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»Schwänze« – So hieß das erste ArnoSchmidt-Buch das ich mir gekauft habe, es muß um 1980 herum gewesen sein; der Titel war verheißungsvoll. Es war aber ein Fischer-Taschenbuch mit einer Auswahl aus der Geschichtensammlung »Kühe in Halbtrauer«, und leichtgängig waren dieser schon sehr verzettelten Altmännergeschichten nicht zu lesen – und das zweite Bändchen, daß ich damals in der Buchhandlung Michael in unserem bergischen Kreisdörfchen selbstredend bestellen mußte, hieß »Sommermeteor« und war nun ganz im Gegenteil eine Sammlung der sonntagsbeilagentauglichen Stürenburg-Geschichten, und feuilletonistischer Petitessen wie dem 'Krakatau'. 'Todesstrafe bei Sonnenschein' hieß ein anderes Stück, in dem es, so erinnere ich mich bei aller Gewitztheit nach den fünfziger Jahren roch. Ungleich verständlicher als die 10 Jahre späteren Schwänze, aber meist eher Brotarbeiten, nicht der große Wurf, spürte ich damals. Vernünftiger wäre es sicher gewesen ich hätte mit dem Steinernen Herz oder dem Alexander begonnen, aber so erfüllte sich an mir pubertärem as–if–Adepten ohne es bereits zu kennen, jenes Diktum Schmidts wonach es eine eherne Regel ist, daß die Leser grundsätzlich mit den schlechteren Büchern eines Autors beginnen (mindestens aber mit den ungeeignetsten, möchte ich moderat relativieren).
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