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Bonaventura schrieb am 12.5. 2005 um 01:26:49 Uhr über

Fortsetzungsgeschichte

Er hatte dem Pfarrer das Faksimile des Weihnachtsmissale Alexander Borgias, eine Flasche Chateau Palmer und 500 Euro Schwarzgeld 'zur freien kirchlichen Verwendung' mitgebracht, fast hatte es etwas canossahaftes, wie er seine Gaben in der Wohnung des trägen Rundbauchs, der aber doch so schön die Trauerpredigt gehalten hatte, auf den verspießerten Kacheltisch legte, anschließend redeten sie noch kauzig ebenäugig über die-Allgewalt-der-Liebe und Pastor J. erzählte auch noch frank & frei, er dächte darüber nach, das Geld in ein neues Messgewand zu stecken, schließlich sei auch er (sic) 'ein Freund des Schönen'. M. empfahl ihm dies von ganzem Herzen und selbst Anklänge an die etwas freieren Spielarten der Sexualität wurden laut, wobei er mit Genugtuung bemerkte, daß J. und er wie schon bei seinem ersten Besuch beide schwarze Hosenträger trugen. Genauer gesagt, komplett schwarz gekleidet waren. Und der Pastor trug Sockenhalter, er hatte noch nie einen Pfarrer, einen Mann mit Sockenhaltern gesehen. M. zerbarst fast an seiner Erektion, hatte aber nicht die leiseste Ahnung, wie man einen 67jährigen katholischen Pfarrer zum Sex animiert. Immerhin fand er die Konzentration, das Memorialkonzert festzumachen und nach Vereinbarung einer weiteren jährlichen Zuwendung trat M. fast gänzlich katholisch und aufgegeilt in die kalt gewordene Luft. »Meine Tür steht immer offen, mein lieber M.«, hatte V. noch zum Abschied gesagt. Das »genau wie meine, Herr Pfarrer«, hatte sich M. trotz seines teuer erkauften Neustatus erst einmal verkniffen. Später im Brauhaus dann, mit Blick auf den osmanischen Schankchef, wuchs bei jedem Bier seine Getriebenheit, weitere Biere im Rotlichtbezirk an der Bismarckstraße später fanden ihn schließlich in der Umstrickung eines sonderbaren Arrangements im alten Pornokino, in deren Mitte er kniete, die Zunge in einen gänzlich verdorbenen ältlichen Japaner vergraben, während ein verpelzter Hüne in Armeeklamotten auf gewollt ruppige Art seine scheinbar allzu gewohnte Ehrbezeugung entgegennahm. Der Bulle verströmte sich sogar, immerhin mit reichlich Engagement auf den erst unlängst gereinigten Anzug und der bereits zuvor entlaufene Japaner fand sich später an den Knien von M's bestem Anzug wieder. Als ob Sissi im Hochzeitskleid zum Anarchistenkongress führe, dachte er noch reichlich zusammenhanglos, zahlte seine DVD 'Fur Frenzy' und stelzte skoliotischer denn je und allenfalls halbleer zum nächsten Taxi. Schon auf der Fahrt wuchs sein Gefühl, seit Stunden und Tagen von sich selber überholt zu werden wie gerade ihr Wagen in der Spiegelung einer gewölbten Glasfassade. Er kam nach Hause. Er sah den Film. Er tat das, wofür er den Film gekauft hatte. Ernoch eine Kleinigkeit. Erneut schaltete er 'Fur Frenzy' ein, aber er war noch satt. Er war satt. Er ebnete den Grabhügel ein und begann zu schreiben.


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