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Walter Sittler gegen Stuttgart 21
»Weitermachen ist Sturheit«
25.08.2010, 11:36 2010-08-25 11:36:20
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Interview: Susanne Klaiber
Für Schauspieler Walter Sittler geht es beim Protest in Stuttgart nicht nur um den Bahnhof, sondern darum, was Politiker nicht tun dürfen. Zum Beispiel sollten sie keinen »irrwitzig« teuren Bahnhof bauen, der schlechter geplant ist als ein Einfamilienhaus.

Der Schauspieler Walter Sittler, 57, bekannt aus den Serien Nikola und Girlfriends, wohnt seit 1988 mit seiner Frau und drei Kindern in Stuttgart. Sittler ist einer der prominentesten Gegner des Bauprojekts Stuttgart 21, bei dem der Stuttgarter Kopfbahnhof einem unterirdischen Durchgangsbahnhof weichen und an eine künftige Schnellstrecke angebunden werden soll. Die Kosten für den Bahnhof und die neue Strecke werden derzeit auf sieben Milliarden Euro geschätzt. Sittler engagiert sich seit November öffentlich gegen das Vorhaben und demonstriert derzeit mehrmals in der Woche dagegen.

Bild vergrößern "Der Tiefbahnhof ist Unsinn: Schauspieler Walter Sittler beim Protestmarsch gegen das Bahnprojekt Stuttgart 21. (© dpa)

sueddeutsche.de: Herr Sittler, geht es bei dem Protest noch um das Bauprojekt an sich oder geht es schon ums Prinzip, wie die Politik mit den Bürgern umzugehen hat?

Sittler: Es geht um beides: Erstens ist der Tiefbahnhof Unsinn, der kann nichts verbessern, dazu ist er zu klein dimensioniert. Zweitens geht es darum, wie Politiker mit den Bürgern umgehen. Wenn man so irrwitzig viel Geld ausgeben will, muss man das begründen können. Eine Wahl ist nicht die Ermächtigung, alles zu machen. Sie ist eine Verpflichtung, zum Wohl der Bürger zu handeln.

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sueddeutsche.de: Ministerpräsident und Oberbürgermeister, beide von der CDU, halten den Bau aber für nötig und gut für Entwicklung der Stadt und der Region, gewählte Gremien haben dem Projekt zugestimmt. Ist der Protest nicht unangemessen?

Sittler: Nein. Ständig gibt es neue Erkenntnisse über Risiken und steigende Kosten. Alle Prognosen der Planer mussten nachgebessert werden. Jedes Einfamilienhaus ist sorgfältiger durchdacht. Die Entscheidung für Stuttgart 21 ist getroffen worden, ohne dass man die nötige Entscheidungsgrundlage hatte. Damit fehlt die Legitimation. Das muss man nachholen, indem man jetzt neu entscheidet.

sueddeutsche.de: Landtagsvizepräsident Wolfgang Drexler von der SPD sagt, als Politiker habe er die Aufgabe, auch zu seinen Entscheidungen zu stehen.

Sittler: Ich finde es gut, wenn man zu einer Sache steht. Aber wenn sich rausstellt, dass die Vision nur mit so großen Opfern zu haben ist, wäre es nicht Konsequenz, sondern Sturheit, darauf zu beharren.

sueddeutsche.de: Würde man der Politik Populismus vorwerfen, wenn sie jetzt einlenkt?

Sittler: Der Souverän ist immer noch der Bürger. Ich fände es einfach klug, jetzt die Pläne neu zu prüfen. Ministerpräsident Mappus würde dadurch auch nicht sein Gesicht verlieren. Meinen Applaus hätte er. Schließlich geht es hier nicht gegen Personen, sondern gegen eine Entscheidung.

sueddeutsche.de: Was für eine Lösung für Bahnhof und Neubaustrecke wünschen Sie sich?

Sittler: Man sollte das, was schon da ist, renovieren. Jahrelang ist da nichts mehr gemacht worden. Der Bahnhof könnte ein Glasdach vertragen. Und wenn man die Gleise wieder intensiver wartet, würden auch auf der bestehenden Strecke die Verbindungen wieder schneller - denn das waren sie ja mal: Vor 15 Jahren dauerte die Fahrt von Stuttgart nach München 25 Minuten weniger.

sueddeutsche.de: Wenn das Gleisbett bleibt, wo es ist, bleibt Stuttgart weiterhin zweigeteilt, während die unterirdischen Gleise Platz machen würden für ein neues Baugebiet.

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Stuttgart 21
Halbnackt und voller Ketchup Sittler: Ohne einen vernünftigen Stadtentwicklungsplan macht das keinen Sinn. Und den gibt es immer noch nicht.



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