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5. Digitale Poesie präsentiert und exemplifiziert den Gebrauch von Sprachen bzw. Zeichensystemen in der Symbolmaschine Computer und in digitalen Netzwerken.
Vom ‚experimentellen' Programm her muss bei digitaler Poesie insbesondere mit solchen Verfahren gerechnet werden, die Quellcodes, Programmierungen und Schnittstellen selbstreferentiell inszenieren. Eine solche Exemplifizierung liegt - auch augenfällig - zum Beispiel in wünschenswerter Deutlichkeit vor, wenn etwa im »Discoder« der japanischen Gruppe Exonemo (http://www.exonemo.com/) die Differenz zwischen HTML-Code und Browser-Interpretation inszeniert wird (klassisch hier auch die Gruppe »Jodi«), wenn verschiedene Symbolformate kontaminiert werden wie beim ASCII-Art-Ensemble, (http://www.desk.org/a/a/e) das mit dem »American Standart Code for Information Interchange« experimentiert, oder wenn mit Perl-Scripten gedichtet wird (zugleich als Rekonstruktion der Sprachmaschinen: vgl. Florian Cramers »permutationen« (http://www.userpage.fu-berlin.de/~cantsin/index.cgi). Aber natürlich gehören hierher auch alle anderen Vorführungen computerbasierter Features wie hypermediale Vernetzung, Animation, Interaktivität oder auch schlicht der Differenz von Hard- und Software wie z.B. in Frank Fietzeks »Bodybuilding«-Installation, die als Schnittstelle zur Textproduktion und -rezeption eine Kraftmaschine verwendet.
Friedrich W. Block:
Acht poetologische Thesen zur digitalen Poesie
http://www.le-txt.de/acht_thesen.htm
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