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wuming schrieb am 11.3. 2003 um 03:16:42 Uhr über

Fernsehen



Warnung: Fernsehen
senkt die
Hemmschwelle

Kinder brauchen
Gewaltdarstellungen

Das falsche Spiel mit
der Gewalt

Gewalt und Medien

Weniger Zeit mit
Medien, weniger
Aggressivität

Fernsehen macht
träge und dumm







Und Fernsehen macht - vielleicht - doch aggressiv

Florian Rötzer 10.03.2003

Nach einer Langzeitstudie wird höhere Aggressivität durch frühen Konsum von
Gewaltfilmen bewirkt

Dass die Betrachtung von Gewaltdarstellungen in Medien neben zahlreichen anderen
Einflüssen Aggressivität fördern oder verstärken kann, dürfte nach den vielen
Untersuchungen dazu kaum mehr ganz zu bestreiten sein. Eine neue Langzeitstudie
stärkt die Vermutung. Unabhängig von Persönlichkeit, familiären und sozialen Kontext
zeigen junge Frauen und Männer, wenn sie 15 Jahre zuvor häufig Fernsehsendungen mit
Gewaltdarstellungen angeschaut hatten, eine erhöhte Neigung zur Aggressivität.




Psychologen der University of Michigan haben für ihre Studie, die in der März-Ausgabe der
Zeitschrift Developmental Psychology erschienen ist, eine Untersuchung aus den 70er Jahren
zugrunde gelegt. Damals wurde über 500 Kinder aus Chicago im Alter zwischen sechs und
zehn Jahren befragt, welche Sendungen sie sehen, ob sie sich mit aggressiven Darstellern
identifizieren und ob sie denken, dass die gesehen Szenen realistisch seien. Zur Kontrolle
wurden auch Mitschüler und Eltern befragt und zur Beurteilung der Intelligenz die
Schulleistungen herangezogen. Nach zwei Jahren hatte man bei den meisten noch einmal ihren
Fernsehkonsum und die Neigung zum aggressiven Verhalten bewertet.




Imitation von Vorbildern als wichtiger Faktor

Ab 1991 -1995 versuchten die Psychologen dann, möglichst viele der damals befragten
Kinder wieder aufzuspüren. Sie konnten nach einer komplizierten Suche 329 Frauen und
Männer (überwiegend Weiße und aus besseren Gesellschaftsschichten) finden und sie erneut
nach ihren Fernsehgewohnheiten und aggressivem Verhalten befragen. Zur Kontrolle wurden
auch ihre Lebensgefährtinnen und Lebensgefährten oder andere Freundinnen bzw. Freunde
befragt. Zudem wurden Informationen über Straftaten oder Verkehrsvergehen herangezogen.
Allerdings waren im Hinblick auf die »alten« Daten die wiedergefundenen Partizipanten der
ersten Studie insgesamt auch als weniger aggressiv in ihrer Kindheit eingestuft worden.

Bei der Auswertung stellte sich heraus, dass die Jungen, die viele Gewaltdarstellungen in
ihrer Kindheit gesehen hatten, mit größerer Wahrscheinlichkeit körperlich aggressiv
gegenüber ihren Freundinnen waren, wegen eines Vergehens verurteilt worden sind oder eine
Verkehrsübertretung begangen haben. Sie wurden beispielsweise drei Mal so oft wie übrigen
wegen irgendeines Vergehens verurteilt. Ähnliches zeigte sich bei den Frauen, die in ihrer
Kindheit viele Filme mit Gewalt gesehen hatten. Allerdings ist hier die Neigung zur
»indirekten Gewalt« größer. Wer viele derartige Filme in der Kindheit angeschaut, die Gewalt
als realistisch beurteilt und/oder sich mit dem aggressiven Darsteller desselben Geschlechts
identifiziert hat, ist später signifikant stärker selbst aggressiv.

Dass sich aus dem Fernsehkonsum die höhere Neigung zu Aggressivität vorhersagen lässt,
treffe auch dann zu, so die Wissenschaftler, wenn man das Aggressivitätspotenzial während
der Kindheit mit berücksichtigt. Es sind also nicht nur die sowieso aggressiven Kinder, die
ihr Verhalten durch das Anschauen entsprechender Filme verstärken und ihr Verhalten als
Erwchsene beibehalten. Der Zusammenhang ist besonders bei den Jungen am stärksten, die
sich mit aggressiven männlichen Darstellern identifizieren - und davon gibt es ja nicht wenige.
Interessant ist auch, dass die Aggressivität als Erwachsener und der Konsum von
Gewaltfilmen bei den Männern nicht korrelieren, wohl aber bei den Frauen. Bei den Männern
könnte dies auf die kausale Verursachung zur Gewaltneigung durch entsprechende Filme in
der Kindheit hinweisen. Aber warum müssten aggressive Frauen dann ihre Neigung weiterhin
am Bildschirm trainieren oder verstärken?

Gewalt verkauft sich

Für die Psychologen ist ihre Langzeitstudie ein Beleg dafür, dass es nicht stimmt, dass
aggressivere Kinder auch mehr Filme mit Gewaltdarstellungen anschauen, wie oft
argumentiert wird. Dafür spricht, dass bei einem hohen Konsum von Gewaltfilmen in der
Kindheit sowohl Männer als auch Frauen später eine höhere Aggressivität unabhängig davon
zeigen, ob sie auch als Kind bereits aggressiv waren. Allerdings sind die Filme oder Serien,
die am meisten Einfluss haben, nicht unbedingt jene, die nach den Erwachsenen am meisten
Gewalt enthalten:





"Gewalttätige Szenen, die den Kindern am ehesten als Modell für ihr Verhalten dienen, sind
diejenigen, in denen sie sich mit Gewalttätern identifizieren, bei denen dieser für die
Gewalt belohnt wird und die die Kinder als Szenen betrachten, die zeigen, wie das Leben
ist. Daher kann eine gewalttätige Szene mit Dirty Harry, bei der ein Verbrecher getötet wird,
was Harry Ruhm einbringt, bedenklicher sein als ein blutiger Mord, der von einem
verabscheuungswürdigen und vor Gericht gebrachten Verbrecher begangen wird."






Welcher sozialen Schicht die Kinder entstammten, welche Schuldbildung sie hatten und wie
intelligent sie waren, scheint sich nach dieser Studie auf die Verbindung zwischen
Gewaltfilmen und später erhöhter Neigung zur Aggressivität nicht wesentlich auszuwirken.
Auch die Aggressivität der Eltern, deren Fernsehgewohnheiten und Erziehungsstile haben
offenbar keinen entscheidenden Einfluss auf die langfristige Entwicklung. Die Psychologen
fordern wegen der Korrelation von frühem Konsum von Gewaltfilmen und später vorhandener
Aggressionsneigung einen stärkeren Schutz der Kinder. Auf Jugendliche und Erwachsene
hätten solche Darstellungen nur kurzfristige Auswirkungen, weswegen man hier nicht so
besorgt sein brauche. Dagegen würde jeder Gewaltfilm bei einem Kind die
Wahrscheinlichkeit erhöhen, sich in manchen Situationen als Erwachsener aggressiver zu
verhalten. Das war auch das Ergebnis einer anderen Langzeitstudie: Schon eine Stunde
Fernsehen täglich fördert die Aggressivität.

Angeblich sei auch die Produktion von Filmen, die mehr Gewalt enthalten, durchschnittlich 10
Prozent billiger als von solchen, die weniger zeigen. Jede zusätzliche Gewaltszene reduziere
die Kosten für die Herstellung von Fernsehserien um etwa 1.500 Dollar. Zudem finden sich
für solche Filme mehr Zuschauer, können diese besser ins Ausland verkauft, in ein
Computerspiel umgesetzt und mehr Werbeeinnahmen erzielt werden: »Violence sells« - nicht
nur im Fernsehen, sondern womöglich auch in der Politik.

Allerdings kann man bei solchen Studien, die statistische Korrelationen untersuchen, stets
skeptisch sein. Immer können Einflüsse übersehen worden sein oder könnte man fragen, wie
Menschen vor dem Fernsehen aggressiv geworden sind. Und interessant wäre natürlich auch
immer, wie überhaupt Medien die Menschen prägen. Langzeitwirkungen und Nebenfolgen gibt
es ja nicht nur bei der Gewalt. Amerikanische Psychologen gehen etwa davon aus, dass die
Anschläge vom 11.9. ein posttraumatisches Stresssyndrom bei Hunderttausenden von
Amerikanern ausgelöst haben - vornehmlich bei Fernsehzuschauern: Traumatisierung durch
Medienbilder?. Das aber wird auch dadurch relativiert, dass Menschen, die vermeintlich von
Aliens entführt wurden, dieselben posttraumatischen Störungen zeigen wie Vietnamveteranen
( Shut up and sleep with me). Das Gehirn jedenfalls scheint auf Ängste, die von
Vorstellungen ausgehen, ebenso zu reagieren wie auf wirkliche Erlebnisse: Angst ist Angst.
Und das wird dann auch wohl auf Medieninhalte zutreffen, die emotional wirken.
















Kommentare:
Keine Frage! (cui bono, 11.3.2003 1:38)
Überschrift (bitte unbedingt ausfüllen) (quehonda, 11.3.2003 1:32)
14. und 15. März (stay tuned!!!) (Der Fahrer, 11.3.2003 1:19)
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Was kann man tun, wenn »Fernsehen« gerade nicht da ist? Bedenke bei Deiner Antwort: Die Frage dazu sieht keiner, schreibe also ganze Sätze.

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