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BB schrieb am 5.7. 2003 um 23:58:43 Uhr über

Mittelalter

"Die eine Grundlage von Goethes Götz von Berlichingen war sein

Studium der
Rechtswissenschaften in Straßburg. Dort wurde Goethes
Interesse für das ritterliche
Fehdewesen des Mittelalters und die Aufhebung desselben
durch Kaiser Maximilian I
geweckt. Die zweite Grundlage waren Shakespeares Werke, die
Goethe unter der Anleitung
Herders in Straßburg las und die ihn besonders durch
Shakespeares Vernachlässigung der drei
Einheiten des Dramas (Ort, Zeit und Handlung) faszinierten. Als
der junge Goethe dann zufällig
die Biographie von Götz von Berlichingen, "Lebensbeschreibung
Herrn Gözens von
Berlichingen, Zugenannt mit der Eisern Hand, Eines zu Zeiten
Kaysers Maximiliani I und Caroli
V kühnen und tapferen Reichs-Cavaliers las war er von diesem
Stoff so beeindruckt, daß er
ihn innerhalb von sechs Wochen neu schrieb und zu einem
Drama machte. So entstand 1771
der sogenannte »Urgötz«. Goethe war jedoch selbst nicht ganz
damit zufrieden und als Herder,
dem er das Werk zur Durchsicht gegeben hatte, auch Kritik
äußerte, arbeitete er es bis 1773
um. Das so entstandene Drama »Götz von Berlichingen mit der
eisernen Hand, ein Schauspiel«
ließ er dann im Selbstverlag drucken. Das Drama, das Goethe
selbst für unaufführbar hielt,
wurde nach Kürzung der Schlachtszenen 1774 in Berlin
uraufgeführt und wurde ein grosser
Erfolg.

Im Jahr 1787 ging Goethe den Götz anläßlich des Erscheinens
eines Sammelalbums seiner
Werke noch ein mal durch. Die letzte Überarbeitung erfuhr der
Götz im Jahre 1804 für eine
Aufführung des Götz in Weimar unter Leitung Goethes. Zurück

Der Inhalt

Götz von Berlichingen, der edle Ritter mit der Eisernen Hand,
den die Fürsten hassen und zu
dem die Bedrängten sich wenden, liegt in Fehde mit dem
Bischof von Bamberg. Es gelingt ihm,
den Berater des Bischofs, Adalbert von Weislingen,
gefangenzunehmen. Weislingen ist ein alter
Jugendfreund von Götz und dadurch gelingt es Götz, ihn auf
seine Seite und gegen die
Bamberger zu ziehen. Weislingen, der sich daraufhin vom
Bischof trennt und sich mit Maria,
der Schwester von Götz verlobt, kehrt aber wieder nach
Bamberg zurück, als er hört, daß ein
Engel in Weibesgestalt, nämlich Adelheid von Walldorf, dort
weilt. Dieser gelingt es nun, ihn so
in ihren Bann zu ziehen, daß er sie heiratet und sich wieder mit
dem Bischof von Bamberg
gegen Götz von Berlichingen verbündet. Als seine Verlobte
Maria davon erfährt, heiratet sie
Franz von Sickingen, einen Freund von Götz, der auch Raubritter

ist. Als Götz dann
Nürnberger Kaufleute überfällt, verhängt der Kaiser auf das
Anraten von Weislingen hin die
Reichsacht über Götz, woraufhin einen Reichsexekution
aufgeboten wird, um Götz lebendig zu
fangen. Götz gelingt es mit Hilfe seiner Leute, insbesondere
seiner Waffengefährten Lerse und
dem Buben Georg, den Reichstruppen eine Zeit lang zu trotzen,
muß aber schließlich der
Übermacht weichen. Obwohl ihm freier Abzug angeboten wurde,

wird er, als er seine Burg
Jagsthausen verläßt, gefangengenommen. Während er vor den
kaiserlichen Räten die Urfehde
schwören soll, kommt ihm Franz von Sickingen mit einer
Reiterschar zu Hilfe und befreit ihn.
Götz zieht sich auf seine Burg zurück, damit nicht wieder die
Reichsacht über ihn verhängt
wird, doch als ein furchtbarer Bauernaufstand ausbricht, fordern

ihn die Bauern auf, ihr Führer
zu werden und sie drohen ihm gleichzeitig, seine Burg zu
zerstören, falls er sich weigern sollte.
Aus Angst vor diesen Drohungen nimmt er an, obwohl er gegen
das Morden und Rauben der
Bauern ist. Der Aufstand wird jedoch blutig niedergeschlagen,
wobei Georg, der
Waffengefährte von Götz, in einer Schlacht fällt und Götz selbst
gefangengenommen wird.

In der Zwischenzeit ist Adelheid, die Frau Weislingens, ihres
Mannes überdrüssig geworden,
da sie nach der Gunst des neuen Kaisers strebt. Um ihr Ziel zu
verwirklichen, schickt sie
Weislingen ein Gift, das dieser gerade dann einnimmt, als Maria
zu ihm kommt, um ihn um
Gnade für Götz zu bitten. Bevor Weislingen stirbt, gelingt es ihm

noch das Todesurteil von
Götz zu nehmen. Adelheid aber wird durch ein geheimes
Femegericht zum Tode verurteilt.
Auch Götz stirbt, nachdem ihm alles genommen worden ist, die
rechte Hand, seine Freiheit,
seine Güter und sein guter Name, im Gefängnis. Zurück

Die Personen

Die Hauptperson, die im Mittelpunkt des Dramas steht, ist der
Ritter Götz von Berlichingen.
Götz tritt als der gerade, biedere, tapfere, freie und
naturwüchsige Ritter auf, der von Freiheit,
Gottvertrauen, Gerechtigkeitssinn, Männlichkeit und Treue
erfüllt ist. Wie wichtig ihm eine
Freundschaft auf Treue basierend ist, zeigt sein Verhältnis zu
Weislingen. Als es Götz gelingt,
ihn wieder für sich zu gewinnen, lebt Götz sichtbar auf und
schmiedet neue Pläne. Als
Weislingen ihn jedoch verrät, gerät zum ersten Mal der
Optimismus von Götz ins Wanken. Für
ihn existieren nur zwei Parteien: Seine Freunde, an denen er
sehr hängt und für die er alles tun
würde, und seine Feinde, die er unerbittlich bekämpft. Auch die
Liebe und Verehrung dem
König gegenüber ist ein Merkmal von Götz. Sein größter Wunsch
ist nämlich ein großes,
mächtiges Reich, regiert von einem starken Kaiser, in dem
Friede, Freiheit und Gerechtigkeit
herrschen. Gerade in der schillernden Figur des Götz werden alle

Ideale dieser Epoche
verkörpert. Freiheit, Natur und Männlichkeit drücken sich
genauso in Götz aus wie ein starker
Nationalismus.

Neben Götz existieren noch zwei weitere Ritter: Selbitz und
Franz von Sickingen. Während
Selbitz fast ein Ebenbild von Götz ist, ihm fehlt nur seine
Treuherzigkeit, erscheint Sickingen in
einem anderen Licht. Er entspricht zwar im großen und ganzen
Berlichingen, jedoch ist er sich
des Untergangs des Rittertums bewußt und versucht deshalb,
sich in den Fürstenstand
hinaufzuarbeiten.

Von den beiden Knappen, Lerse und Georg, besitzt Lerse
ungefähr die selben noblen
Eigenschaften wie die drei Ritter, Georg jedoch stellt vielmehr
den jungen Götz dar.

Der Gegenspieler von Götz ist Adalbert von Weislingen, der
Jugendfreund von Götz.
Weislingen besitzt, ähnlich wie Götz, viele gute Eigenschaften,
ist aber auch eitel und sehr leicht
beeinflußbar. Diese Charakterschwäche wird sichtbar, als er von

Götz gefangen wird. Durch
das Beisammensein bricht die Freundschaft wieder hervor,
sobald er aber wieder im
Einflußbereich des Bischofs von Bamberg steht, wendet
Weislingen sich wieder von
Berlichingen ab. Ein zweiter Grund für den Verrat liegt in seiner
Leidenschaft für die Frauen,
die sofort angeregt wird, als er von der Schönheit Adelheids von

Walldorf erfährt. Jedesmal,
wenn er aber nun von Götz hört, wird ihm wieder sein Verrat und

seine Schwäche bewußt und
er verfolgt Götz immer erbitterter. Erst als ihn Adelheid
vergiftet, während Maria um das
Leben ihres Bruders Götz bittet, gesteht er sich selbst ein, wie
tief er gesunken ist und es
gelingt ihm noch, sozusagen als letzter Dienst für den alten
Freund, das Todesurteil Götzes zu
widerrufen. In Weislingen gibt Goethe das Bild eines Mannes,
der von der Zivilisation, in Form
des Hoflebens, verdorben wurde, weil er sich von der Natur, in
Gestalt des naturverbundenen
Berlichingens, abgewandt hatte.

Maria, die Schwester Götzes, ist im Gegensatz zu ihrer
Schwägerin Elisabeth zart und fromm.
Sie bevorzugt das ruhige Leben und das wilde Ritterdasein ist
ihr eigentlich ein Greuel. Es ist
also nicht verwunderlich, daß sie sich schon bei ihrem ersten
Zusammentreffen in Weislingen,
der durch sein elegantes Auftreten besticht und auch sonst gut
zu ihr paßt, verliebt. Als dieser
sie aber verläßt, würde es zwar besser zu ihrem Wesen passen,
sich in ein Kloster
zurückzuziehen, der Dichter läßt sie aber Franz von Sickingen
heiraten, weil er diese Heirat für
sein Drama benötigt.

Die dritte Frau des Dramas ist Adelheid von Walldorf. Ihr kann
der Typ der herrschsüchtigen
und vom Ehrgeiz zerfressenen Frau zugeschrieben werden,
deren Pläne keine Grenzen kennen.
Sie ist, obwohl sie sehr schön ist, zu keiner echten Liebe fähig,
sondern benutzt ihren Gatten
Weislingen eigentlich nur für ihre Vorhaben. Sobald er ihr aber
hinderlich erscheint, schreckt
sie auch nicht vor einem Mord zurück. Adelheid, erfüllt von
Herrschsucht, Ehrgeiz, Hinterlist
und Intrige, ist die eigentliche Gegenspielerin und Todfeindin
von Götz. Zurück

Merkmale und Sprache des Götz

Goethes Drama ist, obwohl es als historisches Drama
bezeichnet wird, keinesfalls ein
historisches Dokument. So sind zum Beispiel sowohl Weislingen
als auch Adelheid frei
erfunden. Jedoch spiegelt sich in diesem Drama die Zeit und ihre

tiefgreifenden Veränderungen
wieder. Im Mittelpunkt steht die Auseinandersetzung der auf
Vertrauen gegründeten Ordnung
des Mittelalters und der neuen Zeit. Goethe zeigt auch auf, was
mit den Rittern dieser Zeit
geschieht. Entweder widersetzten sie sich den Neuerungen und
scheitern wie Götz, oder sie
versuchen den Ritterstand zu reformieren, wie Franz von
Sickingen, oder aber sie arrangieren
sich mit der neuen Zeit, wie Weislingen. Die Macht der Zeit spielt

aber auch sonst in Goethes
Drama eine große Rolle. Während die eigentliche Handlungszeit
im Götz von Berlichingen nur
wenige Monate beträgt, vergeht die organische Zeit, ablesbar
an den Personen, viel rasanter.
So verfällt Götz während des Dramas zum Greis, genauso
schnell altert der Kaiser und aus
dem Knaben Georg wird der erwachsene Waffengefährte von
Götz.

Da sein Drama im 16. Jahrhundert spielt, versuchte Goethe auch

Ausdrücke aus dieser Zeit zu
verwenden. Dazu benutze er Bibelzitate aus der Übersetzung
von Luther und die
Autobiographie von Götz von Berlichingen. Eine weitere
Eigenschaft läßt die Sprache alt
erscheinen. Goethe verwendete nämlich Ausdrücke aus dem
Dialekt seiner Kindheit. Das
Oberdeutsche, das Goethe als Kind sprach, galt in Leipzig, wo
Goethe studierte, als derb und
unmodern. Selbstverständlich gibt es auch Unterschiede in der
Sprache bei den Personen des
Dramas. So verwendet er zum Beispiel sowohl das »moderne
Deutsch« für die Bamberger, als
auch einen archaisch-volkssprachlichen Ton für Zigeuner.
Goethe wollte damit die Charaktere
noch zusätzlich untermalen. So spricht Götz hauptsächlich in
altertümlichen Ausdrücken, die
das derbe, aber auch das natürliche und treuherzige Wesen
Berlichingens zum Ausdruck
bringt, während der Bischof und seine Berater das »moderne
Deutsch« verwenden, das das
Unnatürliche und Gekünstelte verkörpern soll. Als Goethe 1787
seine Götz überarbeitete,
gingen jedoch viele dieser alten Ausdrücke verloren. So blieb
nur ein Teil der großen Fülle von
oberdeutschen Ausdrücken erhalten, aber es wurden auch die
Ausdrücke selbst entschärft.
Daher findet man in den heutigen Ausgaben des Götz von
Berlichingen nicht mehr das
berühmte »Götz-Zitat sondern an dieser Stelle nur noch drei
Platzhalter. Zurück

Wirkung

Das Werk war, wie schon erwähnt, ein großer Erfolg und machte
den jungen Autor mit einem
Schlag berühmt. Aber es gab auch kritische Stimmen, so war
Friedrich der Große über diese
Drama empört und Lessing verurteilte, daß Goethe die drei
Einheiten des Dramas überhaupt
nicht beachtet hatte. Hingegen überboten die jungen Dichter
des Sturm und Drang gegenseitig
mit begeistertem Lob. Wenn man den Erfolg des Götz erklären
will, muß man wissen, daß in
dieser Zeit das Mittelalter im Mittelpunkt des historischen
Interesses stand und der deutsche
Nationalismus sehr ausgeprägt war. Ein Werk, das im Mittelalter

spielt, einen deutschen
Helden bietet und mit Kampfszenen und prächtigen historischen

Kostümen eine Abwechslung
zu den französischen Tragödien bietet, mußte fast ein Erfolg
werden. Dies ist auch der Grund,
warum viele ähnlich Werke, insgesamt mehr als 38, folgten.
Dabei wollte man weniger
Goethes Stil nachahmen, sondern vielmehr die gleiche beim
Publikum beliebte Thematik
behandeln. "


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