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NunZilla, meine Freundin, die kleine aufziehbare Nonne, erinnert mich immer wieder daran:
Drüben in St. Kosmas-und-Damian gibt es eine Telefonauskunft! Ein Telefon aus Stein. In einer Kapelle an der Wand. Der Telefonhörer ist schwer wie eine Hantel. Die Hörmuschel sieht wie ein Mund aus, die Sprechmuschel wie ein Ohr. Wer sein Ohr an den steinernen Mund hält, hört ein fernes Rauschen, das an- und abschwillt. Früher oder später sind Stimmen zu vernehmen: Kinder, die streiten, rufen, singen, reden.
„Neo ist da!“ - „Will wissen, was Zeit ist!“
Jede ernsthafte Frage wird von der St.Kosmas-und-Damian-Telefonauskunft beantwortet.
„Eine schöne Kiefer ist das, in eurem Park!“
Das ist wahr. Ein großer Baum, alt, ehrwürdig, etwas gebeugt, mit harzigen Wunden, mit langen, weichen Nadeln und kleinen, harten Zapfen. Ich stehe gerne unter ihr, schaue hoch und sehe ein Firmament aus kleinen schwarzen Sonnen.
„Die Zeit ist eine Kiefer.“ - „In ihren Zweigen ist es Nacht.“ - „Die Nacht ist der Raum!“ - „Die Äste halten den Raum.“ - „Das versteht Neo nicht.“ - „Eine dünne Faser - das ist Neos Zeit.“ - „Armer Neo!“ - „Neos Zeit steckt innen in der Kiefer.“ - „Neos Zeit ist das Wasser, das hochsteigt.“ - „Von der Wurzel zur Nadel.“ - „Bis in den Zapfen.“ - „Mitten hinein in den harten Zapfen!“ - „So hart - ein Feuer muß her, damit der Zapfen aufspringt!“
Das finden die Kinder sehr komisch.
Ihr Lachen wird leiser, ein Rauschen wird lauter, ich lege den Hörer auf. Ich will die Kiefer sehen, jetzt sofort.
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