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»Und doch sprechen wir in unseren Untersuchungen nicht vom sozialen Kontext und von Machtinteressen, sondern von ihrer Verquickung mit Kollektiven und Objekten. Die Organisation der Navy verändert sich grundlegend durch die Allianz, die zwischen ihren Büros und den Bomben entsteht. [...] Der soziale Kontext des 19. Jahrhunderts ist ein anderer, je nachdem , ob er sich aus armen Leuten zuammensetzt oder aus mit Mikroben infizierten armen Leuten. Und auch das unbewusste Subjekt auf der Couch ist ein anderes, je nachdem, ob sein trockenes Hirn Neurotransmiter freisetzt oder sein feuchtes Gehirn Hormone absondert. Wenn es um die exeakten Wissenschaften geht, kann keine unserer Studien gebrauchen, was Soziologen, Psychologen oder Oekonomen uns vom sozialen Kontext oder vom Subjekt erzählen. Daher werde ich das Wort «Kollektiv» verwenden, um die Assoziierung von Menschen und nicht menschlichen Wesen zu beschreiben; und ,Gesellschaft“ , um nur jenen Teil unserer Kollektive zu bezeichnen, der durch die von den Sozialwissenschaftlern gezogenen Trennungslinie erfunden worden ist.«
(Bruno Latour: Wir sind nie modern gewesen. Versuch einer symmetrischen Anthropologie, Frankfurt am Main 1998, OT: Paris 1991, 11)
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