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Tod ist das Erlöschen des individuellen Lebens eines Organismus, dem alles Lebendige ausgesetzt ist. So gesehen unterliegen auch die „ewig” teilungsfähigen Einzeller (Bakterien, Protozoen) dem Tod, wenn durch Teilung oder parasexuelle Vorgänge das Individuum zu bestehen aufhört. Bei allen höheren Organismen (Pflanzen und Tieren) setzt nach Abschluss der Entwicklung zum „erwachsenen” Lebewesen ein Alterungsprozess (altern) ein, der zum Tod führt. Bei vielen Lebewesen beginnt ein schneller Abbau der physiologischen Funktionen nach Ablauf der Fortpflanzung (einjährige Pflanzen, Insekten). Bei anderen mit wiederholter Vermehrungsfähigkeit (z. B. Bäume, die meisten Säugetiere einschließlich des Menschen) setzt der natürliche Tod nach Ablauf langer Zeitspannen ein, dem immer ein Absterben wichtiger Organfunktionen vorausgeht (dementsprechend Atmungs-, Herz-, Gehirntod). Meist kürzt ein Tod durch Krankheit oder Unfall diesen Prozess ab (unnatürlicher, gewaltsamer Tod). Das endgültige Erlöschen der Funktionen des Zentralnervensystems (Gehirntod) bestimmt den biologischen Tod, während Herz- oder Atemstillstand u. U. (durch Reanimation) reversibel sind (sog. klinischer Tod). Die Diagnose des Gehirntodes ist auch maßgeblich für die Todesfeststellung, was besonders im Hinblick auf eine etwaige Organentnahme zu Transplantationszwecken Bedeutung haben kann. - Der Wechsel von Tod und Neuorganisation ermöglicht den Lebewesen die Anpassung an die sich stetig ändernden Umweltbedingungen. Auch Selektion, Darwinismus.
Philosophie
Die Philosophie bemüht sich um eine Sinndeutung des Todes, die Weisung für die Lebensgestaltung und Antwort auf die Frage nach einem Weiterleben nach dem Tod einschließt: Tod als endgültiges Erlöschen (Materialismus), als Durchgangsstadium zur Wiederverkörperung (Gnosis), als Befreiung der Seele zur Unsterblichkeit (Platon) oder als unübersehbare Grenzsituation.
Theologie
In der christlichen Theologie gilt der Tod als Gericht Gottes über die Sünde, dem die Auferstehung der Toten und das Jüngste Gericht folgen. Der Glaubende vertraut auf die Auferstehung Jesu Christi, die als Überwindung des Todes und Ermöglichung eines neuen Lebens verstanden wird.
Kunst
In der bildenden Kunst des Abendlandes wechselt die Darstellung des Todes mit den Stilepochen und dem Wandel der religiösen Vorstellungen. In der griechischen Kunst erscheint der Tod als Jüngling, manchmal geflügelt, mit gesenkter Fackel. Seit dem 12. Jahrhundert, unter dem Eindruck verheerender Seuchen (Pest), stellt man den Tod als Gerippe oder als in Verwesung begriffenen Leichnam dar, im Sinne des Memento mori mit der Frage nach dem Verbleib früherer Schönheit und der Gewissheit, dass der Tod die Menschen aus jedem Beruf und Lebensalter reißt. Die Bildfigur des Todes als Sensenmann findet sich bereits in der Kunst der Romanik; häufig erscheint im Mittelalter der Tod auch als Ritter. Moralische Absichten (Warnung vor sündhaftem Leben) verfolgen die vom 14.-17. Jahrhundert entstandenen Bilder des Totenreigens (Totentanz).
(aus Bertelsmann 2001)
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