>Info zum Stichwort Farbe | >diskutieren | >Permalink 
mothalho schrieb am 22.5. 2001 um 01:12:46 Uhr über

Farbe

Ich habe vor wenigen Tagen in den Regalen meines local dealers, also dem Allfrisch-Markt, eine verlockende Entdeckung gemacht!
»Gewiko Markenqualität« stand in schmackhaften Lettern auf der Packung! Hinter dem Karton sollte sich, schön hygienisch in Folie eingeschweißt, »Schweingeschnetzeltes in Pfeffersauce und Erbsen-Möhren-Gemüse« verstecken, so ließ es der Aufdruck verlautbaren. Eine aufwendige Photographie, auf der ein mit lecker Essen angerichteter Teller abgebildet war, rief laut: »Kauf mich! Kauf mich und wärme mich mit Deinen starken Mikrowellenstrahlen und dann mich! mich, nein verschlinge mich mit gierigen Gabelschwüngen aus der leckeren Plastikschale!«.
Ich war bereit alles zu tun, um mit dem Schweinegeschnetzelten und dem knackigen Gemüse alleine in meiner Kammer zu sein. Und als ich das Preisetikett sah, da wußte ich, das Schweinegeschnetzelte und ich werden eins sein, ich mußte noch nicht einmal einen großen Aufwand betreiben. Drei Mark neunundsiebzig schien mir ein Spottpreise für das Stillen meines Verlangens, meiner Gier zu sein, die inzwischen schmerzhaft angewachsen war.
Unterzungen- und Unterkieferdrüse schossen rücksichtslos Speichel in meine Mundhöhle ein und schickten ihre gemeinen Verse in mein Unterbewußtsein: »Wir sind bereit zu verdauen Deine Speise, zögre nicht länger, sieh nur die PreiseDoch dabei stachelten sie auch noch meinen Magen und die Bauchspeicheldrüse an, die sich schon auf das fette Schweinefleisch und die saftigen Erbsen und Möhrchen freuten und vor lauter Entzücken schon einmal anfingen ein grollendes Knurren durch meinen Bauchraum zu senden.
Ich konnte nicht mehr anders! Flotten Schrittes war ich an der Kasse. Nur zwei andere Einkäufer vor mir. Das ging. Ich bereitete schon einmal alles vor und zog meine Geldbörse heraus. Ich konnte sie mit einer Hand kaum ruhig halten, weil in der anderen die eingeschweißte Lust wartete. Ja, schnell, hier das Geld. Warten, Wechselgeld und schon war ich zur automatischen Glastür draußen.
An der frischen Luft, die kalt in meine Lungen hinunterschnitt, kam ich wieder etwas zur Ruhe, und ich schaffte es, das Bügelschloß mit ruhiger Hand zu öffnen und mein Rad heimwärts zu lenken, die Gedanken schon ganz bei den bald folgenden Momenten.

Die unschuldig weiße Tür des Mikrowellenapparates öffnete sich willenlos auf Knopfdruck und mir schien, daß auch das Gerät schon ganz ungeduldig darauf wartete endlich mal wieder mit seinen kraftvollen Wellenbündeln wabberige Eßmasse zu durchdringen, um ihm so langsam Wärme und später Hitze einzuflößen.
Ich zog die Folie beherzt aber doch vorsichtig von der Plastikschale, die das kostbare Gut beherbergte, ab und mir war klar, nachdem meine Nasenschleimhäute den aufsteigenden Geruch analysiert und meine Pupillen die Nahrung gesehen hatten, daß sich in der Mikrowellenmaschine beim Prozeß des Erhitzens noch einiges tun mußte, bevor überhaupt geringfügige Ähnlichkeiten mit der Abbildung auf dem Verpackungsmaterial bestanden.
Nach dieser optischen Erfahrung hatte sich mein Sinnesorkan schlagartig gelegt, aber in Anbetracht der Verpackung wollte ich noch keine Entwarnung geben.
Ich stellte das gute Pfund Fleisch-, Gemüse- und Teigmasse abgedeckt mit einem Teller, in den Garraum der Maschine und schloß die Tür. Vier Minuten bei Stufe drei schien mir ausreichend und angemessen, und ich wartete sehnsuchtsvoll auf das erlösende »Pling«, das das Ende des Erhitzungsprozesses signalisieren sollte. Nach der Hälfte der Zeit fing es unter dem Teller in der Maschine an zu brutzeln und zu blubbern und ich machte mir Sorgen. Hoffentlich mußte die Kost im Wellensturm nicht leiden und ich war drauf und dran, die Tür rücksichtslos zu öffnen, um mein Mahl zu retten, doch das »Pling« kam mir zuvor.
Mit meinen Händen, geschützt durch feines Baumwollgewebe, fischte ich den Gaumenschmaus aus der Maschine und stürzte ihn mit einer behenden Drehung auf den oben aufliegenden Teller. Der spannende und lang ersehnte Moment war gekommen. Ich hob die Plastikschale vom Teller ab, der sich jetzt unter der erhitzten Nahrung befand.
Erneut überrollte eine Sinneslawine mein Gehirn und nahm mir fast das Bewußtsein. Die Auswirkungen waren nur genau das Gegenteil von meinen Eindrücken noch zuvor im Laden. Die Speicheldrüsen verschlossen sich unversehens, der Mund wurde staubtrocken und mein Bauch verstummte. Alle mir von der Natur gegebenen Rezeptoren teilten mir mit, daß die vor mir liegende Nahrung nicht zum Verzehr geeignet sei. Noch wollte ich mich aber nicht geschlagen geben und lud mir allen Warnungen zum Trotz eine Gabel der Nahrung auf, doch kaum hatte ich meinen Mund um die Gabel geschlossen, war mir klar: Gewiko Schweinegeschnetzeltes in Pfeffersauce und Erbsen-Möhren-Gemüse ist schlichtweg ungenießbar!



   User-Bewertung: +1
Bedenke: Uninteressante und langweilige Texte werden von den Assoziations-Blaster-Besuchern wegbewertet!

Dein Name:
Deine Assoziationen zu »Farbe«:
Hier nichts eingeben, sonst wird der Text nicht gespeichert:
Hier das stehen lassen, sonst wird der Text nicht gespeichert:
 Konfiguration | Web-Blaster | Statistik | »Farbe« | Hilfe | Startseite 
0.0259 (0.0180, 0.0066) sek. –– 979513098