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Dr. van Helsing schrieb am 19.4. 2013 um 22:08:07 Uhr über

Südtranssilvanien

Ich habe vor ein paar Jahren eine Wurstbudenbesitzerin in Südtranssilvanien kennengelernt. Neben einigen grau-grünlichen Kochwürsten bot sie in ihrer Wurstbude auch grobe Blutwürste zur Verkostung an.
Die Graugrünlichen schmeckten noch furchtbarer, als sie aussahen. Die Blutwürste aber, die hatten es in sich. Die waren lecker und haben sogar mir, einem anspruchsvollen Esser und Gourmet, gemundet.

Auffällig war aber, dass die Wurstbudenbesitzerin ihre Wurstbude immer erst nach Einbruch der Dunkelheit öffnete. Ebenso auffällig waren ihre Kunden, die alle schwarze Kleidung und wallende Umhänge trugen.
Ich sah, dass sie allesamt den Graugrünlichen keine Beachtung schenkten, sondern ausschließlich nach den größten und dicksten Blutwürsten verlangten. Kaum gekauft, schlangen die diese gierig und laut schmatzend und grunzend herunter.
Nun waren es weniger die Essmanieren, die mich misstrauisch werden ließen, schließlich waren wir ja in Südtranssilvanien. Es waren vielmehr die Lebensgeister, die nach dem Genuss der groben Blutwürste auf einmal sichtlich in der Kundschaft jener Wurstbudenbesitzerin erwachten.

Jeden Abend wiederholte sich das selbe Geschehen. Und es waren jeden Abend die selben Kunden, die zunächst scheinbar kraftlos und müde zur Wurstbude schlichen und ihre Blutwurst bestellten. Und jeden Abend hörte ich das Schmatzen und Grunzen und kaum geschluckt, wirkten die Kunden auf einmal wieder frisch und voller Tatendrang.

Am fünften Abend nahm ich ein Bündel Knoblauchzwiebeln mit zu meinem Beobachtungsstand, nur wenige Schritte neben der Wurstbude. Ich wollte mich davon überzeugen, ob mein Verdacht gerechtfertigt war.
Und als das große Schmatzen und Grunzen wieder begann, schritt ich forsch zur Wurstbude und mischte mich mitten unter die schwarz bekleideten Kunden. Als ich die Knoblauchzwiebeln aus der Tasche zog, wichen die Kunden entsetzt zurück.

Ich hatte also Recht gehabt. An dieser Wurstbude mitten in Südtranssilvanien versorgte die Wurstbudenbesitzerin echte Vampire mit ihrem Lebenssaft. Menschenblut, wie meine späteren Untersuchungen ergaben.
Doch handeln musste ich sofort. Ich hatte die Magazine meiner Vampirtöter, wie ich meine automatischen Schnellfeuerwaffen liebevoll nannte, mit hunderten von Silberkugeln geladen, mit denen ich jetzt die Herzen der Blutwurst liebenden Vampire duchlöchern musste. Schuss für Schuss traf wohl gezielt und löschte Vampir nach Vampir aus.

Ich muss zugeben, dass ich ein wildes Gemetzel unter all den Untoten anrichtete, das wenig appetitlich war, aber ich hatte keine andere Wahl. Es ging ja nicht nur um die Zukunft Südtranssilvaniens, sondern um die Zukunft der gesamten Menschheit.

Die Wurstbudenbesitzerin war sofort geständig. Sie hatte tagsüber Touristen, die ahnungslos in den umliegenden Pensionen abgestiegen waren, mitleidslos ermordet und anschließend verwurstet. Ich übergab sie den örtlichen Behörden und sie wurde zu lebenslangem Gefängnis verurteilt. Aus sicherer Quelle weiß ich, dass sie dort heute in der Gefängnisküche arbeitet und täglich frische, grau-grünliche Würste produziert, die den Häftlingen zusammen mit grauem Brot zum Abendessen serviert werden.


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