Einige überdurchschnittlich positiv bewertete
Assoziationen zu »Ptolemy-Institute-of-Astrology«
neo fausuto/PIA schrieb am 16.3. 2001 um 13:03:09 Uhr zu
Bewertung: 17 Punkt(e)
Heute fühlt sich mein Chef Dr. Josef Spesinalium wie Gott. Das kommt so:
Seit über 1 Jahr läuft in einer Partition unserer alten Maschine ununterbrochen sein Programm GENESE. Dort wird eine Mini-Welt simuliert, die inzwischen aus folgenden Wesen besteht:
# Dreiarmige Seesternartige, sie sind seßhaft, sie bauen Städte und züchten
# Gemüse, das allen zur Nahrung dient, und sie züchten auch
# Blumen.
# Fünfarmige Seesternartige, sie sind Nomaden. Sie bauen Dörfer, die sie wieder abreißen. Sie verfertigen Schmuck, den sie bei den Seßhaften gegen Gemüse und Blumen eintauschen.
# Baumaterial für alle sind überall herumliegende kleine Drei- und Sechsecke.
# Es gab früher Kriege, nun seit Wochen nicht mehr.
# Vor einigen Tagen wurde der Tanz entdeckt. Bei Seßhaften und Nomaden in unterschiedlicher Form.
# Seit gestern tanzen Seßhafte und Nomaden gemeinsam.
# Heute Nacht bauten sie gemeinsam ein großes Haus in der Form eines Vierarmigen Seesterns.
Sie tapezierten es innen mit dem schönsten Schmuck, füllten es mit dem schönsten Gemüse, umgaben es außen mit den schönsten Blumen.
# Seßhafte und Nomaden stehen davor und scheinen zu warten.
Spesinalium meint, sie hätten entdeckt, daß es einen Schöpfer geben muß, und sagt:
»Die meinen mich, die beten mich an!«
neo fausuto/PIA schrieb am 25.4. 2001 um 14:41:23 Uhr zu
Bewertung: 12 Punkt(e)
Ich sitze am Schreibtisch von Negro, dem vom PIA zu Merkur geschickten Piloten, der letztes Jahr starb. Ich finde in seinen Notizbüchern:
Negros Traum vom versäumten Weltende.
Auf dem Merkur erfaßt mich immer wieder ein Zeit-Schwindel-Gefühl. also ob jede Merkur-Sekunde ein Erden-Jahr bedeutete.
Daher dieser immer wiederkehrende Angsttraum, wenn ich im Schatten meines Nacht-Felsens schlafe.
Keine Funksignale mehr von der Erde. Schon im Merkur-Orbit, gelingt mir trotzdem ein perfekter Start, auf die Sekunde genau, mit minimalem Schub. Der Bord-Wecker weckt mich in regelmäßigen Abständen aus der Narkose, die Erde ist jedesmal größer. Immer noch Funkstille und was mich wirklich in Panik versetzt: die Erde ist braun geworden. Schließlich im Erd-Orbit. Es war keine Täuschung: statt Wolken Staubstürme, die Kontinente haben ihre Konturen verloren. Ich tauche in die Nacht ein: keine Lichter mehr auf der Erde!
So wie ich sonst zum Abstieg den charakteristischen Schatten eines Himalaya-Tals angepeilt hatte, so nun einen langgezogenen Schatten in der Gegend der nordamerikanische Ostküste. Da ist der Gegendruck der Atmosphäre, da der Funkenflug von den Rändern des Hitzeschilds, da die Explosionen, wenn die Fallschirme herausgeschossen werden - in traumhafter Exaktheit. Ich tauche in den Talschatten, in eine Schlucht ein, sehe umherliegende Trümmer und bin schon zu Boden. Sturz, Schmerz und Übelkeit. Zerre mühsam meinen Helm los, der Fallschirm legt sich wie ein Laken über mich, Ohnmacht. Jetzt der Traum im Traum:
Mit unwirklicher Leichtigkeit stehe ich auf, sehe Schwärze und Schönheit des Hudson-Canyons. Noch eine Kletterei in die Tiefe, dann am Hudson, ein klarer, rasch fließender Bach, aus dem ich ohne Bedenken trinke, in den ich mich ganz hinein werfe.
Liege, genieße die Kälte, lasse meine Augen den Canyon langsam hochwandern. In der Nähe ein Frachter, fast ganz mit Sand zugeweht. Rostige unidentifizierbare Reste von allerlei Versunkenem. Heulender Wind, Sandwirbel. Weiter oben teilt sich der Canyon, und ganz oben: Reste von Brücken.
Da ragt Geborstenes in den Abendhimmel, und dort ragen noch die schwarzen Türme von Manhattan.
laura\PIA schrieb am 15.12. 2002 um 22:32:13 Uhr zu
Bewertung: 23 Punkt(e)
Kaum noch Menschen in unserem Institut. Wir, Ibi und ich, sind oft allein. Es wird nicht mehr geheizt, trotzdem ist es nicht zu kalt, weil überall die Fenster zugemauert sind. Außerdem tragen wir jetzt unsere neuen Spinnweb - Overalls.
Ich gehe hoch ins „Weltobservatorium“ - jeden Tag üben wir dort etwas TaiChi, etwas Karate, und was uns sonst einfällt. Immer um 3 Uhr, wie früher, als Billy Lehrer war; immer noch hoffen wir, daß er wieder unterrichtet.
Wie oft ist Ibi schon da und hockt nachdenklich auf einem Stapel Bodenmatten. Flüchtig begrüße ich ihn und beginne. Nie mehr werde ich den Fehler machen und ihn zum Mitmachen auffordern, wenn er dort sitzt und eventuell noch eine Erektion besänftigen muß.
Das silberschwarze Spinnweb-Overall ist dünn und weich; es verlockt zum Streicheln.
Ibi ist fast 14, ich bin doppelt so alt.
Bei Partnerübungen kennt er keine Rücksicht, er preßt meinen Kopf gegen seine Brust, rasch und fest schlägt sein Herz.
Neulich, wir saßen im türkischen Bad, es war dunkel und der Ofen glühte, da liebte er mich heftig. Einen Atemzug lang: ein heftiges Ein-, ein langsam stöhnendes Ausatmen.
So ungerührt wie möglich sagte ich zu ihm: wie kräftig du geworden bist! Bald bist du stärker als ich!
neo fausuto/PIA schrieb am 16.1. 2002 um 15:08:36 Uhr zu
Bewertung: 26 Punkt(e)
Wir werden im PIA den Urknall herstellen. Nicht irgendeinen, nicht nur einen Spaß ohne Konsequenzen, sondern DEN Urknall, der noch garnicht stattgefunden hat! Im Moment des Urknalls gabs noch keine Zeit - das Universum ist so konstruiert, daß der Urknall irgendwann stattfindet. Seit es Zeit und Kausalität gibt, mußte notwendigerweise früher oder später das PIA entstehen. Können Sie mir folgen? Dr. Spesinalium, unser Chef, hat erkannt, daß notwendigerweise das PIA den Urknall nachliefern muß.
( Es handelt sich, ehrlich gesagt, nur um das winzige Stück Urknall, das noch aussteht).
neo fausuto\PIA schrieb am 23.4. 2003 um 13:00:43 Uhr zu
Bewertung: 10 Punkt(e)
Unerwünscht war dieser kleine Junge mit einer Sonnenbrille, der mich mit harten Fäusten anstieß, lachte, Zähne spitz wie Mäusezähne, und schrill ausrief: »so dünn ist er geworden, so dünn!«
Auf Rollen raste er umher; ich jagte ihn. Er verlor er seine hellblonde Perücke und hatte einen weißen Schädel. Er verlor er alle Kleider und ich sah, daß geradezu natürlich in die Fußknochen je 5 Rollen eingefügt waren, kleine Rollen, wie aus Knochen gedrechselt. Ich jagte ihn, bis er schreiend gegen die Wand fuhr, verstummte, lautlos auseinanderfiel.
Die verstreuten Kleider und Knochen wurden zu Scharen von Kakerlaken, die schnell, irgendwie nicht schnell genug in Ritzen und Winkeln verschwanden. Die Perücke wurde über den Boden gezogen und verschwand Ruck um Ruck hinter einem Heizungsrohr. Die Sonnenbrille blieb liegen.
Wer Unerwünschtes verjagen kann, müsste Erwünschtes herbeirufen können.
laura\PIA schrieb am 29.3. 2002 um 17:09:07 Uhr zu
Bewertung: 9 Punkt(e)
Jetzt kann sich mein Freund Neo an den Traum nicht mehr erinnern! Heute Nacht hatte er mich geweckt: „Laura, der Traum von unserem Jahrhundert, dem 22ten!“. Was er mir erzählt hat, ich hab es mir gemerkt.
Ein breites, trockenes, betoniertes Flußbett. Zwischen hohen Ufermauern. In einiger Ferne mehrere Eisenbrücken, auf denen sehr langsam Güterzüge rollen. Uaufhörlich, mit allerlei Fracht, manches wie Flugzeug - Teile.
Das Flußbett übersät mit Müll. Dazwischen weite, leere Flächen im Abendlicht. In der Mitte ein Rinnsal aus klarem, geradezu leuchtendem Wasser.
Am Wasser entlang streunt eine Horde von Kindern. Sie sind verwahrlost, aber friedlich. Manche verletzt oder verkrüppelt. In alten Kleidern, mit Schnüren festgewickelt, auch Uniformen: die mit einem rötlichen Tarnmuster. Alle Kinder haben fabrikneue Rucksäcke.
„Eins der Gesichter habe ich noch ganz deutlich vor Augen: wie verbrannt!“ sagte Neo. Ein Kind mit einem toten Baby im Arm.
Sie seien alle unterwegs zum Meer, zur Stadt Pyrgo. Wo alle Züge hinführen. Der Fluß sei ein Kanal, der zwei Flüsse verbinde: den „Istamponto“ mit der „Istantalatta“. Andere sagen: kein Kanal, sondern einer der beiden Flüsse selbst. Hier, bei den Brücken, seien sie gern: sie sprängen auf die Züge auf (nur wegen der alten Brücken seien die so langsam) und sie könnten sich allerlei besorgen.
Und dort bei den Häusern mit den Gärten würden sie gut verpflegt.
Bevor er wieder einschlief, sagte Neo noch: „Laura, in einem dieser Häuser leben wir schon lange! Die Häuser sind aus Beton wie das Flußbett, die Dächern sind gewölbte Kuppeln. In den Gärten sind Blumen - und Gemüsebeete! Tag für Tag holen wir beide Wasser vom Fluß, Eimer um Eimer!“
neo fausuto/PIA schrieb am 12.4. 2001 um 23:14:51 Uhr zu
Bewertung: 14 Punkt(e)
In den Notizen von Negro, unserem verstorbenen PIA-Piloten, fand ich diesen Traum. Negro hatte 3 Mal den Merkur besucht und dort jedesmal diesen Traum - eher Alptraum geträumt.
Negros Sonnenkampf und Todespreis.
Und wieder hatte ich im Traum die Weltraum- mit einer Ritterrüstung vertauscht. In der Nacht eines Felsenschattens liege ich und erwache vom Ruf des Sonnen-Ritters. Im Nu gerüstet auf meinem Pferd und ihm entgegen. Auf dem Schild meines Gegners und auf dem Brustpanzer das goldenen Sonnen-Zeichen. Wir umkreisen uns, bald habe ich die niedrige blendende Sonne, bald die Nacht vor Augen. In diesem Wechsel erscheinen antike Trümmer rings umher: stehende und gestürzte Säulen, Torbögen, Mauern, ferne Zuschauer. Wir umkreisen uns, die Lanzen berühren sich. Ich träume dies nicht zum ersten Mal, deshalb bin ich siegessicher. Wir umkreisen meinen nachtspendenden Felsen. Und jetzt schon ekelt mich, was gleich folgen wird: nach einer panischen Wendung stößt meine Lanze mitten ins Sonnen-Zeichen, eine pulsierende Fontäne aus Blut wird die Szene verschleiern. Die Sonne über dem Horizont wird langsam erlöschen, zugleich immer größer werden. Wir umkreisen uns noch immer, bis ich vor Erschöpfung vom Pferd gleite. Da liegt auch er, der gar nicht mein Feind ist, am blutnassen Boden.
Ich aber erhebe mich und fühle vor dem, was nun kommt, das noch größere Entsetzen: vollkommene Nacht, alle Sterne vom Himmel verschwunden. Aus alten Zeiten der Tod: das Skelett steht groß und ruhig vor mir. Knochen, Schädel mit feinsten Lichtern übersät. In leeren Augenhöhlen alle Trauer des Weltalls. Ich lege meinen Helm ab. Der Tod überreicht mir den Siegespreis: einen silbernen Lorbeerkranz - und ist verschwunden. Mich erstaunt der Glanz, die feine Arbeit der Lorbeerblätter, ich erwache, meine Finger tasten noch immer an erträumten feinen Silberblättern.
neo fausuto\PIA schrieb am 21.4. 2003 um 17:13:18 Uhr zu
Bewertung: 9 Punkt(e)
Das Rätsel der „dunklen Materie“ war gelöst. Im Traum hat es sich mir eröffnet, mit überwältigender Logik: dunkle Materie besteht aus Kakao. Pulver oder Staub, fein und bitter. Wird von einem Schwarzen Loch (leeren Magen) angesogen, mit einer gleichfalls angesogenen jungen Galaxis verrührt, in einem Sternreaktor erhitzt, in helle, sichtbare Materie verwandelt, in glänzende, fühlbare, schmeckbare Masse. Mir fließt das Wasser aus dem Mund, ich erwache. Schmerzhafter Hunger.
Muß sofort an Catos Zimmer denken und dort gehortete Süßigkeiten. „Cato hortet Süßigkeiten“ hieß es immer.
In Catos Zimmer ist Sonnenlicht.
Ihr Fenster wurde zuletzt zugemauert. Sie hat sich heftig gewehrt. Hat erreicht, daß eine halbe Ziegelbreite ausgespart blieb.
Ihr Zimmer ist leer.
Mein Spiegelbild steigt mir schräg aus der Tiefe entgegen, in den ausgehängten, an die Wand gelehnten Fensterflügeln.
Schränke, Schubladen: leer. Auf dem Bett ein Kopfkissenbezug, mit Wäsche vollgestopft. Auf dem Boden ein Berg leerer Schachteln.
Vor dem Spalt im Fenster pendelt ein Stück Glas an einem Faden.
Dreht sich langsam, über die Wände bewegen sich Lichter.
Kein Hunger mehr, dafür ein Schwindelgefühl.
Ich lege mich auf Catos Bett.
Man wird uns vermissen, sie und mich.
Wird glauben, wir seien gemeinsam geflüchtet.
Wir sind geflüchtet, in entgegengesetzte Richtungen.
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