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aka schrieb am 30.9. 2001 um 14:21:09 Uhr über

Märchen

(fortsetzung - siehe blasterblätterer- von Sealskin Soulskin - Seehundfell Seelenhaut)

Das Kind war rund und gesund, und in den langen Winternächten, während der Vater am Feuer sass und Figuren schnitzte, erzählte die Mutter ihrem Ooruk Geschichten, aber anstatt vom Bären, vom Raben und vom Wolf zu erzählen, wie es andere taten, erzählte sie die Sagen vom Walfisch, vom Seehund und den Lachsschwärmen, denn dies waren die Geschöpfe die sie kannte. Die Jahre vergingen, und die Menschenhaut der jungen Frau wurde erst schuppig, dann spröde, bis sie schliesslich in trockenen Fetzen von ihrem Körper fiel. Ihr plumpes, weisses Fleisch wurde hohl und grau, selbst die Haare auf ihrem Kopf fielen aus. Das Licht in ihren seelenvollen Augen erlosch, und bald musste sie die Hand ausstrecken, um ihren Weg zu ertasten, denn sie war halb blind geworden. Eines Nachts wurde Ooruk unsanft aus dem Schlaf gerissen, denn der Vater schimpfte laut, und die Mutter weinte. »Gib mir mein Fell zurück«, flehte die Mutter weinend. »Sieben lange Jahre sind vergangen, und der achte Winter kommt. Du hast es mir versprochen.« »Nein«, brüllte der Mann wütend. »Wenn ich dir das Fell gebe, verlässt du mich doch!« »Ich weiss nicht, was ich tun werde. Ich weiss nur, dass ich wiederhaben muss, was mein eigen ist.« »Dein Kind und deinen Mann willst du im Stich lassen«, schrie der Vater, »du gewissenloses WeibDamit riss der Mann die Türklappe auf und stapfte hinaus in die Finsternis. Das Kind liebte seine Mutter sehr und weinte sich in dieser Nacht in den Schlaf, aber schon bald wurde es zum zweiten Mal geweckt. Ein seltsam tosender Wind ging um, und in dem Wind war eine Stimme die »Ooruk, Ooooruk« rief, wieder und wieder, bis Ooruk aus dem Bett kletterte, seinen Parka und seine kleinen Stiefel anzog und in die Nacht hinauslief. »Ooruk, Ooooooruk,« rief es im Wind, und der Wind schien vom Meer zu kommen, vom Ufer, wo sich ein grosser alter Seehund mit langen silbernen Schnurrhaaren hin- und herwälzte und Ooruks Namen rief. Der mächtige alte Seehund hob seine Flosse und deutete auf ein Bündel, das zusammmengerollt unter einem Felsen lag. Ooruk hob das Bündel auf, und sogleich kam ihm der unverkennbare Duft seiner Mutter entgegegen. Er entrollte das Seehundfell, und in dem Moment spürte Ooruk, wie sich die Seele seiner Mutter mit all ihrer endlosen Liebe über ihm entfaltete. Das Kind schmiegte seine Wange in den silbrigen Pelz und spürte die Umarmung seiner Mutter, als wäre sie selbst zugegen. Der alte Seehund nickte geheimnisvoll und versank langsam im Meer. Das Fell fest an die Brust gedrückt rannte Ooruk nach Hause, direkt in die Arme seiner Mutter, die schon voller Unruhe auf ihn und ihr Robbenfell gewartet hatte. Voller Dankbarkeit schlüpfte sie in ihren Pelz. »Oh, nein, Mama, nein«, schrie das Kind. Aber sie hob es auf und trug es dem tosenden Meer entgegen. »O Mama, verlass mich nichtschrie Ooruk, als sie am Ufer angekommen waren und die Mutter sich anschickte, ins Wasser zu steigen. Sie wandte sich zu dem Kind um, mit einem Blick unermesslicher Liebe in den Augen. »Nein, Mama, nein«, rief das Kind. Aber sie nahm sein Gesicht zwischen beide Hände und hauchte ihren Atem in die Lungen das Kindes, einmal, zweimal und ein drittes Mal. Dann tauchte sie mit ihrem Sohn in den Fluten unter, sank tiefer und tiefer hinab, bis zum tiefsten Meeresgrund, und beide konnten ohne Mühe unter Wasser atmen. Bald kamen sie in eine glitzernde Wasserstadt, wo sich allerlei Meerestiere und Wunderwesen tummelten, die ein gewöhnlicher Sterblicher nie zu Lebzeiten erblickt, und alle waren froh, denn der grosse alte Seehund schwamm dem Schwarm singend voran und nannte Ooruk voller Stolz seinen Enkelsohn. »Wie erging es dir dort oben, meine Tochterfragte der Alte, nachdem er die beiden gebührend getätschelt und an sein mächtiges Herz gedrückt hatte. Die Robbenfrau blickte zur Seite und sagte: »Ich habe einen Menschen verwundet, einen Mann, der alles getan hat, um mich zu behalten. Aber ich kann nicht zu ihm zurück, denn dann muss ich sterben.« »Und der Jungefragte der alte Seehund. »Was soll aus meinem Enkel werden?« »Er muss in die Oberwelt zurückkehren, Vater. Seine Zeit ist noch nicht gekommen, er kann nocht nicht für immer hier bei uns bleiben
(fortsetzung folgt - blasterblätterer benutzen)



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