|
**Urlaub, Sommer 1989**
*Ort: Südfrankreich – ein kleines Kloster in der Provence, das auf keiner Karte steht.*
Die Reise beginnt im Zug. Nicht aus Angst vorm Fliegen, sondern wegen der Geräusche – das rhythmische Rattern der Schienen, das Denken begleitet. In der Tasche: Leinenkleider, ein Notizbuch, ein Gedichtband von Ingeborg Bachmann, eine Kamera, die unbenutzt bleibt.
Das Kloster liegt auf einem Hügel, eingerahmt von Zypressen, mit Blick über Lavendelfelder, die selbst dem Wind nur widerwillig nachgeben. Gespräche sind selten. Nicht aus Arroganz – aus Rücksicht. Die Stimme wird geschont, das Schweigen gepflegt.
Morgens: Kaffee aus grober Keramiktasse. Abends: Schreiben.
Ein Satz bleibt hängen:
*„Ich bin mehr als das, was ich sage. Weniger als das, was man denkt.“*
Die Kapelle ist stromlos. Nur Kerzenlicht. Der Herzschlag hörbar.
Draußen: eine Biene, ein Kieselweg, der nicht begangen werden muss.
In der Ferne irgendwo läuft *Lambada*, aber das spielt hier keine Rolle.
Eine Woche vergeht. Der Abschied ist leise.
Zurück in der Stadt fragt jemand:
„Und? Erholt?“
Die Antwort:
„Ich war kurz woanders.“
|