Ein hochentwickeltes Werk verlangt zu seinem Verständnis um so ungewöhnlichere Kompetenz, je »moderner« es ist, das heißt je weiter vorgeschoben seine Stellung ist innerhalb der relativ autonomen Entwicklungsgeschichte der Produktionsfelder; diese verdankt ihren kumulierenden Charakter der Tatsache, daß die Zugehörigkeit zum Feld und zu seiner Geschichte (»Epoche machen«) den Bezug auf den unmittelbar vorher gültigen künstlerischen Standard und meistens den Gegensatz zu ihm impliziert. So erklärt sich, daß die Geschichte des Individualgeschmacks (mit einiger Verzögerung) die Geschichte der entsprechenden Kunstgattung nachvollzieht. Pierre Bourdieu: »Die feinen Unterschiede«; Suhrkamp 1983; S. 360