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Frau schrieb am 22.3. 2020 um 02:37:21 Uhr über

corona

Selten hat selbst der große Dichter, der so manche holde Frau besang, edlere Gedanken, innigere Worte, herzlicheren Ausdruck gefunden. – Corona S. entstammte einer zwar sehr begabten, aber in dürftigen Verhältnissen lebenden Musikerfamilie, die mit vier Kindern gesegnet war, die sich in der Folge alle als bedeutende Künstler bethätigten. Der Vater, J. F. S., Sohn eines Zinngießers in Eilenburg, bestallter Hautboist im Graf Brühl’schen Regimente, hatte sich am 29. März 1748 mit M. R. Hefter, einziger Tochter eines Schuhmachers und Lohgerbermeisters in Guben verehelicht. Kaum war Corona dreijährig, als er einem Ruf nach Warschau folgte; von dort siedelte er 1763 nach Leipzig über und starb, alle seine Kinder überlebend, 1811, 87 Jahre alt, in dürftigen Umständen als pensionirter Hofmusikus in Kassel. – Er unterrichtete in den ersten Jahren alle seine Kinder selbst: Corona entwickelte schon frühe die schöne Gestalt und angeborene Grazie, die sie nachmals so sehr auszeichneten. Der Vater, der das Gesangstalent seiner Tochter bald entdeckte, aber leider nicht der geeignete Gesangslehrer für sie war, schädigte dadurch ihre Stimme, daß er sie, um möglichsten Umfang zu gewinnen, zu sehr in die Höhe trieb. Infolge solcher Ueberanstrengung blieb das Organ Coronas immer etwas empfindlich und bedeckt. Aber emsiges Selbststudium entwickelte ihren Ton dennoch, bei reiner, weicher Stimme und innig-seelenvollem Vortrag, zu seltener Schönheit. Corona war 12 Jahre alt, als der Umzug nach Leipzig erfolgte. Dort wirkte der durch seine Compositionen und schriftstellerischen Arbeiten bekannte J. A. Hiller. Seine Frau, auch aus Guben stammend, war die Pathin Coronas. Der wackere, herzensgute Mann nahm die Angekommenen freundlich und freundschaftlichst auf und war sofort bereit, die talentvollen Kinder künstlerisch nach jeder Richtung zu fördern. Er dirigirte, damals noch unentgeltlich, die 1743 von Cantor Doles ins Leben gerufenen großen Concerte, die zwar infolge des siebenjährigen Krieges zunächst eine Unterbrechung erfahren hatten, aber 1765 wieder aufgenommen, seit 1775 als Concerts spirituels weitergeführt wurden und, nach ihrer Uebersiedlung 1781 in den Gewandhaussaal, als Gewandhausconcerte bis heute fortbestehen. Damals, als S. mit seiner Familie in Leipzig eintraf, hatte der nie rastende Hiller, damit doch der musikalische Sinn nicht ganz einschliefe, ein Privatunternehmen (1762–1765), die öffentlichen Concerte, begründet. Der einsichtsvolle Meister erkannte bald, welchen Kräftezuwachs sein Institut durch die Schröterschen, wenn er sie unterrichtete und festhielt, gewinnen konnte. Unermüdlicher Fleiß und nach dem Höchsten gerichtetes Streben beseelte sie, namentlich Corona, und ließ sie überraschende Fortschritte machen. Schon 1765 sang die jetzt vierzehnjährige in einem der großen Concerte. Ihr Gesang, ihre Schönheit und Anmuth gewannen ihr allgemeinen Beifall. Kaum aber hatte sie sich in der Gunst des Publicums festgesetzt, als sie in Gert. Elis. Schmeling aus Kassel, nachmaligen Mara, in der Folge die gefeiertste Sängerin ihrer Zeit, eine nicht zu unterschätzende Rivalin erhielt. Man rühmte jetzt schon an letzterer den besten Vortrag, namentlich im Allegro, die Reinheit, Gleichheit, Stärke und Fülle, den großen Umfang und die Biegsamkeit ihres Organs und ihre unübertreffliche Fertigkeit und Gewandtheit, vermöge deren sie wie spielend die schwierigsten Passagen, unfehlbar und vollendet, prima vista singen konnte. Das musikalische Leipzig theilte sich alsbald in zwei große Parteien, die eine huldigte der Virtuosin Schmeling, die andere gab dem gemüth- und geistvollen Vortrage der Corona den Vorzug. Das dauerte bis 1771, wo erstere mit einem für die damalige Zeit glänzenden Gehalt als Hofsängerin Friedrichs II. nach Berlin übersiedelte. Es kann nicht verwundern, daß die in seltenem Liebreiz und großer Schönheit erblühende Corona leidenschaftliche Neigungen erweckte. Der Kriegsrath Dr. K. W. Müller trug ihr seine Hand an und der sechzehnjährige Goethe, der 1765 die Universität Leipzig bezog, war von ihrer schönen Gestalt, ihrem vollkommen sittlichen Betragen und ernst anmuthigen Vortrag hochentzückt und widmete ihr manche begeisterte Verse; so nach der Aufführung des Hasse’schen Oratoriums: Santa Elena al Calvario:

Unwiderstehlich muß die Schöne uns entzücken,
Die frommer Andacht Reize schmücken.
Wenn Jemand diesen Satz durch Zweifeln noch entehrt,
So hat er dich niemals als Helena gehört.



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