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Ich glaube auch, daß diese Phantasien über Gewalt, Dominanz und unbeschränkte Macht über den »Partner« ein Reflex des Umstandes sein könnten, daß die weitaus meisten Menschen in diesem Land im Wortsinne ohnmächtig sind: sie haben keinerlei Chance einen eigenen Willen gegen den gesellschaftlichen Widerstand auch nur zu artikulieren, geschweige denn durchzusetzen. Ihr Leben ist eng und determiniert bis ins letzte. Am Arbeitsplatz in subalterner Position, durch technische Prozesse oder systematische Abläufe minutiös fremdbestimmt, setzt sich diese Fremdbestimmung fort in den menschenunwürdigen Zuständen des ÖPNV und des Stau-Stehens, um ein Privatleben zu erreichen, daß widerrum vollständig fremdbestimmt ist: Werbung und sozialer Druck aus Nachbarschaft, Freundeskreis und Familie bestimmen sogar intime Dinge wie Haarfarbe, Intimrasur oder Piercings. Jedes Empfinden von »ich«, »eigen« oder »selbst« kommen abhanden, und suchen sich in derart antediluvianischen Phantasien (oder gar Handlungen) eine Zuflucht.
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