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wuming schrieb am 3.5. 2003 um 16:04:37 Uhr über

Tee

Farmer bringen Tee ins Licht

Nur rund sechs Prozent der 32 Millionen Kenianer
haben Zugang zu Elektrizität. Weltweit einzigartig:
Der kenianische Solarmarkt, der zweitgrößte
Afrikas, funktioniert fast völlig ohne Subventionen

Für Margaret Kiumbe geht der Arbeitstag nicht mehr mit
Einbruch der Dunkelheit zu Ende. Noch vor kurzem kam
die Bäuerin in der frühen Dämmerung von den
Teefeldern rund um die kenianische Stadt Meru nach
Hause, um noch bei Tageslicht für die vielköpfige
Familie kochen und waschen zu können. Inzwischen
pflückt sie zwei Stunden länger Teeblätter von den satten
grünen Stauden. Die 38-jährige zierliche Frau braucht
sich bei der Arbeit um das Licht daheim nicht mehr zu
sorgen: Ein Solarpaneel auf dem Dach ihres einfachen
Hauses mitten im Nirgendwo hat das Leben der ganzen
Familie verändert - Photovoltaik bringt jetzt Strom.

Ein vom UN-Entwicklungsprogramm (UNDP)
unterstütztes Projekt hilft Teefarmern in der abgelegenen
Region in Zentralkenia, Licht ins Dunkel ihrer Häuser zu
bringen: Mit Hilfe von Krediten können die Bauern
Solarsysteme kaufen, an die durchschnittlich sechs
Lampen, ein Radio und sogar ein Fernsehgerät
anschließbar sind. Je nach Nutzung reicht die
Sonnenenergie drei bis vier Stunden. Im sonnenreichen
Kenia kann sich das System tagsüber leicht wieder
aufladen.

Nur rund sechs Prozent der 32 Millionen Kenianer haben
Zugang zu Elektrizität. Auf dem Land, wo 80 Prozent der
Bevölkerung lebt, sind nur knapp fünf Prozent aller
Haushalte ans Stromnetz angeschlossen. In
abgelegenen Gebieten, in die das staatliche Netz nicht
reicht, bieten alternative Energien daher eine Chance für
die Kenianer, abends nicht mehr im trüben Schein von
Kerosinlampen sitzen zu müssen. 150.000 Haushalte auf
dem Land mit Solaranlagen brauchen das Stromnetz
nicht mehr.

Bei der Teefarmer-Vereinigung in Meru genießen
inzwischen 60 Familien die Vorteile der Sonnenenergie:
Da Frauen wie Margaret Kiumbe die Hausarbeit nun
auch spät am Abend erledigen können, verlängert sich
der Arbeitstag auf dem Feld. Der Ertrag der Farm und
damit das Einkommen der Bauern können steigen.
"Unsere neun Schulkinder in der Familie haben jetzt
mehr Zeit für ihre Hausaufgaben", erzählt die Bäuerin.
Margarets Mann Jacob fühlt sich sicherer, seit er nachts
eine Lampe draußen am Haus brennen lassen kann. Die
monatlichen Ausgaben für Kerosin von umgerechnet
etwa elf Euro fallen weg. Nicht zuletzt können sich die
Menschen durch Radio und Fernsehen über aktuelle
Ereignisse auf dem Weltmarkt informieren - zum
Beispiel eben auch über die Teepreise.

Die neuen Solaranlagenbesitzer zeigen sich auch mit
dem Wartungsaufwand zufrieden: Alle drei bis sechs
Monate steigt ein Techniker die Teehügel zu den Hütten
hinauf, um das Funktionieren der Batterie zu überprüfen.

Während der Trockenzeit, wenn es wochenlang nicht
regnet, muss ein Familienmitglied von Zeit zu Zeit aufs
Blechdach klettern und den rotbraunen Staub von den
Paneelen wischen - damit die Sonne ungehindert auf die
Solarzellen scheinen kann und die Leistung des
Systems nicht nachlässt.

Manchmal aber sind die Augen größer als das Paneel.
Hin und wieder beschweren sich Familienväter, dass
das System nach einer halben Stunde zusammenbricht.
Auf Nachfrage räumen sie dann allerdings ein, dass sie
zusätzlich zum Fernseher einen Videorekorder
angeschlossen haben - ohne zu bedenken, dass jedes
weitere Elektrogerät auch mehr Strom braucht, die
verfügbare Strommenge aber von der Größe der Anlage
abhängt. Als der Strombedarf des Haushalts vor der
Installation berechnet wurde, war von Videos noch keine
Rede. »Seitdem diese Probleme aufgetreten sind«, sagt
David Otieno von Solarnet, einer
Nichtregierungsorganisation zur Förderung alternativer
Energieformen, "laden wir die Leute vorher zur Beratung
ein. Wir erklären ihnen, welche Geräte sie mit welchem
System benutzen können, und geben Empfehlungen."

Die Wirkung des Projekts auf die Wirtschaft der Region
ist nicht zu übersehen: In der nahe gelegenen Stadt Meru
haben seit Beginn der UN-Initiative Filialen der
führenden Solaranlagenvertreiber des Landes wie
Solagen oder Chloride Exide eröffnet. Der kenianische
Solarmarkt, nach Südafrika der zweitgrößte Afrikas,
funktioniert fast völlig ohne staatliche Subventionen, was
weltweit nach Expertenmeinung einzigartig ist.

Ein 1973 von der Regierung initiiertes
Elektrifizierungsprogramm für ländliche Gebiete hat bis
heute gerade 77.000 Haushalte ans Stromnetz
angeschlossen. Ginge die Elektrifizierung im selben
Schneckentempo weiter, würde es nach Berechnungen
von Experten weitere 400 Jahre dauern, bis alle
Haushalte auf dem Land mit Strom versorgt wären. Die
neue Regierung unter Präsident Mwai Kibaki will
frischen Wind in die Energieversorgung bringen und bis
Juli neue Richtlinien zur Nutzung erneuerbarer Energien
vorlegen. Denn nicht nur in Meru warten noch viele
Kenianer darauf, ihre Kerosinlampen für immer
auszudrehen." ANJA BENGELSTORFF

taz Nr. 7044 vom 3.5.2003, Seite IV, 168 Zeilen
(TAZ-Bericht), ANJA BENGELSTORFF


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