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Bei den Überlegungen zum Menschen, seinem Zusammenleben und dessen Organisationsformen wird in aller Regel von einem idealistischen Menschenbild ausgegangen, in dessen Kern stets die Vernunft steht, der Verstand, die Ratio. Unserem Rechtssystem liegt beispielsweise die Illusion zugrunde, daß der Mensch sein Handeln bewußt und in seinen Konsequenzen überschaue, und streng vernünftig nach seiner Interessenlage ausrichte.
Ich meine, wenn man eine politische oder soziale Philosophie hochziehen will, dann sollte man es umgekehrt tun - man sollte sich nicht an heheren Idealen orientieren, sondern an den sinisteren, übelen, schlechten Eigenschaften. Nicht die Tugenden machen den Menschen aus, sondern seine Untugenden. Sie zu erkennen und »beherrschbar« zu machen sollte als Grundlage der Sozialphilosophie dienen - die katholische Kirche mit ihrer Lehre von den Kardinalsünden betreibt dies schon seit Jahrhunderten, was man sich als Beispiel nehmen sollte.
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