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Yadgar schrieb am 2.3. 2010 um 19:24:10 Uhr über

HartzIV

In den Politforen und Leserkommentarrubriken von Online-Zeitungen wird auf Schritt und Tritt gegen ALG-II-Empfänger gehetzt, die sich angeblich oder auch tatsächlich auf Staatskosten ein Luxusleben machen - und kein Konsumgut wird diesen ALG-II-Empfängern mehr geneidet als der längst sprichwörtlich gewordene Flachbildfernseher. Aus dem Umstand, dass sich viele Hartzer (wie viele es denn nun wirklich sind, erfährt man interessanterweise nirgendwo, es gibt keine belastbaren empirischen Daten über die Ausstattung von Hartz-IV-Haushalten mit Unterhaltungselektronik, die Hetzer, vom anonymen Pöbler auf welt.de bis zu den einschlägigen Populismus-Strategen aus diversen Volksparteien, beziehen ihr Bild vom gemeinen Hartzer offensichtlich aus den Nachmittagskrawalltalkshows des Unterschichtsfernsehens, wo eigens gecastete und mutmaßlich auch entsprechend instruierte Vorzeige-Sozialschmarotzer vorgeführt werden) Flachbildfernseher leisten können, wird nun gefolgert, dass der ALG-II-Regelsatz deutlich zu hoch sei und drastisch gesenkt werden müsste.

Was kostet ein fabrikneuer Flachbildfernseher üblicherweise? Die aktuelle (10.01.2010) Liste der Stiftung Warentest (www.test.de) führt in der Klasse der Geräte unter 70 cm Bildschirmdiagonale als billigstes Modell den Samsung
LE-19R86BD für 209 Euro auf.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass ein Hartzer maximal 50 Euro im Monat für längerfristige Anschaffungen sparen kann - und das auch nur bei disziplinierter Lebensführung (keine Zigaretten, kein Alkohol, keine Süßigkeiten oder Fastfood zwischendurch und jeden Abend um 22 Uhr im Bett).

Den Samsung LE-19R86BD könnte sich ein Hartzer ohne zusätzliche Einkommensquellen also nach gut vier Monaten eisernen Sparens leisten - vorausgesetzt, zwischendurch fallen keine dringenderen Anschaffungen oder Reparaturen, vom kaputten Fahrradtretlager bis zur lecken Waschmaschine an.

Nun traut die landläufige Meinung aber gerade dem »typischen Hartzer« eine solche Spar- und Ausgabendisziplin nicht zu (auch ich schaffe die 50 Euro im Monat nur ausnahmsweise, trotz ordnungsgemäß angemeldetem Zusatzjob), so dass sich die Frage stellt, wie kommen all die Leute an ihre Flachbildfernseher?

Wenn wir die Möglichkeit von Gebrauchtgeräten einmal außer Acht lassen, bleiben eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Schwarzarbeit oder »supergünstige« Konsumkredite (die auch nur durch versteckte Subvention möglich sind, denn kein vernünftiger Kreditgeber würde Geld verleihen, bei dem abzusehen ist, dass er es niemals wiedersieht). Die Argumentation der Stammtisch-Sozialsadisten lautet folglich: »ALG II muss gekürzt werden, weil es Schwarzarbeit und «Billig»kredite gibt

Was für ein Ausbund an Logik und Intelligenz!

Ich besitze übrigens keinen Flachbildfernseher...


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