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Martin schrieb am 11.11. 2009 um 19:37:38 Uhr über

Abhärtung

Meine Mutter zog mich und meinen Bruder Michael mehrere Jahre allein auf, bis sie erneut heiratete. Damals war ich 8 und Michael 10. Wir zogen bei unserem Stiefvater ein und merkten bald, daß nun ein neuer Wind wehte, denn er war sehr streng.
Michael und ich trugen üblicherweise Jeans, die zu der Zeit schon sehr weit verbreitet hatten, doch unser Stiefvater hielt nichts davon und wollte, daß wir fortan kurze Lederhosen trugen, und dies das ganze Jahr. Natürlich paßte uns das gar nicht, und auch unsere Mutter war nicht wirklich begeistert, und so kam ein »Kompromiß« heraus. Der sah dann so aus: wir durften Jeans tragen - aber immer nur kurze! Im Sommer war das o.k., da hatten wir auch vorher schon kurze Jeans getragen, und viele unserer Mitschüler und Freunde taten es auch. Aber im übrigen Jahr fanden wir das nicht so toll, doch unser Stiefvater blieb unerbittlich. Am schlimmsten war es im Winter. Die Kälte biß regelrecht an unseren nackten Knien und Oberschenkeln, doch daran gewöhnten wir uns nach einer Weile sogar - mehr oder weniger. Richtig unangenehm war es aber, all die mitleidsvollen oder auch spöttischen Blicke auszuhalten, die einen auf der Straße oder in der Schule verfolgten. Wir konnten ja sogar verstehen, daß die Leute uns so anstarrten, wir müssen schon etwas komisch ausgesehen haben, oben mit Schal, Pullover und dicker Jacke gut eingemummelt, und unten dann mit unseren kurzen Jeans. Das war dann die eigentliche Abhärtung: sich an das ständige Geglotze und die eine oder andere Frage zu gewöhnen.
Eine andere Neuerung, die unser Stiefvater bei uns einführte, war der Rohrstock. Auch dagegen gab es erst mal Proteste, und auch hier setzte sich unser Stiefvater durch: wenn Michael oder ich uns daneben benahmen, mußten wir fortan damit rechnen, daß uns der Hintern versohlt wurde; je nach der Schwere der Verfehlung gab es dann zwischen 5 und 10, in seltenen Fällen 12 Hiebe auf den Hosenboden. Allerdings passierte das nur selten, wenn wir mal eine schlechte Note aus der Schule mit nach Hause brachten, waren Schläge nie ein Thema. Aber ich wurde mal verdroschen, als mein Stiefvater mich beim Kokeln in der Garage erwischte, und noch ein paar weitere Male, wo ich mir ähnliche Dinge erlaubt hatte, und Michael ging es ähnlich. Aber gerade weil unser Stiefvater nur so selten und dann auch begründet vom Rohrstock Gebrauch machte, akzeptierten wir das nach einer Weile auch.
Als Michael 16 wurde, erlaubte ihm mein Stiefvater dann endlich, wieder lange Hosen anzuziehen, und zwei Jahre später durfte ich es dann auch tun - nach acht Jahren mit nackten Beinen. Neben den kurzen Jeans trugen wir in der Zeit auch manchmal kurze Stoffhosen oder Turnhosen, aber kurze Lederhosen haben wir beide nie getragen.


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