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anmerken, kommentieren, ersetzen
Aktive Interpretations- und Kommentartätigkeiten finden sich keineswegs erst in der Moderne, sondern ziehen sich durch die gesamte Kulturgeschichte in den unterschiedlichsten Ausprägungen: extreme Verschachtelungen von Text und verschiedene Auslegungen aus unterschiedlichen Epochen zu bestimmten kanonischen Stellen finden sich schon in der jüdischen Thora: eine Textstelle in der Seitenmitte ist hier von verschiedenen Textrahmen umgeben (Referenzen, Kommentare, Auslegungen). In frühen Bibel-Konkordanzen werden die Anmerkungen zwischen zwei Textspalten eingelagert. Die mittelalterlichen Abschreiber sparen nicht damit, den zumeist auf der Seitenmitte stehenden Haupttexten am Rande in kleinerem Schriftgrad eine Glosse hinzuzufügen. Im 16. Jahrhundert tauchen kürzere Marginalien auf, die an bestimmte Textsegmente angehängt werden, woraus sich im 17.Jahrhundert die Fußnoten entwickeln.
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