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Heute kann man die Kunst des Peitschenknallens noch bei den so genannten »Goaßlschnalzern«, die Geißel Schnalzer, bewundern. Genau wie früher besteht die Peitsche oder Goaßel aus einem Stock, ein langes und möglichst flexibles Lederseil, welches sich oft zum Ende hin verjüngt. Der Knall entsteht nicht dadurch, dass das Peitschenende auf den Boden trifft oder – noch schlimmer – das Pferd berührt. Das Ende bleibt die gesamte Zeit in der Luft.
Zwei Mathematiker der University of Arizona haben die Physik der Peitsche genau berechnet:
Beim Schwingen der Peitsche entsteht, wenn man es richtig kann, am Stockende ein U oder eine Schlaufe. Diese Schlaufe bewegt sich dann Richtung Peitschenende. Da das Peitschenseil jedoch immer dünner wird, wird bei dem Hin- und Her immer weniger Masse bewegt. Aufgrund der Energie und Impulserhaltung wird Abnahme der bewegten Masse durch eine Zunahme der Geschwindigkeit kompensiert. Je kleiner der Querschnitt des Seils ist, desto schneller bewegt sich die Schlaufe. Die ganze Energie des Schlags konzentriert sich auf das kleine, dünne Endstück.
Per Zeitlupe sieht man, wie das U immer schneller wird und trotz einer extremen Slowmo rast es am Ende durch ohne, dass man viel erkennen kann.
Wissenschaftler haben daher mit ausgefeilter Fotographietechnik die Endgeschwindigkeit ermittelt: Zwischen dieser Doppelaufnahme liegen gerade mal 111 Millionstel Sekunden!! Man mag es kaum glauben, doch das Ende bewegt sich mit 2-facher Schallgeschwindigkeit!! Beim Peitschenknallen hören wir also einen richtigen Überschallknall, wie bei einem Düsenjet. Die Beschleunigung der Schlaufe ist von Null auf 2000 km pro Stunde in einer Sekunde, also das 50 000fache der Erdbeschleunigung!Sie sehen, wir müssen die Geschichte umschreiben: Der erste Mensch, der die Schallmauer durchbrach, war nicht ein Jetpilot sondern ein Goaßlschnalzer!!
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