Einige überdurchschnittlich positiv bewertete
Assoziationen zu »Ptolemy-Institute-of-Astrology«
Ben Tiber\PIA schrieb am 24.3. 2002 um 20:51:17 Uhr zu
Bewertung: 14 Punkt(e)
Wir wollen Neo, dem PIA-Chef eine Freude machen.
In einem Seitenkabinett seines Büros haben wir eine Dusche eingebaut. Von oben bis unten dunkelgrüne Kacheln; antike, die aus der Ruine einer alten Moschee stammen. An der Decke ein stabiler Wasser - Blaster. Ein Scheinwerfer macht von schräg oben aus dem Wasserfall zugleich einen Lichtfall. Ich, der Akustiker, habe Mikrofone und Lautsprecher versteckt: das Tönen des Wassers wird vervielfacht, es klingt, als sei der Raum nicht 3, sondern 30 Meter hoch, als sei unten das Becken ein See.
Du drehst das Wasser auf und stehst mitten in einem richtigen Wasserfall! Schließe nicht die Augen - es sei denn, du bist schwindelfrei. Tiefe Töne, Infraschall - Schauer, feines Rieseln an den Rändern, überraschende Obertöne wie Nixen - Gesang!
Ich blende keine Ton-Konserven ein - ich filtere, vervielfache, verstärke, schwäche ab, transponiere, verteile in einem virtuellen Raum - das ist alles.
Sollte das alles Neo nicht beeindrucken, kann ich noch Teile aus Straussens „Alpensinfonie“ ins akustische Program einflechten.
neo fausuto/PIA schrieb am 25.4. 2001 um 14:41:23 Uhr zu
Bewertung: 12 Punkt(e)
Ich sitze am Schreibtisch von Negro, dem vom PIA zu Merkur geschickten Piloten, der letztes Jahr starb. Ich finde in seinen Notizbüchern:
Negros Traum vom versäumten Weltende.
Auf dem Merkur erfaßt mich immer wieder ein Zeit-Schwindel-Gefühl. also ob jede Merkur-Sekunde ein Erden-Jahr bedeutete.
Daher dieser immer wiederkehrende Angsttraum, wenn ich im Schatten meines Nacht-Felsens schlafe.
Keine Funksignale mehr von der Erde. Schon im Merkur-Orbit, gelingt mir trotzdem ein perfekter Start, auf die Sekunde genau, mit minimalem Schub. Der Bord-Wecker weckt mich in regelmäßigen Abständen aus der Narkose, die Erde ist jedesmal größer. Immer noch Funkstille und was mich wirklich in Panik versetzt: die Erde ist braun geworden. Schließlich im Erd-Orbit. Es war keine Täuschung: statt Wolken Staubstürme, die Kontinente haben ihre Konturen verloren. Ich tauche in die Nacht ein: keine Lichter mehr auf der Erde!
So wie ich sonst zum Abstieg den charakteristischen Schatten eines Himalaya-Tals angepeilt hatte, so nun einen langgezogenen Schatten in der Gegend der nordamerikanische Ostküste. Da ist der Gegendruck der Atmosphäre, da der Funkenflug von den Rändern des Hitzeschilds, da die Explosionen, wenn die Fallschirme herausgeschossen werden - in traumhafter Exaktheit. Ich tauche in den Talschatten, in eine Schlucht ein, sehe umherliegende Trümmer und bin schon zu Boden. Sturz, Schmerz und Übelkeit. Zerre mühsam meinen Helm los, der Fallschirm legt sich wie ein Laken über mich, Ohnmacht. Jetzt der Traum im Traum:
Mit unwirklicher Leichtigkeit stehe ich auf, sehe Schwärze und Schönheit des Hudson-Canyons. Noch eine Kletterei in die Tiefe, dann am Hudson, ein klarer, rasch fließender Bach, aus dem ich ohne Bedenken trinke, in den ich mich ganz hinein werfe.
Liege, genieße die Kälte, lasse meine Augen den Canyon langsam hochwandern. In der Nähe ein Frachter, fast ganz mit Sand zugeweht. Rostige unidentifizierbare Reste von allerlei Versunkenem. Heulender Wind, Sandwirbel. Weiter oben teilt sich der Canyon, und ganz oben: Reste von Brücken.
Da ragt Geborstenes in den Abendhimmel, und dort ragen noch die schwarzen Türme von Manhattan.
neo fausuto/PIA schrieb am 16.1. 2002 um 15:08:36 Uhr zu
Bewertung: 26 Punkt(e)
Wir werden im PIA den Urknall herstellen. Nicht irgendeinen, nicht nur einen Spaß ohne Konsequenzen, sondern DEN Urknall, der noch garnicht stattgefunden hat! Im Moment des Urknalls gabs noch keine Zeit - das Universum ist so konstruiert, daß der Urknall irgendwann stattfindet. Seit es Zeit und Kausalität gibt, mußte notwendigerweise früher oder später das PIA entstehen. Können Sie mir folgen? Dr. Spesinalium, unser Chef, hat erkannt, daß notwendigerweise das PIA den Urknall nachliefern muß.
( Es handelt sich, ehrlich gesagt, nur um das winzige Stück Urknall, das noch aussteht).
neo fausuto\PIA schrieb am 19.4. 2003 um 17:44:12 Uhr zu
Bewertung: 12 Punkt(e)
Heute, auf dem Dach, (froh bin ich, diesen einen Ausgang zum Dach zu haben, einen freien Zugang zum Himmel), dort, auf dem flachen Dach bewege ich mich vorsichtig, halte mich von den Außenkanten entfernt, um nicht gesehen zu werden, dort, in der Sonne liegend, hörte ich beunruhigende Geräusche aus dem Observatorium.
Das Observatorium ist lange außer Betrieb. Es wird von unserem Computer überwacht und gesteuert. Das Teleskop liefert unmittelbar digitalisierte Bilder. Die Mechanik funktioniert nicht mehr. Es ist Wasser eingedrungen, vieles ist verrostet.
Vergeblich startet der Computer immer wieder die Motoren, um die Kuppel zu drehen und das Teleskop zu bewegen. Der rouleau-artige Verschluß der Kuppel funktioniert - der letzte Zugang zu meinem inzwischen geschlossenen Institut.
Daß der Computer eingeschaltet ist, überrascht mich.
Dieses vergebliche Starten von Elektromotoren, diese Versuche, die korrodierte Mechanik zu bewegen werden mich noch zwingen, unten, im Herz meines Instituts, nach dem Rechten zu sehen.
Es reizt mich, das kostbarste Dokument meines Instituts preiszugeben. Hier, an dieser Stelle, die jedem zugänglich ist, hier, wo zuletzt nach Authentischem gesucht wird.
Ein kleine Veröffentlichung der Militärärztlichen Akademie Leningrad:
Prof. Dr. Winogradow: „Methodische Untersuchungen zu Krebs und Unsterblichkeit“ (1952).
Vorn auf dem Einband eine handschriftliche Notiz von Stalin, mit der Forderung, über ein „modernes Äquivalent für Höllenstrafen“ nachzudenken.
neo fausuto\PIA schrieb am 21.4. 2003 um 17:13:18 Uhr zu
Bewertung: 10 Punkt(e)
Das Rätsel der „dunklen Materie“ war gelöst. Im Traum hat es sich mir eröffnet, mit überwältigender Logik: dunkle Materie besteht aus Kakao. Pulver oder Staub, fein und bitter. Wird von einem Schwarzen Loch (leeren Magen) angesogen, mit einer gleichfalls angesogenen jungen Galaxis verrührt, in einem Sternreaktor erhitzt, in helle, sichtbare Materie verwandelt, in glänzende, fühlbare, schmeckbare Masse. Mir fließt das Wasser aus dem Mund, ich erwache. Schmerzhafter Hunger.
Muß sofort an Catos Zimmer denken und dort gehortete Süßigkeiten. „Cato hortet Süßigkeiten“ hieß es immer.
In Catos Zimmer ist Sonnenlicht.
Ihr Fenster wurde zuletzt zugemauert. Sie hat sich heftig gewehrt. Hat erreicht, daß eine halbe Ziegelbreite ausgespart blieb.
Ihr Zimmer ist leer.
Mein Spiegelbild steigt mir schräg aus der Tiefe entgegen, in den ausgehängten, an die Wand gelehnten Fensterflügeln.
Schränke, Schubladen: leer. Auf dem Bett ein Kopfkissenbezug, mit Wäsche vollgestopft. Auf dem Boden ein Berg leerer Schachteln.
Vor dem Spalt im Fenster pendelt ein Stück Glas an einem Faden.
Dreht sich langsam, über die Wände bewegen sich Lichter.
Kein Hunger mehr, dafür ein Schwindelgefühl.
Ich lege mich auf Catos Bett.
Man wird uns vermissen, sie und mich.
Wird glauben, wir seien gemeinsam geflüchtet.
Wir sind geflüchtet, in entgegengesetzte Richtungen.
neo fausuto\PIA schrieb am 26.4. 2003 um 15:40:49 Uhr zu
Bewertung: 22 Punkt(e)
Erwünscht war weniger die Regie, eher die Ausstattung dieser Szene in einem der Gärten des Kanal - Inspektors.
Meine Tastatur fühlte sich anders an und klang anders - das fiel zuerst auf. Als ob kleine Kapseln, mit Samen oder Sporen prall gefüllt, bei jedem Tastendruck platzten.
Die Buchstaben wandern groß und golden über einen schwarzen Hintergrund; der Bildschirm ist flach und hoch und oben gerundet. In der Mitte der Rundung dreht sich eine Löwenzahnblüte und Blütenstaub fällt immerzu herab.
Löwenzahn blüht überall, sogar am Rand der Beton-Kuppeln auf den Dächern rings umher.
Ich sehe in der Ferne Ibi und Yamin einen Eimer mit Wasser tragen, sie gehen langsam über das betonierte Flußbett das Salsabil-Kanals und kommen näher. Die Häuser des Kanal - Inspektors, obwohl im Flußbett errichtet, haben kein fließendes Wasser - es muß in der Mitte des Kanals aus einem Rinnsal geschöpft werden.
Sie bringen das Wasser in die Küche, wo Laura und Cato einen großen Fisch zubereiten und wo Cato soeben protestiert, weil Laura den besten Weißwein über den Fisch gießt. Dann fehlen Zitronen und daran ist Cato schuld, das ist aber nichts, verglichem mit der Schuld von Ibi und Yamin. Die behaupten, nichts sei schwieriger, als Wasser aus dem Salsabil zu schöpfen. Mutwillig ziehe sich das Wasser vor dem Eimer zurück, um gleich darauf, zum Erschrecken der beiden, doch noch in den Eimer hinein und nach Lust und Laune bald spritzend wieder hinauszupringen und es sei ein Wunder, daß der Eimer wenigstens halb noch gefüllt sei. Ibi wird losgeschickt und tut nichts lieber, als Zitronen zu besorgen und mit dem Motorrad nach Pyrgo zu rasen. Yamin muß gehen und Salbei pflücken. Der beste Salbei werde in Pyrgo angeboten, sagt Ibi, Yamin müsse mitkommen. Nein, Yamin bleibt hier, Salbei werde sofort benötigt, trotzdem könne Ibi auf dem Markt nach Salbei fragen. Während Yamin jammernd auf die Suche geht, wird Ibi mit weiteren Aufträgen überhäuft.
Das Getöse von Ibis Motorrad verliert sich in der Ferne. Aus der Küche kommen beruhigende Geräusche und Stimmen.
Yamin ist bei mir, mit einem Salbeizweig.
Ist das Salbei? Ich zerreibe ein Blatt: da, riech!
Er beugt sich herab und schließt die Augen.
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