Anzahl Assoziationen zu diesem Stichwort (einige Beispiele folgen unten) 601, davon 554 (92,18%) mit einer Bewertung über dem eingestellten Schwellwert (-3) und 360 positiv bewertete (59,90%)
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Siehe auch:
positiv bewertete Texte
Der erste Text am 17.2. 2001 um 12:24:36 Uhr schrieb
Dr. Josef Spesinalium über Ptolemy-Institute-of-Astrology
Der neuste Text am 29.7. 2026 um 03:02:33 Uhr schrieb
abschrull-scharbban-krotzvonspuk über Ptolemy-Institute-of-Astrology
Einige noch nie bewertete Texte
(insgesamt: 12)

am 10.2. 2026 um 23:15:03 Uhr schrieb
mörderschnitzel über Ptolemy-Institute-of-Astrology

am 19.12. 2012 um 20:10:27 Uhr schrieb
Rita über Ptolemy-Institute-of-Astrology

am 3.2. 2019 um 22:00:42 Uhr schrieb
husch, husch, die Waldfee über Ptolemy-Institute-of-Astrology

Einige überdurchschnittlich positiv bewertete

Assoziationen zu »Ptolemy-Institute-of-Astrology«

neo fausuto\PIA schrieb am 21.2. 2003 um 22:38:48 Uhr zu

Ptolemy-Institute-of-Astrology

Bewertung: 21 Punkt(e)

Grüne Kacheln schweben im Weltraum, zu einer halben Kuppel lose gefügt.
Heute, im türkischen Bad meines Instituts, habe ich für mich allein Feuer gemacht und liege in einem Zuber aus Zedernholz. In Becken, dort, wo ein dünner Strahl kochend heißes Wasser aus der Wand in und neben meinen Zuber fällt. Was überfließt, mäandert über den Beckenboden und glänzt ölig. Ein zweiter Zuber mit frischem kaltem Wasser. Ein dritter, umgedreht, dient als Tisch. Auf dem Tisch mein Sanyo-Recorder und fürs Badewasser eine Tüte Badesalz mit betäubender Ginster - Essenz.
Draußen heftiger Wind, der Dampf steigt senkrecht hoch, zieht dann waagrecht durch dunkle und von Feuer beleuchtete Zonen davon. Grün leuchten die Kacheln.
An den Beckenrand gelehnt eine Matratze, ein goldgerahmter Spiegel. Davor ein Holzstuhl. Requisiten einer Filmszene. Später weggeschnitten. Auf der Sitzfläche des Stuhls eine kleine blaue Turnhose, auf der Lehne ein gelbes Unterhemd mit kurzen Ärmeln und einem mit kleinen Knöpfen verschließbaren Ausschnitt. Ich sah Kanister mit Petroleum (Lampen) und Olivenöl (Massage). Der Regisseur wurde entlassen, der Produzent ist geflüchtet. Ich sah alte Handtücher. Militärdecken mit dem geflügelten Äskulapstab zwischen den Buchstaben U und S. Drehbuch-Skripte wurden gestohlen. Fördermittel gestrichen. Ich sehe eine dünne silberne Kette und weiß: sie ist ein zurückgewiesenes Geschenk. Oder ein achtlos vergessenes.
Ein ganzer Schwall heißes Wasser. Dampfwolken. Draußen der unaufhörliche Wind, heller Schein aus dem Ofen, das wenige Holz wird bald verbrannt sein. Rauch ist zu riechen, nicht zu sehen. Ich sehe überall silberne Ketten und weiß: mit ihnen war ich an die Wirklichkeit gekettet, jetzt bin ich entbunden. Diese Erkenntnis muß im Recorder festgehalten werden. Er liegt in unerreichbarer Ferne.
Widerschein in der Kuppel über mir, eine halbe Kuppel aus grünen Kacheln ragt in den leeren Weltraum. Dort, im Weltraum, bin ich in ein Rettungsmanöver verwickelt. Der Ausstieg war nicht einfach. Wie mühsam bin ich aus dem warmen Wasser gestiegen.
Begleiter halfen, haben mich gestützt, fast getragen; durch Schläuche sind wir miteinander verbunden.
Kraterwände, steil abfallende. Hier ist die dunkle, gegenüber die helle Seite. Unten ein dunkleres, oben helleres Grün. Ganz unten, der Kraterboden, ist eine tiefgrüne Ebene. Dort sind Bäume, zwischen den Bäumen glänzt Wasser. Von steilem Bergwald ist ringsum alles Land paradiesisch umschlossen.
So seht doch!
Meine Begleiter wollen umkehren. Sie schieben mich empor und sprechen von Erschöpfung, Höhenrausch und Sauerstoffmangel. Sie sehen nur schweflig verfärbte kahle Wände, hier und dort Rauchwolken. Jetzt, wo sie es sagen, sehe ich es selbst.
Kehrt nur ohne mich um, sage ich. Ich komme später nach. Der Rückweg ist das Allerleichteste.
Carlos-Antonio nimmt mich begeistert an der Hand, zieht mich fort, zeigt mir die urweltlichen Bäume, Äste strecken sich bis an die Kraterwand, einladende, auf die er wie ein Vogel hüpft.
Wie hatte Carlos-Antonio gebettelt und wollte mitkommen. Vergeblich, er ist erst zwölf.
Auf Ästen sitzen wir, von denen wir mit der größten Lust senkrecht in die Tiefe schauen. Von Ast zu Ast springen wir, schweben, denn starker Aufwind trägt uns. Mit welchem Vergnügen kämpfen wir gegen den Aufwind, um hinab und tiefer hinab an den grünen Grund zu gelangen! An den Fuß der im Wasser wurzelnden Bäume, deren Stämme und Äste bis in den Himmel ragen, dorthin, wo wir unter den dunklen und alles beschützenden Kronen den Abend aller Tage finden werden.
Es ist dunkel und kalt, ich finde kaum die Stufen, die aus dem Becken führen. Der Ofen ist noch warm, beim Ofen finde ich den warmen Bademantel.
Kolumbien, 1984. Ich erinnere mich an alles.
Ein Jahr vor seinem Ausbruch bestiegen wir den gletscherbedeckten Ruiz. Haben wir nicht nachdenklich, auf unsere Eispickel gestützt, die Senke in der Bergkuppe betrachtet, die frischen Kanten und Brüche im alten, gelblich verfärbten Schnee? Dann stiegen wir, noch immer durch das Seil verbunden, in den Krater hinab.
Ich taste mich den dunklen, schrägen Gang vom Bad ins hintere Treppenhaus hoch, gehe durch die Flure meines ganz verlassenen Instituts und erinnere mich an alles.

laura\PIA schrieb am 20.1. 2003 um 10:43:23 Uhr zu

Ptolemy-Institute-of-Astrology

Bewertung: 24 Punkt(e)

Heute lädt mich Ibi zu einer Fahrt mit seinem Chang Jiang - Motorrad ein. Zu seinem 14. Geburtstag bekam er
sein Chang Jiang wieder,
eine Tüte Briefmarken aus Yteke,
von mir ein kleines Kreuz aus Negrit, an einer feinen silbernen Kette.

Wir ziehen unsere Spinnweb-Overalls an. Bevor wir die antiken Kosmonauten-Helme aufsetzen, sagt Ibi:
»Laura, was ist Liebe?«
Ach Ibi, muß du das jetzt wissen! Ich bin unruhig und halte nicht viel von Ibis Fahrkünsten.
»Wenn wir von unserem Ausflug zurück sind, sag ich dir alles, was ich weiß!«
Wir fahren los. Um mich zu beruhigen, fährt er sehr langsam - und hält schon wieder an: »Wir sind da!«
Vor der Kirche St. Kosmas und Damian. Dort sind heute ein paar Markstände. Ibi kennt ein Mädchen, das Pferde-Schaschlik brät: sie wird auf sein Motorrad aufpassen. Ich sehe, wie sie hüpft und ihre Zöpfe fliegen. Hat Ibi eine Rundfahrt versprochen?
Jetzt betrachten wir die seit einem Jahr so berühmte Ikone. Hier unten in der Kirche ist es finster. Immer brennen vor den beiden Heiligen Kerzen.
Die goldenen Reflexe machen aus Ibi einen Engel.
»Sieh mal, Gummihandschuhe!« Einer der Heiligen hält tatsächlich ein Paar Handschuhe in der Hand. »Damals gab es kein Gummi. Vielleicht feines Leder. Wahr ist: die beiden sind berühmte Ärzte.« Ibi entdeckt chirurgische Instrumente, schließlich Kranke und Krüppel.
»Und was ist mit dem?«
»Der war von einem Dämon besessen. Von einem Heiligen nur ein Wörtchen: auf und davon muß er! Wird einfach ausgespuckt!«
»War ich auch besessen?«
Letzte Woche war Ibi drei Tage lang wie im Fieber.
»Wer weiß? Er hat es versucht und fand nirgendwo Platz. Dein Dämon hat freiwillig aufgegeben.«
"Wie mich die Heiligen anschauen! Sind fast lebendig!
Und wo ist das Telefon?"
Das Telefon aus Stein ist ihm von unseren Erzählungen bekannt.
In der Finsternis verborgen, dort an der Wand ist es befestigt.
Ich gebe Ibi den Hörer, schwer wie eine Hantel.
Er hält ihn ans Kerzenlicht.
»Ein Ohr!« - »Dahinein mußt du sprechen.«
»Ein Mund!« - "Dort mußt du hören.
Er horcht. »Es rauscht!« Ich beuge mich zu ihm, um mitzuhören.
»Da sind Stimmen! Viele!«

Ibi, wir lieben dich.
Sag nichts! Wir wissen alles.
Geh mit Laura zum Brunnen im Park!

»Es kommt nichts mehr!«
Ich führe ihn durchs Dunkel hinaus und sage: »Ich, beim ersten Mal, hatte nur geheult. Hatte überhaupt nicht zugehört.«
Ich kaufe uns geröstete Maiskolben. Ibi vereinbart mit der Bratköchin ein Rendezvous.
Um das Motorrad im Instituts-Foyer zu parken, schieben wir es gemeinsam die Stufen hoch.
Dann nimmt mich Ibi an der Hand.
Wir stehen am Brunnen, die Spinnweb-Overalls wärmen uns. Die Maiskolben, in Zeitungspapier verpackt, sind noch heiß. Es ist 11 Uhr, die Sonne ist hinter kleinen, dicht gepackten silbrigen Wolken verborgen. Wie eine Stuck-Decke ist der ganze Himmel. Ringsum tönt die Stadt; heute ist schöner Alltag.
Auf dem Wasser im Brunnen, die dünne Eisschicht, wie sie mit einem Mal leuchtet! Um uns ist feiner Nebel aus Silber und Rosa.
»O Laura, wie schön ist das!«



neo fausuto\PIA schrieb am 26.4. 2003 um 15:40:49 Uhr zu

Ptolemy-Institute-of-Astrology

Bewertung: 22 Punkt(e)

Erwünscht war weniger die Regie, eher die Ausstattung dieser Szene in einem der Gärten des Kanal - Inspektors.
Meine Tastatur fühlte sich anders an und klang anders - das fiel zuerst auf. Als ob kleine Kapseln, mit Samen oder Sporen prall gefüllt, bei jedem Tastendruck platzten.
Die Buchstaben wandern groß und golden über einen schwarzen Hintergrund; der Bildschirm ist flach und hoch und oben gerundet. In der Mitte der Rundung dreht sich eine Löwenzahnblüte und Blütenstaub fällt immerzu herab.
Löwenzahn blüht überall, sogar am Rand der Beton-Kuppeln auf den Dächern rings umher.
Ich sehe in der Ferne Ibi und Yamin einen Eimer mit Wasser tragen, sie gehen langsam über das betonierte Flußbett das Salsabil-Kanals und kommen näher. Die Häuser des Kanal - Inspektors, obwohl im Flußbett errichtet, haben kein fließendes Wasser - es muß in der Mitte des Kanals aus einem Rinnsal geschöpft werden.
Sie bringen das Wasser in die Küche, wo Laura und Cato einen großen Fisch zubereiten und wo Cato soeben protestiert, weil Laura den besten Weißwein über den Fisch gießt. Dann fehlen Zitronen und daran ist Cato schuld, das ist aber nichts, verglichem mit der Schuld von Ibi und Yamin. Die behaupten, nichts sei schwieriger, als Wasser aus dem Salsabil zu schöpfen. Mutwillig ziehe sich das Wasser vor dem Eimer zurück, um gleich darauf, zum Erschrecken der beiden, doch noch in den Eimer hinein und nach Lust und Laune bald spritzend wieder hinauszupringen und es sei ein Wunder, daß der Eimer wenigstens halb noch gefüllt sei. Ibi wird losgeschickt und tut nichts lieber, als Zitronen zu besorgen und mit dem Motorrad nach Pyrgo zu rasen. Yamin muß gehen und Salbei pflücken. Der beste Salbei werde in Pyrgo angeboten, sagt Ibi, Yamin müsse mitkommen. Nein, Yamin bleibt hier, Salbei werde sofort benötigt, trotzdem könne Ibi auf dem Markt nach Salbei fragen. Während Yamin jammernd auf die Suche geht, wird Ibi mit weiteren Aufträgen überhäuft.
Das Getöse von Ibis Motorrad verliert sich in der Ferne. Aus der Küche kommen beruhigende Geräusche und Stimmen.
Yamin ist bei mir, mit einem Salbeizweig.
Ist das Salbei? Ich zerreibe ein Blatt: da, riech!
Er beugt sich herab und schließt die Augen.

neo fausuto/PIA schrieb am 16.1. 2002 um 15:08:36 Uhr zu

Ptolemy-Institute-of-Astrology

Bewertung: 26 Punkt(e)

Wir werden im PIA den Urknall herstellen. Nicht irgendeinen, nicht nur einen Spaß ohne Konsequenzen, sondern DEN Urknall, der noch garnicht stattgefunden hat! Im Moment des Urknalls gabs noch keine Zeit - das Universum ist so konstruiert, daß der Urknall irgendwann stattfindet. Seit es Zeit und Kausalität gibt, mußte notwendigerweise früher oder später das PIA entstehen. Können Sie mir folgen? Dr. Spesinalium, unser Chef, hat erkannt, daß notwendigerweise das PIA den Urknall nachliefern muß.
( Es handelt sich, ehrlich gesagt, nur um das winzige Stück Urknall, das noch aussteht).

neo fausuto\PIA schrieb am 19.4. 2003 um 17:44:12 Uhr zu

Ptolemy-Institute-of-Astrology

Bewertung: 11 Punkt(e)

Heute, auf dem Dach, (froh bin ich, diesen einen Ausgang zum Dach zu haben, einen freien Zugang zum Himmel), dort, auf dem flachen Dach bewege ich mich vorsichtig, halte mich von den Außenkanten entfernt, um nicht gesehen zu werden, dort, in der Sonne liegend, hörte ich beunruhigende Geräusche aus dem Observatorium.
Das Observatorium ist lange außer Betrieb. Es wird von unserem Computer überwacht und gesteuert. Das Teleskop liefert unmittelbar digitalisierte Bilder. Die Mechanik funktioniert nicht mehr. Es ist Wasser eingedrungen, vieles ist verrostet.
Vergeblich startet der Computer immer wieder die Motoren, um die Kuppel zu drehen und das Teleskop zu bewegen. Der rouleau-artige Verschluß der Kuppel funktioniert - der letzte Zugang zu meinem inzwischen geschlossenen Institut.
Daß der Computer eingeschaltet ist, überrascht mich.
Dieses vergebliche Starten von Elektromotoren, diese Versuche, die korrodierte Mechanik zu bewegen werden mich noch zwingen, unten, im Herz meines Instituts, nach dem Rechten zu sehen.

Es reizt mich, das kostbarste Dokument meines Instituts preiszugeben. Hier, an dieser Stelle, die jedem zugänglich ist, hier, wo zuletzt nach Authentischem gesucht wird.
Ein kleine Veröffentlichung der Militärärztlichen Akademie Leningrad:
Prof. Dr. Winogradow: „Methodische Untersuchungen zu Krebs und Unsterblichkeit“ (1952).
Vorn auf dem Einband eine handschriftliche Notiz von Stalin, mit der Forderung, über ein „modernes Äquivalent für Höllenstrafen“ nachzudenken.

neo fausuto\PIA schrieb am 29.4. 2004 um 21:09:22 Uhr zu

Ptolemy-Institute-of-Astrology

Bewertung: 10 Punkt(e)

Ben Tiber hat sich im SCWS etwas entfalten können. Schnellere Maschinen. Größere. Im PIA war er noch stolz auf ein Programm, das jede Minute ein neues Händel -Orgelkonzert ausspuckte ... nur die nackte Partitur ... jede Partitur musste stundenlang von Hand nachbearbeitet werden, dann war sie von einem virtuellen kleinen Barockorchester abspielbar ... ohne Dirigent natürlich ...
Jetzt braucht er nicht mehr als einen Tag - für eine Händel - Variante ... jawohl, er ändert Händel selbst ... eine virtuelle Clique von Händeln ... dicke, noch dickere, aber auch dünne ... ausgezehrte ... alle schreiben Tag und Nacht Konzerte, Opern ... jeder hat seinen eigenen Stil ... man kann natürlich nur Stichproben betrachten. Unser SCWS wird eine eigene Radiostation aufmachen - Barock-Gedudel für Hörer, die sowas lieben ... virtuelle Riesenorchester ... von ebenfalls virtuellen Dirigenten dirigiert ... kein Stück wird je wiederholt ... bis auf die auf der Hitliste ... wenn ich bedenke, daß Ben mit simulierten Meeresbrandungen angefangen hat ... im „Neptun“ hören Gäste das noch heute ... müssen es sich anhören ... hat jemand jemals „Yoga für Gestresste“ in irgend einem zweistelligen TV-Kanal gesehen? Das nächste Mal nicht gleich weiterzappen, die Brandung kommt von Ben Tibers CD - das PIA ist allgegenwärtig ...

neo fausuto/PIA schrieb am 25.4. 2001 um 14:41:23 Uhr zu

Ptolemy-Institute-of-Astrology

Bewertung: 12 Punkt(e)

Ich sitze am Schreibtisch von Negro, dem vom PIA zu Merkur geschickten Piloten, der letztes Jahr starb. Ich finde in seinen Notizbüchern:
Negros Traum vom versäumten Weltende.
Auf dem Merkur erfaßt mich immer wieder ein Zeit-Schwindel-Gefühl. also ob jede Merkur-Sekunde ein Erden-Jahr bedeutete.
Daher dieser immer wiederkehrende Angsttraum, wenn ich im Schatten meines Nacht-Felsens schlafe.
Keine Funksignale mehr von der Erde. Schon im Merkur-Orbit, gelingt mir trotzdem ein perfekter Start, auf die Sekunde genau, mit minimalem Schub. Der Bord-Wecker weckt mich in regelmäßigen Abständen aus der Narkose, die Erde ist jedesmal größer. Immer noch Funkstille und was mich wirklich in Panik versetzt: die Erde ist braun geworden. Schließlich im Erd-Orbit. Es war keine Täuschung: statt Wolken Staubstürme, die Kontinente haben ihre Konturen verloren. Ich tauche in die Nacht ein: keine Lichter mehr auf der Erde!
So wie ich sonst zum Abstieg den charakteristischen Schatten eines Himalaya-Tals angepeilt hatte, so nun einen langgezogenen Schatten in der Gegend der nordamerikanische Ostküste. Da ist der Gegendruck der Atmosphäre, da der Funkenflug von den Rändern des Hitzeschilds, da die Explosionen, wenn die Fallschirme herausgeschossen werden - in traumhafter Exaktheit. Ich tauche in den Talschatten, in eine Schlucht ein, sehe umherliegende Trümmer und bin schon zu Boden. Sturz, Schmerz und Übelkeit. Zerre mühsam meinen Helm los, der Fallschirm legt sich wie ein Laken über mich, Ohnmacht. Jetzt der Traum im Traum:
Mit unwirklicher Leichtigkeit stehe ich auf, sehe Schwärze und Schönheit des Hudson-Canyons. Noch eine Kletterei in die Tiefe, dann am Hudson, ein klarer, rasch fließender Bach, aus dem ich ohne Bedenken trinke, in den ich mich ganz hinein werfe.
Liege, genieße die Kälte, lasse meine Augen den Canyon langsam hochwandern. In der Nähe ein Frachter, fast ganz mit Sand zugeweht. Rostige unidentifizierbare Reste von allerlei Versunkenem. Heulender Wind, Sandwirbel. Weiter oben teilt sich der Canyon, und ganz oben: Reste von Brücken.
Da ragt Geborstenes in den Abendhimmel, und dort ragen noch die schwarzen Türme von Manhattan.

neo fausuto/PIA schrieb am 12.4. 2001 um 18:30:57 Uhr zu

Ptolemy-Institute-of-Astrology

Bewertung: 10 Punkt(e)

Wir vom PIA hätten den 40. Jahrestag des Gagarin-Flugs fast verschlafen. Dabei haben wir in unserer verstaubten Souvenir-Vitrine ein kleines Modell der R-7 - Rakete mit einem Gagarin-Autogramm, das mein Chef Spesinalium einmal in Moskau bei passender Gelegenheit mitgehen ließ. Die Vitrine steht in der PIA-„Kapelle“: Eine Art Andachtsraum, man klettert über eine Wendeltreppe von unten hinein und ist im Innern einer Hohlkugel mit 7 Metern Durchmesser. Die Erdoberfläche ist maßstabsgerecht, wenn auch konkav an der Innenwand abgebildet - und die Antarktis fehlt - dort ist der Eingang und eine kleine Plattform. Auf dieser Plattform die Vitrine und einige bequeme Lederessel. Das Licht kommt von einem Leucht-Himmelsglobus. Der hängt vom Nordpol herab in der Mitte dieses konkaven Weltinnenraums. Die Luft ist stickig und regt nicht zur Andacht an. Eine merkwürdige Akustik - hier sollte Laura einmal singen. Aber Laura singt nur wann und wo sie will.

neo fausuto/PIA schrieb am 8.4. 2001 um 00:38:50 Uhr zu

Ptolemy-Institute-of-Astrology

Bewertung: 10 Punkt(e)

Mein Chef, Dr. Josef Spesinalium, hat sich ein Herz gefaßt und mir den Tresorraum unseres Instituts aufgeschlossen. Ich will hinsehen und doch nicht hinsehen. Bin ich in der rechten Verfassung? Ich habe das Gefühl, der allererste Blick muß der entscheidende sein. Ist etwas zu ahnen, bevor der Verstand, bevor die Vernunft einsetzt ?
Ich schaue hin und sehe, was der Größe und der Form nach einem zerbeulten, alten, verschlossenen Kochtopf gleicht. Ich denke an Dutzendware. Das ist ein von außerirdischer Intelligenz verfertigter Gegenstand. Erschreckend primitiv. Spesinalium weist mit der Taschenlampe auf eine Stelle an der Seite hin:
>>>>>><>><><<>><
was nichts als eine binäre Seriennummer sein mag.
Wie kläglich, und doch habe ich Herzklopfen.

neo fausuto\PIA schrieb am 26.3. 2002 um 15:10:38 Uhr zu

Ptolemy-Institute-of-Astrology

Bewertung: 38 Punkt(e)

Heute hat sich wieder mein Tod gezeigt. Ein alter Freund von mir; sehr treu, sehr diskret, hält sich in respektvoller Distanz.

Ich trage um meinen Hals eine dünne Silberkette. An der ist eine spinnwebfeine Leine befestigt: ich bin der Hund meines Todes.
Die Leine schlängelt sich lose nach rechts, nach hinten; dort verschwindet sie aus meinem Gesichtsfeld.
An dieser Leine ziehe ich oft spielerisch - meinen Tod kann ich aber nicht heranziehen. Ich ziehe und ziehe, bis ein ganzes Knäuel am Boden liegt.
Dann geschieht etwas Merkwürdiges: das Knäuel entwirrt sich wieder - mein Tod zieht die Leine wieder an sich.
Dann ist sie wie immer: nicht zu straff, nicht zu lose.
Gelegentlich gerät mein Tod (rechts hinter mir) in mein Gesichtsfeld. Für gewöhnlich liest er in einem Buch. Heute steckte er einen Knochenfinger zwischen die Seiten und schaute auf, sah mich an.
Vom Buch hat er schon über die Hälfte gelesen.

Informator schrieb am 9.11. 2003 um 23:00:47 Uhr zu

Ptolemy-Institute-of-Astrology

Bewertung: 17 Punkt(e)

PTOLEMY-INSTITUTE-OF-ASTROLOGY

The Republic of Uzbekistan, established in 1924 as a constituent republic of the former Soviet Union, declared independence as an Islamic nation in 1991. As the nation moves ahead into the 1st century, it struggles to find ways to modernize its industrial and economic systems in order to join the global community. At the same time, it is essential for the new nation to recover from 75 years of repression during the Communist era and strengthen its particular religious, cultural, and intellectual values.

To this end, the government of Uzbekistan has set up a national trust to finance the construction of the PIA, a center for advanced astrological research. The ancient city of Samarkand has been chosen as the site for this facility, which will be the most advanced research institute of its type in the world. A number of Communist-era buildings will be demolished so that the scale and complex spatial hierarchy of the historic quarter can be extended into the modern city. The PIA will comprise lecture halls and classrooms, laboratories, an auditorium, libraries and housing for students and faculty, and it will be equipped with VLT optical and infrared telescopes.

neo fausuto/PIA schrieb am 7.4. 2001 um 23:01:45 Uhr zu

Ptolemy-Institute-of-Astrology

Bewertung: 11 Punkt(e)

An meinem Instituts-Schreibtisch hat seinerzeit Negro gesessen - der inzwischen gestorbene PIA-Pilot. Ich fand einige eng, kaum leserlich beschriebene Notizbücher. Ich fand eine Art Gedicht:
Negros Sonnengesang vom Merkur.
Furchtbare Sonne, schone mich. Laß mich zurück zur Erde, ich will dort dich lieben, wenn du zart hinter Nebeln versteckt bist.
Hier willst du mich aus dem Schatten hervorlocken, über meinen spiegelnden Goldhelm spotten, willst mich wie einen Krebs aus der Schale ziehen, willst mich als Mumie, als Staub.
Ich aber, in meinem Schutzschild aus Asbest und Phantasie, fliege noch näher zu dir, fliege in dich, sehe Glut und Brut ganzer Planeten vom Horizont hier emporstürzen, und dort zum Horizont hinab.
Feuer um Feuer hinausgeschleudert, hinaus, ins himmelweit Schwarze hinaus.
Ich sinke noch tiefer ins Innere der gewaltig dröhnenden Orgel,
ins Urkreischen, Urbrüllen, Urbrummen deines furchtbaren Matriarchats. Du Gebärmutter und Fresserin deiner eigenen Materie, im für Milliarden Jahre komponierten Urgesang aus Sternreaktor-Katastrophen.
Sollte ich in deinem Innersten ankommen, dann werde ich dir, du Gewaltige, berichten:
Eben fällt dort, wo ich zuhause bin, ein Tropfen von einem Eiszapfen. Deine Tat! Beobachtet von einem kleinen Kind - wie seine Augen leuchten! Einem Kind in den Armen einer Mutter, deren Herz von Liebe und Sorge brennt.

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Der Assoziations-Blaster ist ein Projekt vom Assoziations-Blaster-Team (Alvar C.H. Freude und Dragan Espenschied) | 0,1436 Sek.