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Schwanksammlungen sind aus verschiedenen Ländern bekannt und sie gewannen oft eine weite Verbreitung. In Frankreich wurden die Schwankgeschichten mit dem Namen Fabliaux bezeichnet. Sie waren in gebundener Form abgefasst und in ihrem Inhalt oft anstössig. Die Fabliaux waren im 13. und 14. Jahrhundert sehr in der Mode. In Italien hiessen die Schwänke Facetiae. Die erste Sammlung derselben veröffentlichte Poggio Bracciolini im Jahre 1450. Sie wurde so beliebt, dass bis 1500 26 Ausgaben erschienen. Gegenstände der Satire in Poggio’s Geschichten sind Mönche und andere Geistliche, ja sogar bisweilen die Päbste. Auch die ersten in Deutschland erschienenen Schwanksammlungen waren lateinisch, z. B. Heinrich Bebel’s Facetiae (1508), die A. Wesselski in deutscher Übersetzung mit Anmerkungen versehen unter dem Titel Heinrich Bebels Schwänke, 2 Bde (1907) herausgegeben hat. August Tünger’s Facetiae waren sowohl lateinisch als auch deutsch geschrieben. Von den eigentlichen deutschen Schwanksammlungen sei zuerst Schimpf und Ernst vom Barfussmönch Johannes Pauli (1519) erwähnt, das seinerzeit zu den meist gelesenen Büchern gehörte. Die Sammlung ist ziemlich umfangreich, in ihrer ersten Ausgabe befanden sich 693 Geschichten. Georg Wickram’s 67 Geschichten enthaltendes Rollwagenbüchlein (1555) hat sein Material beinahe ganz aus der mündlichen Überlieferung geschöpft. Die fünfziger Jahre des 16. Jahrhunderts scheinen eine wahre Glanzperiode der Schwankliteratur gewesen zu sein. In einem und demselben Jahre 1557 kamen zwei neue Sammlungen heraus: Jacob Frey’s Die Gartengesellschaft (129 Geschichten) und Martin Montanus’ Wegkürtzer, ebenso im Jahre 1558 Michael Lindener’s Rastbüchlein und Katzipori und 1559 Valentin Schumann’s Nachtbüchlein. Am Anfang des folgenden Jahrzehntes (1563) erschien der erste Teil von der Sammlung Wendunmut H. W. Kirchhoff’s. Die folgenden 6 Teile erschienen erst im Beginn des 17. Jahrhunderts. Dieses Riesenwerk enthält insgesamt 2084 aus verschiedenen Quellen stammende Stücke. Deutsche Schwanksammlungen kamen noch lange danach heraus, aber sie haben nicht mehr dieselbe Bedeutung wie die Schwankliteratur des 16. Jahrhunderts.
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