|
»es ist wahr,« das ist jetzt vanya, »sehen wir uns doch mal die formen kapitalistischen ausdrucks an. pornographie: pornographien der liebe, der erotischen liebe, der christlichen liebe, der liebe des kleinen jungen zu seinem hundchen, pornographien von sonnenuntergängen, pornographien des tötens und pornographien von der letzten abrechnung – ahhh, dieses wollüstige stöhnen, wenn wir den mörder erraten haben – all diese romane, diese filme und songs, mit denen sie uns einlullen, all das sind tröstliche annäherungen an diesen einen absoluten trost.« pause. rudi grinst rasch und ein wenig gezwungen. »den selbst herbeigeführten orgasmus.«
»was heißt absolut?« rebecca rutscht auf ihren bloßen knien auf ihn zu, reicht ihm ein stück brot, das noch ganz naß ist, von der berührung ihres mundes. »zwei leute machen – «
»daß es zwei leute sein müssen, ist genau das, was sie dir beibringen,« rudi lächelt ein wenig überheblich. in ihre ungeteilte aufmerksamkeit schleicht sich, traurig und nicht zum ersten male, der satz von der »männlichen überlegenheit« ein... warum nur hätscheln sie ihre masturbation so zärtlich? »aber in der natur findest du sie beinahe nirgends. er ist ein akt der einsamkeit. weißt du doch.«
»ich weiß, daß es so etwas wie einen gleichzeitigen orgasmus gibt,« ist alles, was ihr dazu einfällt. sie haben niemals miteinander geschlafen, das hier ist ein annäherungsversuch. aber er wendet sich von ihr ab, wie wir uns immer von jenen abwenden, die ein leidenschaftliches plädoyer für einen glauben halten, dem wir uns nicht anschließen können.
Thomas Pynchon: Die Enden der Parabel
übersetzt von ElfriedeJelinek
ED in: Manuskripte 52/76
|