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urgs schrieb am 7.1. 2013 um 18:44:17 Uhr über

Antisemitismus

06.01.2013 23:36 Uhr
von wauz:

Es geht um Kritik, nicht um Antisemitismus

Herr Augstein dürfte Antisemit sein, so viel er nur wollte, es würde weder Herrn Broder noch das SWC kratzen, wenn er denn nur nicht den Staat Israel, repektive seine Regierung öffentlich kritisieren würde. Es ist ja im Gegenteil so, dass er diese Bezeichnung gerade erhält, weil er kritisiert. Nun könnte man auf den Gedanken kommen, es ginge dabei um eine narzisstische Kränkung derer, die es ja so gut gemeint haben (und leider nicht so gut gemacht), und die jetzt eben jeden Kritiker beschimpfen. Ihn sachlich zu widerlegen war jedenfalls bislang nicht ihre Stärke.
Aber es geht um etwas anderes. Es geht um Geld. Um viel Geld.
Die Regierung des Staates Israel, die sich selbst als die Speerspitze der zionistischen Bewegung ansieht, und den Staat Israel als einen zionistischen Staat, braucht Unterstützung. Politisch. Aber viel mehr noch materiell.
Der kleine Staat Israel bringt bei weitem nicht die Mittel hervor, die für die Umsetzung dieser Politik nötig sind. Ohne Unterstützung aus dem Ausland wäre diese Politik bald am Ende. Der Staat Israel könnte dann zumindest als zionistischer Staat heutiger Prägung nicht weiter existieren. Deshalb muss für diese Regierung sowohl die politische als auch die materielle Unterstützung erhalten bleiben.
Auf der ganzen Welt gibt es Organisationen, die sich als zionistisch verstehen oder aber zionistische Ziele, mal offen, mal verdeckt, unterstützen. Gemeinsam arbeiten sie daran, dass eben diese Regierung des Staates Israel ihre derzeitige Politik weiterführen kann.
Ohne die materielle Unterstützung ist natürlich die politische nicht sonderlich wertvoll. Deswegen zielt das politische Handeln auf die Hauptgeberländer ab. Das sind die USA und Deutschland. Wenn in diesen beiden Ländern die Unterstützung wegbricht, hat die Regierung in Jerusalem ein existentielles Problem. Darum ist es die wichtigste Aufgabe aller zionistischen Organistionen, dafür zu sorgen, dass diese Unterstützung nicht aufhört.
Der Zionismus hat sich in dem Moment, da der Staat Israel als zionistischer Staat gegründet war, von einer politischen Idee in eine herrschende Ideologie verwandelt. Herrschende Ideologie zuerst einmal im Sinne von einer Ideologie derer, die herrschen. Aber auch in dem Sinne einer Ideologie, mit derer Hilfe geherrscht wird. Zionismus ist zu einem Mittel und zu einer Legitimation der Herrschaft geworden. Und das nicht nur im Staat Israel. Der Zionismus beansprucht in der Zwischenzeit, grundsätzlich für alle Juden zu sprechen und grundsätzlich die Interessen aller Juden zu vertreten. Wer dem widerspricht, ist »Antisemit«, selbst wenn er Jude ist. So wird aus einer zumindest im Staat Israel durch Wahlen legitimerte Herrschaft einer Regierung eine ideologische Herrschaft über alle Juden weltweit.
Wer das kritisiert, delegitimiert. (Was auch sonst?)
Besonders gefährlich, weil besonders delegitimierend, wäre natürlich Kritik von den »eigenen Leuten«, also aus den Reihen derer, für die man vorgibt, zu sprechen. Aus zionistischer Sicht ist es ja schon schlimm genug, wenn Juden der Meinung sind, sie wären an einem anderen Platz als dem Staat Israel besser aufgehoben. Das darf man sie natürlich nicht aussprechen lassen. In Deutschland bekommt daher kein Jude einen Fuß an den Boden, wenn er sich in die zionistischen Strukturen nicht einpasst.
Damit das so funktionieren kann, gibt es ein Bündnis der Herrschenden. Die deutsche Regierung übt »unverbrüchliche Solidarität« mit der des Staates Israel, weil das ihren Interessen dient, obwohl das den deutschen Staat (mithin den Steuerzahler) viel Geld kostet. Wieviel, bleibt übrigens geheim, es wäre ja ein innenpolitischer Aufreger.
Der Nutzen,den die deutsche Regierung (bzw die dahinter stehenden tatsächlich Herrschenden)davon hat, liegt darin, dass die zionistischen Organisationen in einem Wahljahr die bekämpfen, die sie selbst als ihre Feinde ansieht. Alles, was man so einfach als »links« bezeichnet.
Die derzeitigen Angriffe der zionistischen Propagandamaschine dienen also drei Zielen:
1. Der Einschüchterung aller nicht-zionistisch denkenden Juden.
2. Der Dämonisierung aller Kritik an der Regierung des Staates Israel und allen zionistischen Organisationen.
3. Der Ablenkung von der realen Politik des Staates Israel. Denn solange die deutsche Öffentlichkeit darüber diskutiert, ob dieser oder jener nun Antisemit sei, oder nicht, können deutsche und israelische Regierung weiter machen wie bisher.

Das Schlimme an der Sache ist: in dem das Etikett »Antisemit« so inflationär verteilt wird, befördert man natürlich die Sache der echten Antisemiten. Das stört weder die deutsche Regierung noch die des Staates Israel, denn jede herrschende Ideologie hat sich immer gern des aggressiven, chauvinistischen Rassismus bedient, wenn es ihrer Herrschaft gedient hat. Aber es nimmt in Deutschland (und teilweise auch den USA) alle Juden zu Geiseln der zionistischen Politik. Der Druck eines dann tatsächlich aufkeimenden Antisemitismus zwingt sie dann dazu, entweder von ihrem Ort aus den Staat Israel zu unterstützen oder dorthin auszuwandern.
Und in einem sind sich ja alle Rassisten dieser Welt einig: Jede »Rasse«/»Nation«/»Volk« soll auf der Welt nur einen einzigen Platz zum Leben haben.

http://www.taz.de/Jakob-Augstein/Kommentare/!c108179/


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