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Focus schrieb am 21.3. 2001 um 14:36:42 Uhr über

Blut


Deuten die Symptome auf eine Leukämie hin, so
kann mit verschiedenen Verfahren eine Diagnose
gestellt werden:

Zunächst nimmt der Arzt seinem Patienten
etwas Blut ab und betrachtet die Blutzellen unter
dem Mikroskop. Das so genannte Blutbild gibt ihm
Hinweise darauf, ob die Zahl der weißen
Blutkörperchen erhöht ist und sie sich bösartig
verändert haben.

Eine Untersuchung des Knochenmarks
zeigt, ob Vorstufen der weißen Blutkörperchen
entartet sind. Der Arzt punktiert dazu das
Knochenmark des Brustbeins oder des
Beckenknochens, indem er eine Nadel einsticht.
Über sie entnimmt er fünf bis zehn Milliliter
Knochenmark, das er anschließend unter dem
Mikroskop betrachtet.

Genetische Untersuchungen des Bluts
spielen in der Leukämie-Diagnostik inzwischen eine
wichtige Rolle. „Das ist heutzutage Standard“, so
Dr. Stefan Frühauf von der Uni Heidelberg. Wird mit
dem Verdacht auf Leukämie Blut für ein Blutbild
abgenommen, so wird auch gleich eine
Erbgut-Analyse der Blutzellen gemacht. Damit kann
man feststellen, ob bei der Zellteilung ein Fehler
entstanden ist.

Besteht der Verdacht auf eine akute
lymphatische Leukämie (ALL), so ist auch eine
Untersuchung des Nervenwassers
(Lumbalpunktion) nötig. Der Arzt führt dazu im
Bereich der Lendenwirbelsäule eine lange Nadel in
den Rückenmarkskanal ein und entnimmt etwas
Flüssigkeit, die er auf Krebszellen untersucht.

Zusätzliche Diagnosemethoden, mit denen der Arzt
die bei lymphatischen Leukämien vergrößerten
Lymphknoten entdecken kann, sind Computer-
und Kernspintomographie,
Ultraschalluntersuchungen und
Röntgenaufnahmen.

Therapieformen

Ziel jeder Therapie ist es, die Leukämiezellen
möglichst vollständig zu zerstören. Da Blutkrebs
den gesamten Organismus erfasst, ist das im
Gegensatz zu anderen Krebsformen nicht durch
eine Operation zu erreichen.

Die Chemotherapie ist bei Leukämien die
wichtigste Behandlungsform. Dem Patienten
werden Medikamente (Zytostatika) verabreicht, die
Krebszellen eher angreifen als gesunde Zellen. Die
Intensität der Behandlung hängt von der Art des
Blutkrebses ab. Bei akuten Leukämien (AML und
ALL) und bei chronisch myeloischen Leukämien
(CML) werden hoch dosierte Kombi-Präparate
eingesetzt. Meist kommt es dabei zu heftigen
Nebenwirkungen: Haarausfall und Übelkeit sind aber
vorübergehende Begleiterscheinungen. Die
Chemotherapien bei chronisch lymphatischen
Leukämien (CLL) sind sanfter und können ambulant
durchgeführt werden.

Bei akuten lymphatischen Leukämien (ALL),
die meist bei Kindern auftreten, sind oft auch das
Nervenwasser und die weichen Hirnhäute von
Tumorzellen befallen. Daher wird bei diesem
Blutkrebs-Typ häufig die Chemotherapie durch eine
Bestrahlung von Kopf und Rückenmark ergänzt.

Bei Patienten mit myeloischen Leukämien
(AML und CML), in einigen Fällen auch bei
lymphatischen Leukämien (ALL und CLL), bietet die
Knochenmarktransplantation eine Chance auf
völlige Heilung. Sie wird im Anschluss an eine
extrem hoch dosierte Chemotherapie eingesetzt,
um das dabei zerstörte Knochenmark zu ersetzen.
Voraussetzung ist, dass ein Spender zur Verfügung
steht, der ähnliche Gewebemerkmale aufweist.
Geschwister kommen deshalb am ehesten in
Betracht. Dem Spender wird mit einer Nadel
Knochenmark aus dem Beckenkamm entnommen
und dem Empfänger als Infusion in die Armvene
zugeführt. Bei der autologen
Knochenmarktransplantation wird dem Patienten
bereits vor der Chemotherapie Knochenmark
entnommen, von Krebszellen gereinigt und nach der
Chemotherapie wieder implantiert.

Nach einer Knochenmarktransplantation
können dem Patienten auch noch Immunzellen
des Spenders implantiert werden. „Diese Methode
wird schon seit einigen Jahren weltweit eingesetzt“,
so Dr. Stefan Frühauf. Die Immunzellen sollen noch
vorhandene Tumorzellen unschädlich machen.

Künstlich hergestellte Zellen des
Immunsystems, so genannte Interferone, werden
bei chronisch myeloischen Leukämien (CML)
eingesetzt. Leider treten bei dieser Behandlung
starke Nebenwirkungen wie Fieber, Schüttelfrost
und Appetitlosigkeit auf.

Ältere Leukämie-Patienten, für die herkömmliche
Therapien zu belastend sind, können seit kurzem
auf Heilung hoffen. Mediziner des Münchner
Uni-Klinikums Großhadern haben eine
Kombination von Chemotherapie,
Knochenmarktransplantation und
Immuntherapie entwickelt. Sie ermöglicht es, als
Vorbehandlung nur eine leichte Chemotherapie
einzusetzen, die jedoch die Krebszellen nur
teilweise vernichtet. Anschließend wird dem
Patienten Knochenmark eines Spenders
implantiert, wodurch das Immunsystem eine
Toleranz gegenüber fremden Zellen entwickelt. Dies
ist der entscheidende Schritt, denn nun können
auch Immunzellen des Spenders übertragen
werden, welche die restlichen Tumorzellen
angreifen.


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