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Weiße Fahne schrieb am 12.8. 2019 um 01:39:07 Uhr über

Aufenthalte

Ein vergleichsweise junger Student (18+) wollte ein Auslandsjahr zwischen seinen Abitur und Studium machen, bevor er anfing zu studieren. Er bat seinen Vater um das nötige Kleingeld (keine Ahnung woher, aber der junge Mann hatte genug Geld, um im Prinzip nicht arbeiten zu müssen) für die Reise. Es sollte, wie auch anders möglich, in die USA gehen. Quasi »grand tour umgekehrt«.
Der Vater war Arzt und der Sohn hatte ohnehin nicht den NC selbst Mediziner zu werden, daher wurde das großzügig erlaubt. Er wurde mit einem Reisekonto, einen altmodischen traveller’s cheque und andere Finanzmittel ausgestattet über den großen Teich geschickt. Plan war, dass er von New York nach Kalifornien reist und von dort zurück in die »Zivilisation Europas«. Die Route sollte dabei auch durch die Südstaaten führen. Davon war der Kleine gar nicht so angetan, er träumte von den Stränden Kaliforniens und von den Leben in den USA.

Der Sohn hatte zwar rein verbal angekündigt, sich auch ein bisschen Geld dazu zu verdienen, aber damit rechnete die Familie im Grunde gar nicht mehr. Nach den Jahren des Büffens für das Abitur sollte der Filius sich ruhig mal »die Hörner abstoßen«.
Anfangs, Ankunft in New York usw. schrieb der junge Mann regelmäßig an die lieben Eltern Daheim. Er hatte wohl versuch ein bisschen in die »Szene« hinzukommen, reiste dann aber doch weiter. Er kam in die Südstaaten und zu allgemeinen Überraschung fing er tatsächlich an, dort zu jobben. Der Vater natürlich sehr fröhlich, dass sein Sohn nun endlich den Wert des Geldes und Verantwortung kennenlerne usw. Doch der Kontakt brach auch praktisch ab. Nur allenfalls mit der Mutter tauschte er ein paar Nachrichten, auf Nachfrage. Er steckte augenscheinlich im Süden fest. Texas. Das Reisekonto wurde allerdings gut verwendet.

Als das Jahr langsam zu Ende ging, schickte der Vater eine Nachricht, die sich im Wesentlichen mit »Was ist los, wann willst du endlich dein Studium anfangen« zusammenfassen lässt.
Die Antwort brauchte fast drei Tage und wurde durch das ständige Nachfragen der Mutter möglich. Ein Studium habe er vorerst gar nicht vor, er wolle noch ein bisschen über die heimische Kultur lernen und einen Reiseführer für Restaurantes schreiben.
Unter anderen:
- hooters
- ojos locos
- twin peaks
- Tilted Kilt Pub & Eatery
- Bombshells
- Show-Me's

Der Vater verstand nach einer Zeit und drohte sofort mit Entzug des Kontos und anderen und befahr den Sohnemann, zuerst an seine Zukunft zu denken usw. Am Ende setzte sich der Vater dann durch und der liebe Sohn fing ein Studium an. Über die Episode wird intern nicht mehr viel geredet.

Das alles war damals, als in den USA die Wirtschaftskrise richtig losging. Ich habe später dann von den Studenten seine Geschichte erfahren.

Wir merken: Sehr junger, teils unerfahrender Mann + fast unbegrenztes Spesenkonto + Hire and Fire in Wirtschaftskrise + Südstaatenkultur = Explosive Mischung.


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