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Dimäschq schrieb am 24.2. 2005 um 16:39:02 Uhr über

Genie

Über »Genie« zu schreiben ist heikel. Ob tatsächlich so viel »Genie« unter den Menschen ist, wie man glauben möchte, wenn man die Leute über »Genie« reden hört, wird sich an den Bewertungen dieses Artikels zeigen. Je schneller er im Keller verschwindet, um so schlechter ist es um die Verbreitung des »Genies« gestellt.

Wer ist ein Genie?

Kann ein Genie seine eigene Genialität entdecken, bemerken, von ihr wissen? Wäre es dann nicht ein Genie mit genialer Selbstbeobachtungsgabe? Zeichnet aber ein Genie nicht gerade aus, dass es sich auf einem Spezialgebiet fixiert hat und dort Herausragendes leistet? Bleibt dann noch Platz für genialische Selbstbeobachtung? Bemerkt ein Genie nicht eher nicht seine Genialität?

Das Genie spürt, dass es anders ist als andere Menschen. Dass es sich unterscheidet. Dass andere ihm nicht folgen können. Dass ihm Dinge sonnenklar sind, die anderen auf ewig ein Buch mit sieben Siegeln bleiben. Und irgendwann dämmert es dem Genie - eher später als früher! - dass es ein Genie ist.

Glücklich heißen kann sich das Genie, dass dann seiner Genialität fröhnen darf und nicht vor lauter Unwissenheit um seine Genialität längst vor die Hunde gegangen ist.

Denn können wir voraussetzen, dass jedes potenzielle Genie auch als solches erkannt und gefördert wird? Dass jedes Genie tatsächlich sein Gebiet findet, in dem es sich genial ausleben kann? Was, wenn nicht?

Was macht ein Genie zum Genie?

Ist »Genie« nicht ein Etikett, das einem Menschen »von außen«, also andere Menschen verpassen? Sie stellen staunend fest, dass da ein Mensch ist, der Dinge tut, die ihnen völlig fremd und unverständlich sind. Zugleich erkennen sie aber deren Nutzen. (Gibt es Genies im Teuflischen/Schlechten?)

Und das Genie selbst? Das tut nur, was es tun will - und zwar mit ganzer Hingabe. Das Genie schert sich nicht um das Etikett »Genie«. (Das all denjenigen ins Stammbuch geschrieben, die mit ihrer vorgeblichen »Genialität« öffentlich kokettieren. - Wie schade!)

Zum Genie wird man nur durch die Tat oder Taten. Was für ein Genie wäre es, dass im stillen Kämmerlein oder dem berühmten Elfenbeinturm sitzt, und sich - dabei völlig regungslos bleibend - dolle Gedanken macht? Winkt hier nicht schon der Wahnsinn mit dem Zaunpfahl? Wenigstens einem anderen Menschen mitteilen müsste es seine Gedankengänge - im Gespräch oder als Geschriebenes. Und das wäre dann schon die erste Tat! (s.o.!)

Also möge sich ein jeder an die eigene Nase fassen und sich selbst gegenüber ehrlich die Frage beantworten: Wo ist/wo sind meine geniale Tat/Taten? (Ihr Möchtegerngenies, ihr braucht jetzt nicht aufzuheulen, damit outet ihr euch doch bloß als das, was ihr seid: Pseudo-Genies) Natürlich ist es jedem freigestellt sich selbst zu belügen ... (Aber bitte, verkauft uns das nicht als Genialität!)

Warum halten sich soviele Menschen für genial?

Von anderen als »Genie« bezeichnet zu werden, dürfte kleinen Geistern ganz enorm schmeicheln. Denn es ist doch offenkundig, dass das Wort »Genie« in der Regel nicht als Schimpfwort benutzt wird. Es ist für die Minderbemittelten erstrebenswert so tituliert zu werden. Und da hilft man dann gern schon einmal nach, indem man den Gedanken selbst ins Spiel bringt. Um ihr eigenes Ego aufzuwerten, schrecken fast alle Menschen vor nichts zurück - und wenn es noch so peinlich ist...

In unserer Gesellschaft genießt das Genie hohes Ansehen. Wer wollte sich also schon hinstellen und von sich selbst sagen: Sorry, diese Auszeichnung passt nicht zu mir. Selbstverliebtheit nennt man das. Hmm, und vielleicht gibt es so etwas wie »genial« zu nennende Selbstverliebtheit? (Hier freut sich der Psychater: Er sieht am Horizonte den Wahnsinn winken! Und nur den Wahnsinn, nix von Genialität, so gern man das auch möchte...)

Gibt es tatsächlich Genies?

Unbestritten ist, dass es Genies gibt. Aber in der Vielzahl, wie sie einem nach eigenem Bekunden, zu erschlagen drohen, wohl eher nicht. Denn bedenke: Wenn fast ein jeder ein Genie ist, welcher Sinn steckt dann noch in der Feststellung: Das ist ein Genie? Die wird dann banal und trivial. Damit geht dann aber auch der Verlust des Besonderen, des Ausgezeichneten einher - also gerade der Grund, warum sich ein jeder dieses Etikett ans Revers stecken möchte. (Wahrlich eine geniale Tat: Im Glauben, mich besser zu positionieren, zerstöre ich den Grund, weswegen ich mich besser positioniert wähne. - Na, dämmert's schon? ...wähne... ----> WAHNSINN!)

Mein Tipp: Leute bleibt locker! Gönnt dem Genie seine Genialität. Bestaunt sie und freut euch über die positiven Folgen der genialen Taten. Aber zieht euch keine Schuhe an, die ein paar Nummern zu groß sind - auch wenn sie das Schönste auf der Welt sind.







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