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Stöbers Greif schrieb am 14.2. 2000 um 16:16:10 Uhr über

Romantik

Im berühmten 116. Athenäumsfragment Friedrich Schlegels heißt es: »Die romantische Poesie ist eine progressive Universalpoesie. ... Die romantische Dichtart ist noch im Werden; ja das ist ihr eigentliches Wesen, daß sie ewig nur werden, nie vollendet sein kannEine weitergehende Bestimmung erfolgt durch den Begriff der »Transzendentalpoesie«, mit dem Schlegel einerseits die Selbstreflexivität romantischer Poesie meint, und andererseits die Vermischung von philosophischer Reflexion und ästhetischer Anschauung. Im Bild einer schwebenden Reflexion verpflichtet Schlegel romantische Poesie auf die Paradoxie einer unabschließbaren Universalität. Als unmittelbare Folge der transzendental inspiriertenö Doppelung der Reflexion entledigt sich der philosophische Begriff des Universalismus sowohl seines systematischen Anspruchs als auch seiner Letztbegründbarkeit. Er verwandelt sich in einen reflexiven Prozeß, der allenfalls Unterbrechungen, aber kein Ende mehr zuläßt. Novalis spricht in diesem Sinne von dem Zwang der reflektierenden Energie, sich dauernd über die Schultern zu blicken, ohne einen Fixpunkt zu bestimmen. In existentieller Hinsicht wird diese reflektierende Energie virulent, weil Schlegels »progressive Universalpoesie« nicht auf das Gebiet der Literatur eingegrenzt bleibt, sonder auf eine wechselseitige Durchdringung mit dem Leben angelegt ist: Die Romantik »will ... die Poesie lebendeig und gesellig, und das Leben und die Gesellschaft poetisch machen« (Schlegel).
Den prägnantesten Ausdruck hat die romantische Doppelreflexion in der Form der Ironie gefunden, die als »romantische Ironie« Epoche gemacht hat. Ihr eigentlicher Theoretiker ist Friedrich Schlegel, während bei den übrigen frühromantischen Poetologen wie August Wilhelm Schlegel, Wackenroder oder Novalis eher eine gewisse Distanz zum Begriff der ironie zu bemerken ist. Die weiteste Bestimmung der Ironie gibt Schlegel im 48. Lyceums-Fragment: »Ironie ist die Form des Paradoxen«. Dies deutet an, daß der Begriff der rhetorischen Tradition entstammt, in der die Figur der Ironie eine Aussage bezeichnet, die das genaue Gegenteil von dem meint, was sie buchstäblich sagt. Aber Schlegels Konzept der Ironie und des Paradoxen geht über die rhetorische Tradition hinaus. Es handelt sich um einen ästhetischen Begriff, und d.h. bei Schlegel, er bezeichnet die ästhetische Funktion des paradoxen Kontrastes von Universalität, Unabschließbarkeit und fragmentarischer Begrenzung. Romantische Ironie bezeichnet somit in Schlegels Verständnis das Verhältnis der Schwebe oder der Verschiebung zwischen Aussagen in einer Darstellungsform, die poetisch-assoziative Bildlichkeit mit philosophischer Diskursivität verbindet.


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