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Freundin schrieb am 28.4. 2016 um 19:11:08 Uhr über

Reiten

Fassen wir zunächst diejenigen ins Auge, welche sich aus dem Weltschifffahrtsverkehr, seinem Apparat und seinem Wesen nach ergeben! Mit Errechnung der Küstenfahrt und aller Fahrzeuge geringsten Tonnengehaltes kann man die Weltflotte, das heißt Handels- und Kriegsmarine aller Nationen zusammen gerechnetso weit eine Berechnung möglich istin runder Summe auf ungefähr 170,000 Fahrzeuge veranschlagen, eine Summe, die jährlich wächst und in ihrer imposanten Größe die Gefahr von Collisionen an sich wachrufen dürfte, stünde ihr nicht das unermeßliche Gebiet des Weltmeeres gegenüber. Die Zahl der verkehrenden Schiffe erhält erst eine verhängnißvolle Bedeutung da, wo an den Ufern stark gegliederter Continente hochentwickelte Culturvölker lebhafte Seefahrt treiben und in Folge dessen der Schiffsverkehr sich in einigen Gegenden wie in einem Brennpunkt vereinigt. Das hervorragendste Beispiel und zugleich das gefährlichste Fahrwasser bietet unser auch sonst durch seine Strömungen und Winde berüchtigter Canal. Wenn man bedenkt, daß z. B. allein die Elbmündung jährlich im Durchschnitt von 25,000 Fahrzeugen passirt wird, so kann man sich einen annähernden Begriff davon machen, welcher Schiffsverkehr auf der genannten Seestraße stattfindet. Zu den Gefahren eines gehäuften Verkehrs gesellt sich aber ein anderer bedenklicher Umstand: das beschleunigte Tempo unseres heutigen Güterumlaufes. Der Rheder verlangt von seinem Capitain um der Concurrenz willen eine möglichst schnelle Fahrt. Der gewissenhafte Capitain versucht nach Kräften, diesen Anspruch mit dem anderen an eine möglichst sichere Fahrt auszugleichen. Was geschieht? Bei der nächsten Fahrt überholt ihn ein anderer, weniger gewissenhafter College, und der Rheder bedauert achselzuckend, daß er bei weiteren solchen „langsamen“ Fahrten, auf die Verwendung des Capitains verzichten müsse.Dieser ist nun vor die Wahl gestellt: entweder mit Sicherheit seine Stelle zu verlieren und damit seine Existenz, die seiner Familie und überdies sein Renommée auf das Spiel zu setzen, oder zu riskiren, was Andere auch riskiren, und sich auf das gute Glück, daß Nichts passirt zu verlassen. Die menschliche Schwäche siegt, er wählt den letzteren Weg; das nächste Mal fährt er darauf los undhat er gerade Unglück, so ist die Collision fertig. Wer wollte nun den ersten Stein auf Capitain wie Rheder werfen, die dem Drucke des riesig gesteigerten Verkehrs unterliegen? Wir dürfen es gewiß nicht, die wir über den „abscheulichen Zeitverlust“ lamentiren, wenn der Zuganschluß oder das Telegramm sich um eine Viertelstunde verspätet. Wie schwer aber ist die Grenze zu bestimmen, wo ein wirklicher Leichtsinn an Stelle der Bedrängniß durch die Anforderungen des Verkehrs tritt!


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