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»Die nach innen gerichtete Gewalt, die ein religiöses Leben begründet und im Opfer gipfelt, spielte im frühen Islam nur eine sekundäre Rolle. Der Islam ist eben zunächst nicht Verzehrung, sondern, wie der Kapitalismus, Akkumulation der verfügbaren Kräfte. Jede Darstellung, jede angstvolle Kontemplation des religiösen Dramas ist ihm wesensfremd. Der Kreuzestod Christi oder der Selbstvernichtungsrausch Buddhas ruft bei ihm keinerlei Widerhall hervor. Wie das militärische Oberhaupt, das seine Gewalt gegen den Feind entfesselt, steht er im Gegensatz zum religiösen Oberhaupt, das die Gewalt erleidet. Das militärische Oberhaupt wird niemals getötet und strebt sogar danach, die Opfer zu unterbinden, es ist dazu da, die Gewalt nach außen zu lenken und die lebendige Kraft einer Gemeinschaft vor innerer Verzehrung - vor dem Ruin - zu bewahren. Es ist von vornherein auf Aneignungen, Eroberungen, kalkulierte Ausgaben zum Zweck des Wachstums aus. Der Islam ist gewissermaßen in seiner Einheit eine Synthese religiöser und militärischer Lebensformen, aber das militärische Oberhaupt konnte die religiösen Formen neben sich intakt lassen: der Islam ordnet sie den militärischen unter; indem er die Religion auf eine Moral beschränkt, reduziert er das Opfer auf Almosen und die Einhaltung der Gebetsvorschriften.«
Georges Bataille: Der verfemte Teil, S. 122
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