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elfboi schrieb am 20.12. 2002 um 03:17:36 Uhr über

DATENMÜLL

DIE GRETCHENTRAGÖDIE



Straße

Faust begegnet Margarete (Gretchen) auf der Straße und spricht sie sofort an. Er signslisiert deutlich seine Weltfremdheit. Er hängt sich besitzergreifend bei ihr ein und spricht sie unpassend vornehm an. Wie zu erwarten, läßt sie ihn stehen.
Faust wird klar, daß er Mephisto nur zu befehlen braucht, um ohne eigene Bemühen zu erhalten, was er beghert. Faust fordert Mephisto auf, ihn mit Gretchen zusammenzubringen. Mephisto entgegnet, daß er über sie keine Gewalt habe, »es ist ein gar unschuldig Ding« [2624]. Trotz Fausts Ungeduld muß Mephisto klarmachen, daß es seine Zeit dauern kann:
"Mit Sturm ist da nichts einzunehmen;
Wir müssen uns zur List bequemen" [2657f].
Aber Mephisto meint, daß diese Spannung die Freude danach nur noch erhöhen würde. Mephisto verspicht, ein Treffen zu arrangieren, Faust bittet gleich um ein Geschenk für Gretchen.
Fauts unternimmt keine eigenen Anstrengungen zur Eroberung der Geliebten. Er überläßt Mephisto das Handeln und gibt ihm die Gelegenheit, eine sich anbahnenede Beziehung in seinem Sinne zu beeinflussen.



Abend

Margarete bringt ihre Haare in Ordnung, um einen Besuch bei der Nachbarin zu machen. Sie erzählt in einem Monolog, daß sie von der Begegnung mit Faust nicht beeindruckt war, sie ist aber druchaus neugierig geworden. Als sie ihr Zimmer verlassen hat, kommen Faust und Mephiso herein. Faust möchte allein sein. Er ist beeindruckt von der Zufriedenheit und Friedfertigkeit dieser Welt -
"In dieser Anmut welche Fülle!
In diesem Kerker, welche Seeligkeit!" [1693f]
- der Gegensatz zu seiner Unruhe. Er steht im Konflikt - Liebe oder Sinnlichkeit. Mephisto kommt wieder hinzu und warnt, daß sie demnächst zurückkommen wird. Er unterstützt in Fausts Konflikt nur die Sexualität. Sie legen kostbaren Schmuck in ihren Schrank und verschwinden.
Als Gretchen hereinkommt, bemerkt sie sofort, daß etwas anders ist, daß jemand dagewesen ist: »Es ist so schwül, so dumpfig hie.« [2753] Es ist der erste Hinweis auf ihre entschiedenen Ablehnung gegenüber Mephisto. Sie singt zur Beruhigung ein Lied von Liebe und Treue, das das Ende von Faust II signalisiert.
Es war ein König in Thule
Gar treu bis an das Grab,
Dem sterbend seine Buhle
Einen goldnen Becher gab.

Es ging ihm nichts darüber,
Er leert' ihn jeden Schmaus;
Die Augen ginge über,
So oft er trank daraus.

Und als er kam zu steben,
Zählt' er seine Städt im Reich,
Gönnt' alles seinen Erben,
Den Becher nicht zugleich.

Er saß beim Königsmahle,
Die Ritter um ihn her,
Auf hohem Vätersaale,
Dort auf dem Schloß am Meer.

Dort stand der alte Zecher,
Trank letzte Lebensglut,
Und warf den heiligen Becher
Hinunter in die Flut.

Er sah ihn stürzen, trinken
Und sinken tief ins Meer,
Die Augen täten ihm sinken,
Trank nie einen Tropfen mehr." [2759-81]
Es ist die erlösende Kraft der Liebe, die Faust aus Mephistos Händen retten wird. Das ist ihre Art, Gefühle zu äußern.
Sie entdeckt das Kästchen, öffnet es und bemerkt sofort, daß dieser Schmuck nicht zu ihrem Stand paßt. Die eigene Armut wird ihr bewußt, sie ist unzufrieden. Damit ist eigentlich schon zerstört, was Faust eben noch so gepriesen hat - die Ordnung und Zufriedenheit in ihrer Umgebung.



Spaziergang

Mephisto kommt zu Faust und ist außer sich.
"Ich möcht mich gleich dem Teufel übergeben,
Wenn ich nur selbst kein Teufel wär!" [2809f]
Er erzählt, daß Margarete den Schmuck ihrer Mutter gegeben hat und ihn diese dem Pfarrer gegeben hat:
"Die Kirch allein, meine lieben Frauen,
Kann ungerechtes Gut verdauen." [2839f]
Gretchen denkt unruhevoll Tag und Nacht an das Geschmeide, noch mehr an den, der es ihr gebracht hat. Faust gibt Mephisto den Auftrag, neuen Schmuck zu beschaffen, den Gretchen sicher nicht wieder der Mutter geben wird.



Der Nachbarin Haus

Marthe, Gretchens Nachbarin, klagt über das Verschwinden ihres Mannes.
Gretchen kommt herein und berichtet über neuen Schmuck. Marthe macht den Vorschlag, ihn bei sich zu behalten, daß die Mutter nichts merkt.
Plötzlich klopft es. Mephisto steht an der Tür und gibt sich als Gefährte von Marthes Mann aus. Er berichtet von dessen Tod. Zugleich spricht er Gretchen wegen des schon angelegten Schmucks an wie ein Fräulein. Marthe ist hauptsächlich an den materiellen Hinterlassenschaften ihres Mannes interessiet. Mephisto bringt sie so weit, daß sie alles, was er von ihrem Mann sagt, glaubt. Mephisto sagt, ein Geselle könne den Tod ebenfalls bezeugen und bittet Gretchen bei dem verabredeten Treffen ebenfalls dabei zu sein. Er kündigt Faust als seinen Gesellen an. Das Treffen soll noch heute Abend in Marthes Garten stattfinden.



Straße

Mephisto fordert von Faust die Beurkundung des Todes von Marthes Mann, Herrn Schwerdtlein. Faust sträubt sich, da die ganze Geschichte von Mephisto erfunden ist und er nicht lügen will. Mephisto entkräftet dies. Faust habe als Universitätsprofessor große Wort gemacht und er wird auch als Liebhaber große Wort machen. Er habe deshalb auch keinen Anlaß, ein falsch Zeugnis in Sachen Schwerdtlein abzulehnen. Faust, der selbsternannte Verächter des Wortes und Verehrer der Tat, benutzt seine rhetorischen Überlegenheiten immer und überall. Wegen dieses Wiederspruchs muß er sich geschlagen geben und erklärt sich schlußendlich bereit, zu lügen:
»Du hast recht, vorzüglich, weil ich muß.« [3072]



Garten

Mephisto spaziert mit Marthe und Faust mit Margarete umher. Marthe versucht, sich an den Teufel heranzumachen. Aber Mephisto blockt geschickt ab.
Faust und Gretchen unterhalten sich. Margarete wundert sich, warum ein Mann so hohen Standes sie überhaupt beachte. Er beteuert, daß Demut und Niedrigkeit die höchsten Gaben der Natur seien und läßt sich verständnislos zu ihr herab, er sieht die ganze Sache aus seiner Sicht, von 'oben'. Gretchen ist beunruhigt von diesem Unterschied. Sie hat auch ihren Stolz und erzählt von ihrer schweren Vergangenheit und will damit sagen, daß sie gut vorbereitet ist, eine gute Frau und Mutter zu sein. Aber Faust versteht sie nicht. Gretchen nimmt noch einen festen Platz im sozialen Gefüge ein, im Gegensatz zu Faust, der mit seinem leidenschaftlichen und egoistischen Einbruch in ihre Welt jenen Platz zerstören wird.
Gretchen macht den ersten Schritt bei der Liebeserklärung, indem sie eine Sternblume (oder auch Margarite) nimmt und die Blätter einzeln ausreist. Sie hat sich also bereits gegen die in ihrer Welt geltenden Normen entschieden. Als sie das letzte ausreist, ist die Margarite zerstört, was ihrer Zukunft entsprechen wird. Sie sagt mit holder Freude, »liebt mich - nicht - Er leibt mich!« [3182], was den Verlust ihrer Jungfrreulichkeit vorausdeuten könnte. Faust schließt sich ihrer Liebeserklärung an. Er beteuert mit überlegener Redekunst, daß er sie liebe. Sie fliehen in ein Gartenhäuschen, um verborgen zu sein vor neugierigen Blicken.



Ein Gartenhäuschen

Faust und Gretchen sind im Gartenhäuschen und küssen sich. Es ist die einzige Liebesszene des ganzen Dramas.
Mephisto und Marthe kommen und mahnen zum Aufbruch, es sei spät. Nach dem abgelehnten Schmuck ist es Faust nun nicht möglich, vor die Mutter zu treten und um ihrer Hand zu bitten, da dann klar würde, daß er dieses Geschenk gemacht hat. Sie verabschiede sich.
Danach fragt sich Gretchen, was er denn an ihr finde. Gretchen kann diese Frage nicht beantworten und wird als Opfer ihrer Liebe und Unwissenheit ein tragisches Ende nehmen.



Wald und Höhle

Nachdem die beiden sich wieder trenne mußten, machen sie sich beide Gedanken über das Erlebte (in dieser und der nächsten Szene).
Faust hat eine Höhle aufgesucht. Er fällt in Euphorie, er fühlt sich in Einklang mit der Natur. Durch das Liebeserlebnis denkt er sich näher an der immer noch angestrebten absolute Erkenntnis.
"So tauml ich von Begierde zu Genuß,
Und im Genuß verschmacht ich nach Begierde" [3249f]
Bald ändert sich seine Stimmung. Ihm kommt Mephisto zu Gedanken und seine ständige Stichelei zu Sinnlichkeit. Er muß erkennen, daß sein Liebeserlebnis mit Gretchen, das ihm das Harmoniegefühl beschert hat, seine Sehnsuch nicht zu stillen vermag.
Schließlich tritt Mephisto auf. Er macht Faust die Wonne der Naturbetrachtung endgültig zunichten, er tadelt es als Rückfall in die alte Lebensweise.
»Dir steckt der Doktor noch im Leib« [3277]
Er kann Faust nicht verstehen und sieht wie immer nur das teuflische.
Als nächstes drängt er Faust zur Erfüllung seiner Sinneslust, er fordert ihn zum bedenkenlosen Sinnesgenuß auf. Er verurteilt die doppelte Moral des Menschen: Man dar über Sexualität nicht reden aber trotzdem kann sie niemand entbehren.
Faust begegnet Mephistos Worten mit der Einsicht, daß er die kleine Welt Gertchens nur zerstören könne und für sie nur Unglück bringen würde. Er äußert zwar diese Bedenken und Gewissensbisse, aber es sind nur leere Wort. Er wird sie nicht in die Tat umsetzen. Er geht sogar so weit, daß er alles dem Schicksal überläßt und in Kauf nimmt, daß sie zugrunde geht;
"Was muß geschehen, mag's gleich geschehn!
Mag ihr Geschick auf mich zusammenstürzen
Und sie mit mir zugrunde gehn!" [3363-65].
Er unterliegt Mephisto und seinen eigenen niederen Trieben und Drängen, die (göttliche) Vernunft unterliegt diesen.



Gretchens Stube

Sie hat unheimliche Sehnsucht nach ihm. Im Gegensatz zu ihm denkt sie an ihn in himlischer Hingabe. Er denkt nur an sich und seine Leiden, alles andere hat er verdrängt. Auch sie hat somit den Weg geebnet für ein erneutes Treffen.
"Meine Ruh ist hin,
Mein Herz ist schwer;
Ich finde sie nimmer
Und nimmermehr

Wo ich ihn nicht hab,
Ist mir das Grab,
Die ganze Welt
Ist mir vergällt.

Mein armer Kopf
Ist mir verrückt
Mein armer Sinn
Ist mir zerstückt

Meine Ruh ist hin,
Mein Herz ist schwer;
Ich finde sie nimmer
Und nimmermehr.

Nach ihm nur schau ich
Zum Fenster hinaus,
Nach ihm nur geh ich aus dem Haus.

Sein hoher Gang,
Sein' edle Gestalt,
Seines Mundes Lächeln,
Seiner Augen Gewalt,

Und seiner Rede Zauberfluß,
Sein Händedruck,
Und ach, sein Kuß!

Meine Ruh ist hin,
Mein Herz ist schwer,
Ich finde sie nimmer und nimmermehr.

Mein Busen drängt
Sich nach ihm hin.
Ach dürft ich fassen
Und halten ihn,

Und küssen ihn,
So wie ich wollt,
An seinen Küssen
Vergehen sollt!" [3374ff]



Marthens Garten

Faust und Gretchen begegenen sich wieder in Marthes Garten. Als erstes fragt sie Faust, wie er es denn mit der Religion habe.
»Nun sag, wie hast du's mit der Religion?« [3415] (Gretchenfrage)
Er weicht aus und sie stellt die Frage schließlich erneut. Er verwirrt sie mit seinen rhetorischen Fähigkeiten dermaßen, daß sie nur noch feststellen kann, daß der kein Christentum hat. Faust vermag ihre religiöse Sicherheit nicht zu erschüttern. Sie äußerst als nächstes ihre ausdrückliche Ablehnung gegen Fausts Gefährten, Mephisto.
"Man sieht, daß er an nichts keinen Anteil nimmt;
Es steht ihm an de Stirn geschrieben,
Daß er nicht mag eine Seele lieben" [3488-90]
Faust verhält sich sehr ruhig, da er das Geheimnis der Wette mit dem Teufel wahren will. Sie verabreden sich zur 'Liebesnacht'. Faust will Nachts zu Gretchen kommen, der Mutter wird ein Schlaftrunk gegeben.
Gretchen geht und Mephisto kommt. Er zeigt kein Verständnis für die Liebe der beiden, er sieht nur die Sexualität und die Sinnlichkeit. Faust ist verärgert über ihn.
Hier ist die Liebesnacht zu denken.
Gretchen hat ihrer Mutter das Schlafmittel, das Faust von Mephisto hat, ins Getränk geschüttet; daran ist die Mutter, vorerst noch unbermerkt, gestorben.



Am Brunnen

Am Morgen nach der 'Liebesnacht' geht Gretchen an den Brunnen, zum Wasserholen; dort trifft sie Lieschen. Die erzählt den neusten Klatsch: Bärbelchen habe ein uneheliches Kind geboren und der Vater habe sich aus dem Staube gemacht. In ihren Bericht mischt sich Neid über Bärbelchens vorhergegangenes Vergnügen und Genugtuung über ihr Schicksal.
Bärbelchen steht öffentliche Demütigung bevor (Kirchenbuße: öffentliche Entschuldigung ...). Falls sie ihr Liebhaber wider Erwarten doch heiratet, wird ihr der Kranz, den nur unbescholtene Jungfrauen bei der Heirat tragen dürfen, mit Gewalt von Kopf gerissen; ihr wird Häckerling (kleingehacktes Stroh) am Maifest vor die Tür gestreut, ein Zeichen der öffentlichen Verachtung.
Gretchen bemitleidet sie. Früher aber hat sie ähnliche gedacht wie Lieschen. Jetzt ist sie die Schicksalsgenossin von Bärberlchen. Gretchen kann nur hoffen, daß sie nicht schwanger wird. Dabei hat sie doch nur die Liebe so weit getrieben. Sie kann das nicht begreifen.
"Wie schien mir's schwarz, und schwärzt's noch gar,
Mir's immer doch nicht schwarz gnug war,
Und segnet' mich und tat so groß,
Und bin nun selbst der Sünde bloß!
Doch - alles, was dazu mich trieb,
Gott! war so gut! ach war so lieb!" [3581-3586]



Zwinger (Raum zwischen innerer und äußerer Ringmauer, also meist einsam. In eriner Niesche ist ein Andachtsbild von Maria)

Gretchen kann von ihren Mitmenschen keine Hilfe erwarten. An Faust will sie sich nicht wenden, sie will von ihm nichts verlangen. Das wird sie hier in den Untergang treiben, bedeutet 'drüben', im Himmel, aber Rettung.
Sie betet, schildert ihre Not und bittet um Vergebung und um Erlösung von Schmach und Tod, daß sie nicht schwanger wird.
"Ach neige,
Du Schmerzenreiche,
Dein Antlitz gnädig meiner Not!

Das Schwert im Herzen,
Mit tausend Schmezen
Blickst auf zu deines Sohnes Tod.

Zum Vater blickst du,
Und Seufzer schickst du
Hinauf um sein' und deine Not.

Wer fühlet,
Wie wühlet
Der Schmerz mir im Gebein?
Was mein armes Herz hier banget,
Was es zittert, was verlanget,
Weißt nur du, nur du allein!

Wohin ich immer gehe,
Wie weh, wie weh, wie wehe
Wird mir im Busen hier!
Ich bin, ach! kaum alleine,
Ich wein, ich wein, ich weine,
Das Herz zerbricht in mir.

Die Scherben vor meinem Fenster
Betaut ich mit Tränen, ach!
Als ich am frühen Morgen
Dir diese Blumen brach.

Schien hell in meine Kammer
Die Sonne früh herauf,
Saß ich in allem Jammer
In meinem Bett schon auf.

Hilf! rette mich von Schmach und Tod!
Ach neige,
Du Schmerzenreiche,
Dein Antlitz gnädig meiner Not!" [2587ff]



Nacht - Straße vor Gretchens Türe

Valentin, Gretchens Bruder, kommt, kurz nach der Liebesnacht, vom Krieg zurück. Er hat früher immer seine anständige, jungfräuliche Schwester vor den anderen Soldaten gepriesen, aus Mangel aus eigenen Qualitäten. Er ist eine primitive Natur und als er unmittelbar nach seiner Ankunft von Gretchen von dem Vorfall zu hören bekomt, ist er zutiefst beschämt vor den anderen Soldaten, sollte es sich herumsprechen, spätestens dann, wenn Gretchen schwanger wird. Um seine Ehre zu verteidigen geht er sofort los, um Gretchens Schwängerer zu töten.
Bevor Valentin Faust findet, geht Faust mit Mephisto des Weges und unterhält sich mit diesem. Der Abstand der beiden voneinander wird deutlich: Faust ist gefühlsmäßig auf dem Tiefpunkt, Mephisto freut sich schon auf die anstehende Walpurgisnacht. Faust will schon wieder ein Geschenk, Mephisto will Perlen besorgen, Symbol für Tränen. Mephisto verhöhnt in einem Lied Gretchens Schicksal.
In diesem Augenblick tritt Valentin hervor. Er greift Faust an, doch der kann mit Mephistos Hilfe Valentin niederstechen. Faust muß mit Mephisto fliehen, da der jetzt ein Mörderr ist und auch Mephisto gegen den Blutbann nichts ausrichten kann.
Die Straße füllt sich mit Anwohnern. Valentin liegt im Sterben, auch Gretchen ist anwesend. Valentin beschimpft seine Schwester als Hure und stellt sie bloß. Anstatt ihr zu helfen, blamiert er sie bis auf die Knochen. Sie ist jetzt noch mehr aufgeschmissen als vorher, jetzt wissen alle bescheid. Er prophezeit Gretchen eine düstere Zukunft und gibt ihr Schuld an seinem Tod. Er fühlt sich im Recht und faßt seine Worte als ehrenhaft auf. In seiner selbstgerechten weise faßt er das Christentum falsch auf. Auch Marthes Mahnen zur Vernunft ist ohne Erfolg. Er stirbt.



Dom

Inzwische ist der Tod der Mutter bemerkt worden
Gretchen wohnt einem Gottesdienst bei (einer Totenmesse). Sie erinnert sich an ihre kindliche Unschuld und stellt ihr den Tod von Mutter und Bruder und ihre Schwangerschaft gegenüber. Es erscheint ihr ein böser Geist, Verkörperung der Mitlosigkeit ihrer Umgebung, der ihr nur das böse und schlechte darlegt, die Hoffnung und Vergebung Gottes aber außer acht läßt. Gretchen fällt in Ohnmacht. Symbolisch soll damit auch ihre Schwangerschaft angedeutet werden.



Walpurgisnacht (Nacht vom 30. April zum 1. Mai)

Während Gretchen in ihrem Dorf allein zurückbleibt, wird Faust von Mephisto zur Walpurgisnacht geführt. Ebenso wie Gretchen ihn, erkennt Mephsto sie als Gegenspielerin , die Faus von der Straße, der er ihn führen will, abbrigen könnte.

Hexen auf dem Blocksberg, nach dem Stich von Michael Herr (1620)

Dehalb wird Faust aus demLebenskreis der Geliebten gezogen



und in der Gegenwelt der Finsternis, Verkehrtheit, Triebhaftigkeit und Nichtigkeit, zur
Walpurgisnacht geführt - einem Hexentreffen beim Brocke, im Harzgebirge. Sie ist nich an sich böse, sondern wird es, durch das, was der Mensch aus ihr macht.
Sogleich bei der Ankunft wird klar, daß man sich in einer verkehrten Welt befindet, durch Faust und Mephistos verschiedenes Jahreszeitenempfinden. Den Weg hierher hat ein von Mephisto gerufenes Irrlicht geführt, gegen sein Naturell; die Wandeung wird seltsam. Fausts Sehnsucht nach Gretchen kommt dezent zum Ausdruck.
Im weitern Verlauf ziehen anreisende Hexen in einem Zerstörungssturm über Faust und Mephisto. Die Hexen ziehen hinauf, zum Oberteufel. Mephisto hat seine Freude an dieser Zerstörung. Die Hexen verraten in ihren Äußerungen Schamlosigkeit und Obszönität. Auch kehren sie die christliche Lehre ins Gegenteil um.
Mephisto schlägt vor, hier haltzumachen. Faust will weiter hinauf, um das Geheimnis des Oberteufels zu ergründen. Mephisto kann ihn zurückhalten. Er verspricht Faust eine neue Verbindung, um ihn von Gretchen wegzuziehen. Er verspricht auch kostenlosen Genuß, man könne hier naschen, zugreifen und sich ergözen, ohne irgendwelchen Konsequenzen fürchten zu müssen.
»Die Müh ist klein, der Spaß ist groß.« [4049]
Aber wo alles erlaubt ist, hat auch nichts mehr einen Wert. Es steckt also buchstäblich nichts dahinter. Und eben das soll Faust nicht merken.
Als Faust und Mephisto zwei Hexen sehen, greifen sie zu. An ihren Gesprächen ist in einer erotischen Metapher bei Faust ein Bild der heilen Natut enthalten, bei Mephisto eines der zerstörten.
FAUST (mit der Jungen tanzend).
Einst hatt ich einen schönen Traum;
Da sah ich einen Apfelbaum,
Zwei schöne Äpfel glänzten dran,
Sie reizten mich, ich stieg hinan.
DIE SCHÖNE. Der Äpfelchen begehrt ihr sehr,
Und schon vom Paradiese her.
Von Freuden fühl ich mich bewegt,
Daß auch mein Garten solche trägt.
MEPHISTOPHELES (mit der Alten).
Einst hatt ich einen wüsten Traum;
Da sah ich einen gespaltnen Baum,
Der hatt ein [ungeheures Loch];
So [groß] es war, gefiel mirs doch.
DIE ALTE. Ich biete meinen besten Gruß
Dem Ritter mit dem Pferdefuß!
Halt Er einen [rechten Pfropf] bereit,
Wenn Er [das große Loch] nicht scheut. [4128-4143]
Auf der Höhe des sexuellen Genusses platzt ein Vertreter der Vernunft herein, ein lächerlich wirkender Aufklärer. Er erklärt in einer heiteren Einlage, daß ein solches Hexentreiben gar nicht sein dürfe, man habe ja aufgeklärt.
»Verschwindet doch! Wir haben ja aufgeklärt!« [4159]
Er fordert die Hexen auf, sich aufzulösen, doch er muß erkennnen, daß er heute damit keinen Erfolg hat, und zieht ab.
Faust haat sich von seiner Hexe getrennt und begründet dies wie folgt: Ihr sein ein rotes Mäuschen aus dem Mund gesprugen. Er erzählt von einer Vision von einem Mädchen, das Gretchen geglichen habe. Diese soll ein rotes Schnürchen um dem Hals gehabt haben. Eine Andeutung für Gretchens baldige Hinrichtung.
Mephisto wollt Faust allein mit Sinnlichkeit zufriedenstellen, doch Faust hat zu seiner Liebe zu Gretchen zurückgefunde. Um ihn erneut abzulenken, wird Faust ins Theater geschleppt, eines, daß als äußerst dilettantisch beschrieben wird. Das Stück hat folgenden Title:



Walpurgisnachtstraum oder Oberons und Titanias goldene Hochzeit (Intermezzo)

Auf der Bühne wird erklärt, daß heute an Kulisse nur das alltägliche verwendet wird.
"Ein Dilettant hat es geschrieben,
Und Dilettanten spielen's auch"[4217f]
Das Theatestück: Es wied ein höfischer Maskenzug von den Gästen der goldenen Hochzeit abgehalten. Die Aussagen der vielen Schauspieler sind unterschiedliche Themen gewidmet.
Man kann darin angedeutet eine Banalisation der Walpurgisnacht erkennen, die ihre schlimme Welt in ein harmloses, irreales Spiel verwandelt.



Trüber Tag - Feld

Es ist eine gute Weile vergangen. Faust hat von Gretchens zwischenzeitlichem Schicksal erfahren. Er macht Mephisto verantwortlich, daß sei nun als »Missetäterin« im Kerker eingsperrt ist und der »richtend gefühllosen Menschheit« übergeben sei (wegen Kindsmord und dem Gifttod der Mutter). Er bedauert nicht Gretchens Schicksal oder beklagt den Tod seines Kindes, sondern schiebt die ganze Schuld von sich und macht Mephisto verantwortlich. Er ist blind für die eigene Schuld.
Über Gretchens Schicksal erwidert Mephisto nur Gleichgültigkeit:
»Sie ist die erste nicht«
Faust muß erkennen, daß Mephisto ein solches Leid nur grinsend befürwortet.
»Mir wühlet es Mark und Leben durch, das Elend dieser Einzigen - du grinsest gelassen über das Schicksal von Tausenden hin
Er ist entsetzt und versteht nicht, warum Gott soetwas zuläßt. Fausts Beziehung zu Mephisto ist auf einem absoluten Tiefpunkt, er wünscht ihn wieder in Hundegestalt verwandelt und macht den Erdgeist fälschlicherweise für sein Zusammensein mit Mephisto verantwortlich.
Mephisto entgegnet, daß Faust nicht gemeinsame Sache mit ihm machen solle, wenn er nicht durchhalten könne.
»Drangen wir uns dir auf, oder du dich uns
Im gleichen Augenblickk noch fordert Faust Gretchens Rettung. Mephisto meint nur, er könne ihn zu ihr führen, aber die Rettung sein seine Angelegenheit. Mephisto will diese Rettung eigentlich gar nicht. Sie brechen mit 'Zauberpferden' auf.



Nacht - Offen Feld

Auf dem Weg zu Gretchen reiten sie an einem Galgen vorbei, der von Hexen für eine Hinrichtung geweiht wird.



Kerker

Faust ist bei dem Gefängnis, in dem Grechen ist. Er hat Angst, das Schloß aufzuschließen und hineinzugehen. Mephisto hat den Wächter eingeschläfert.
Faust hört Gretchen singen. In dem Lied ist die Bitte nach Sühne ihrer Tat und Leben für das tote Kind zu erkennen. Sie ist nach all dem Mitgemachten geistig verwirrt und redet meist nicht mehr von der Wirklichkeit.
Faust schließt auf. Gretchen denkt, er Henker käme, um sie zu holen. Sie wunder sich, daß er schon in der Nacht kommt, und bittet, wenigstens bis zum Tagesanbruch leben zu dürfen. Sie nimmt es nicht mehr wahr, daß es Faust ist. Sie phantasiert von einer Hochzeit, ber der ihr der Kranz (als Symnol für die Jungfräulichkeit) gewaltsam vom Kopf gerissen wird und davon, daß ihr aus Verzweiflung ertränktes Kind noch lebe. Sie will mit dem Henker beten, um der Verdammung in der Hölle zu entgehen.
Erst als er ihren Namen ruft, erkennt sie ihn endlich. Sie freut sich und fühlt sich von allen Qualen entledigt. Sie glaubt an die Rettung. Es kommen Erinnerungen an ihre erste Begegnung auf der Straße herauf. Doch Faust mahnt zum eiligen Aufbruch. Gretchen aber will ihn erst küssen udn wendet sich erschrocken von Faust ab, als sie seine kalten Lippen spürt.
Faust bittet sie, mitzugehen. Aber sie erinnert an ihre und seine Schuld und erklärt, daß sie nicht mitgehen könne. Sie wolle nicht in die Fremde gehen, mit schlechtem Gewissen. Sie kann das Vergangenen nicht vergessen. Sie hat Visionen von ihren toten Angehörigen.
Sie läßt sich durch nichts wegfüren. Sie erlebt in Gedanken ihre Hinrichtung unter dem Fallbeil. Ein Wiedersehen mit Faust wird von ihr angsprochen, aber nicht in dieser Welt. Fausts Rettungsversuch ist für sie ohne Bedeutung, sie hat erkannt, daß er sein eigenes Gewissen damit beruhigne will. Der Dialog zwischen den beiden ist ein Aneinandervorbei und eine Nierderlage Fausts vor der von ihr geliebten Frau - vor dem »Ewig-Weiblichen« [12110].
Mephisto erscheint und will aufbrechen, weil der Tag schon anbricht. Gretchen sieht ihn und wünscht ihn weg.
»Heinrich! Mir graut's vor dir.« [4610]
Sie hat sich innelich schon dem Gericht Gottes übergeben. Mephisto redet noch davon, daß sie vor dem weltlichen Gericht endgülig gerichtet sei. Von oben kommt eine Stimmt, die sie vor dem Gericht Gottes für gerettet erklärt.
Faust geht wieder zu Mephisto und verschwindet mit ihm.




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