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prediger schrieb am 4.1. 2007 um 11:36:36 Uhr über

Jugendgruppe

Es gibt keine offizielle Definition des Begriffs Kindersoldaten. Die internationale Coalition to Stop the use of child Soldiers orientiert sich an der Altersgrenze der UN-Kinderrechtskonvention und fordert, dass niemand, der das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet hat, in reguläre Streitkräfte oder nichtreguläre bewaffnete Gruppen rekrutiert werden darf.

Nach den Cape Town-Principles von 1997 sollen nicht nur minderjährige kämpfende Angehörige von bewaffneten Einheiten als Kindersoldaten angesehen werden, sondern auch Träger, Informanten, Köche etc. Diese breite Definition soll einen besseren Schutz von Kindern gewährleisten und ihnen im Falle einer Demobilisierung Zugang zu Hilfsmaßnahmen gewähren.

Allerdings gibt es ein Spannungsverhältnis zum Kombattantenstatus, der mit dieser Einordnung zu den Soldaten erreicht wird. Zwar ist es danach legitim, im Kriegsfall auch gegen Kinder zu kämpfen, jedoch würde der Kombattantenstatus den Kindern wenigstens rechtlich eine Behandlung nach den Grundsätzen der Kriegsgefangenenkonventionen sichern.


Internationaler Tag gegen den Einsatz von Kindersoldaten [Bearbeiten]Es gibt einen Internationalen Tag gegen den Einsatz von Kindersoldaten. Er wird von der Internationalen Coalition to stop the use of child soldiers mit Sitz in London veranstaltet und ist (noch) kein offizieller UN-Tag.

Kinder und Jugendliche sind in der Regel leichter zu rekrutieren als Erwachsene. Sehr viele werden zwangsweise zu Soldaten. Insbesondere Jugendliche schließen sich aber auch freiwillig den bewaffneten Gruppen an. In der Regel kommen Kindersoldaten aus den ärmsten Schichten der Bevölkerung, viele sind durch die Kriegsereignisse von den Eltern getrennt worden und suchen Schutz, es sind Kinder aus Flüchtlings- und Vertriebenenlagern, sowie Straßenkinder. Unter diesen Umständen wird der Krieg für die Jugendlichen nicht nur zur Chance, ihre Existenz zu sichern, er bringt ihnen auch soziale Anerkennung, sowie ein Machtgefühl, das ihnen als Unbewaffnete nie zuteil würde. Manche sinnen auf Rache, weil der Feind Vater oder Mutter getötet hat.

Die Kinder werden den gleichen Belastungen ausgesetzt wie die erwachsenen Soldaten, lassen sich meist jedoch leichter manipulieren. Sie werden oft einer brutalisierenden Behandlung unterworfen, unter Drogen gesetzt oder müssen Leichenteile essen; auf Disziplinlosigkeit wie z.B. Einschlafen auf der Wache stehen drakonische Strafen. Fortlaufen oder Desertieren wird in der Regel mit Hinrichtung bestraft. Kindersoldaten werden vor allem in den sogenannten neuen Kriegen eingesetzt, da diese Kriege überwiegend mit leichten Waffen geführt werden. Kinder werden oft auch zum Verlegen oder Entschärfen von Landminen eingesetzt. Mädchen werden häufig vergewaltigt oder zur Heirat mit älteren Soldaten gezwungen.

Zu den schärfsten Kritikern des Einsatzes von Kindersoldaten gehört der südafrikanische Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu.


Statistik [Bearbeiten]Nach Angaben der UNO von 1996Impact of Armed Conflict on Children«, so genannter Machel-Bericht) sind 300.000 Kinder unter Waffen an bewaffneten Konflikten beteiligt. Heute nach dem Ende einiger großer Bürgerkriege wie in Angola wird die Anzahl auf 250.000 geschätzt. Mehr als 50 bewaffnete Gruppen setzen sie ein, meist in Afrika. Fast jeder dritte Kindersoldat ist ein Mädchen. Etwa zwei Millionen Kinder sind zwischen 1990 und 2000 gefallen, schätzt Olara Ottuno, Sonderbeauftragter des UN-Generalsekretärs für Kinder in bewaffneten Konflikten. Sechs Millionen Kinder sind zu Invaliden geworden, zehn Millionen Kinder haben schwere seelische Schäden erlitten.

In Uganda waren rund 90 Prozent der Lords Resistance Army Kinder zwischen 13 und 16 Jahren. Über 12.000 Jungen und Mädchen wurden zwangsrekrutiert. In Liberia kämpften während des Bürgerkriegs von 1989 bis 1997 etwa 20.000 Kindersoldaten. Dabei sollen bereits Neunjährige rekrutiert worden sein. In Sierra Leone gab es zwischen 1991 und 2002 6.845 Soldaten unter 18 Jahren.

Die Coalition to Stop the Use of child Soldiers (CTSTUOCS) hat 2004 einen Weltreport zu Kindersoldaten herausgebracht. Darin werden die Wehrgesetze aller Länder dokumentiert und diejenigen bewaffneten Gruppen benannt, die Kinder und Jugendlichen rekrutieren und im Kampf einsetzen. Der Bericht ist im Netz auf englisch unter http://www.child-soldiers.org einsehbar. Die umfangreiche Textdokumentation ist bei terre des hommes unter http://www.kindersoldaten.de ins Deutsche übersetzt.


Verbot [Bearbeiten]Im UN-Fakultativprotokoll über Kinder in bewaffneten Konflikten (Fakultativprotokoll zum Übereinkommen über die Rechte des Kindes betreffend die Beteiligung von Kindern an bewaffneten Konflikten) vom 25. Mai 2000 wurde vereinbart, dass Kinder unter 18 Jahren nicht zwangsweise eingezogen werden dürfen. Ausnahmen sind bei der Anwerbung von Freiwilligen für staatliche Streitkräfte zugelassen, die Altersgrenze für sie wurde auf Druck Großbritanniens, der USA, Russlands und Chinas auf 16 Jahre festgelegt. 101 Staaten, darunter auch die Bundesrepublik Deutschland, haben bisher dieses Zusatzprotokoll ratifiziert (Stand: September 2005).

Im Rom-Statut des Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag wurde festgelegt, das die Rekrutierung von unter 15-jährigen ein Kriegsverbrechen ist und verfolgt wird. Thomas Lubanga, Gründer und Führer der bewaffneten Miliz Union des Patriotes Congolais in der Demokratischen Republik Kongo, wurde im August 2006 wegen dieses Verbrechens vor dem IStGH angeklagt. Er ist damit der erste Angeklagte in der Geschichte des Gerichts.

Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) hat in ihrer Resolution 182 festgelegt, dass es sich beim Einsatz von Kindern als Soldaten um eine extreme Form von ausbeuterischer Kinderarbeit handelt. Dennoch gilt die Flucht der Minderjährigen vor Zwangsrekrutierung in der Bundesrepublik Deutschland nicht als Asylgrund, ehemalige Kindersoldaten bekommen in der Regel den Status einer Duldung. Eine ausführliche Dokumentation wurde von terre des hommes veröffentlicht, Titel »Ehemalige Kindersoldaten als Asylbewerber in Deutschland«.


Ausstellungen [Bearbeiten]
Französischer Kindersoldat im 19. Jahrhundert
(Gemälde von Édouard Manet 1866,
(161 x 97 cm), Musée d'Orsay, ParisEs gab einige Ausstellungen über Kindersoldaten in der Vergangenheit.

So stellte amnesty international vom 29. April bis Ende August 2003 Zeichnungen ehemaliger Kindersoldaten aus Sierra Leone aus. Das Thema der Veranstaltung lauteteKinder zeichnen GewaltGewalt zeichnet Kinderund umfasste 19 vierfarbige Bilder.

Eine weitere Ausstellung wurde von der Hilfsorganisation Terre des hommes organisiert. Sie lief vom 17. Juni bis zum 07. Juli 2003 in Münster mit dem TitelKinder in bewaffneten Konflikten“. Dort wurden 16 Plakate mit dem ThemaKinder im Krieg“ ausgestellt, die Länderbeispiele aus der Projektarbeit von terre des hommes zum Thema Kinder im Krieg zeigten.

Aktuell gibt es eine Ausstellung in Wien, gestaltet von der Aktionsgruppe Kinderrechte von amnesty international Österreich, mit dem Titel »KindersoldatInnen / Kinder im Krieg«. In acht Tafeln mit Photos und Texten wird auf die Lage der Kinder in (Bürger-)Kriegen eingegangen, mit Beispielen aus der Great Lake Region, Myanmar/Burma und Kolumbien und auch die Arbeit von ai und anderen Organisationen gegen den Missbrauch von Kindern als Soldaten dargestellt. Die Ausstellung ist als Sonderausstellung im »Foltermuseum« in Wien (6. Bezirk, Esterhazypark) zu sehen.

In Berlin wird eine private Sammlung im Museum Der kleine Soldat präsentiert. Diese Ausstellung umfasst vor allem thematische Fotodokumentationen aus den beiden letzten Jahrhunderten. Dazu dokumentieren Originalexponate vom Kriegspielzeug bis zum realen Kampfmittel das Leben und Sterben der Kindersoldaten.

Der Dokumentarfilm »Lost children« über Kindersoldaten im Norden Ugandas ist in einigen deutschen Kinos zu sehen.


Literatur [Bearbeiten]China Keitetsi: Sie nahmen mir die Mutter und gaben mir ein Gewehr: mein Leben als Kindersoldatin. Ullstein-Verlag 2003, ISBN 3-548-36481-0
Senait G. Mehari: Feuerherz. Droemer-Verlag 2004, ISBN 3-426-27341-1
Margit & Alice Schmid: I killed people. Lamuv 2001, ISBN 3889775993
Michael Pittwald: Kindersoldaten, neue Kriege und Gewaltmärkte. Sozio-Publishing 2004, ISBN 3-935431-02-3
Rachel Brett, Margaret McCallinn: Kinder - die unsichtbaren Soldaten Book on Demand, ISBN 3-8311-2641-0



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