts 1 & 2“. Peter Lang, Frankfurt am Main 1983.
Jörgen Schäfer: Pop-Literatur. Rolf Dieter Brinkmann und das Verhältnis zur Populärkultur in der Literatur der sechziger Jahre. M & P Verlag für Wissenschaft und Forschung, Stuttgart 1998.
Udo Seinsoth: Katalog Nr. 20. (Bibliografie der Veröffentlichungen.) In: Antiquariat Beim Steinernen Kreuz (Hrsg.): Rolf Dieter Brinkmann zum 50. Geburtstag. Eigenverlag, Bremen 1990, S. 3857.
Ingo Sundmacher: Brinkmann meets Burroughs. Literatur und intermediale Postmoderne. In: Z. Zeitschrift für Kultur- und Geisteswissenschaften, 16. Ausgabe 1989
Zeitschrift text + kritik, Themenheft: Rolf Dieter Brinkmann Nr. 71, 1981 ISBN 3883770744
Film [Bearbeiten]
Brinkmanns Zorn. Ein Film von Harald Bergmann [10]
Theaterstücke [Bearbeiten]
Obwohl Rolf Dieter Brinkmann keine Theaterstücke geschrieben hat, gibt es vor allem im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts einige Darstellungen seiner Texte.

Fleisch wucherte rum. 2001. Regie Elettra de Salvo (mit Musik von Blixa Bargeld), verschiedene Theater in Deutschland
Westwärts 2008. Regie: Schorsch Kamerun in der Maschinenhalle Zweckel in Gladbeck im Rahmen der Ruhrtriennale 2008
Blicke Strich Westwärts 2009. Regie: Andre Sebastian. Theater im Pumpenhaus, Münster/Alte Liebe, Bremen
Weblinks [Bearbeiten]
Literatur von und über Rolf Dieter Brinkmann im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek (Datensatz zu Rolf Dieter Brinkmann • PICA-Datensatz • Apper-Personensuche)
www.brinkmann-literatur.deausführliche Werkübersicht
Website der Rolf-Dieter-Brinkmann-Gesellschaft in Vechta
Kommentierte Linksammlung der Universitätsbibliothek der Freien Universität Berlin
Andreas Weigel: Rolf Dieter Brinkmann (Porträt und Rezensionen)
Wörter Sex Schnitt. Rolf Dieter BrinkmannAusstellung der Gesellschaft für aktuelle Kunst Bremen (2005)
Einzelnachweise [Bearbeiten]
1.↑ Udo Seinsoth: Katalog Nr. 20. (Bibliografie der Veröffentlichungen.) In: Antiquariat Beim Steinernen Kreuz (Hrsg.): Rolf Dieter Brinkmann zum 50. Geburtstag. Eigenverlag, Bremen 1990, S. 39.
2.↑ siehe unten Einzelveröff.
3.↑ Nachdruck mehrerer hier unter »März« erwähnter Texte bzw. Übersetzungen, immer aus »März-Texte 1« von 1969, wieder in: »März-Texte 1 und Trivialmythen« Area-Verlag, Erftstadt 2004, mit geringfügig abweichender Seitenzahl. ISBN 3899960297
4.↑ siehe Anm. zu ACID.
5.↑ siehe vorige Anm.
6.↑ siehe obige Anm. zu Padgett
7.↑ siehe vorige Anm.
8.↑ iehe Anm. zu ACID
9.↑ siehe vorige Anm.
10.↑ Webseite zum Film Brinkmanns Zorn
Normdaten: PND: 118515470 – weitere Informationen | LCCN: n82127994 | VIAF: 100271235
Personendaten
NAME Brinkmann, Rolf-Dieter
KURZBESCHREIBUNG deutscher Lyriker und Erzähler
GEBURTSDATUM 16. April 1940
GEBURTSORT Vechta
STERBEDATUM 23. April 1975
STERBEORT London
Vonhttp://de.wikipedia.org/wiki/Rolf_Dieter_Brinkmann“
Kategorien: Autor | Literatur (20. Jahrhundert) | Literatur (Deutsch) | Erzählung | Lyrik | Person (Vechta) | Deutscher | Geboren 1940 | Gestorben 1975 | Mann


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