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Flugblatt
Vom Flughafen aus rufe ich meine Eltern an und sage, dass ich verreise. Als Mama hört, ich fliege nach Amerika, begnügt sie sich mit der Mitteilung, das klinge ja spannend. Gute Reise, sagt sie.
Papa lässt es nicht dabei bewenden. Er sagt, wenn ich ihm noch ein Stündchen Zeit gebe, schreibt er ein Flugblatt, das ich dann auf den Straßen in New York verteilen kann.
Es soll ein Flugblatt werden, auf dem er sich von allem distanziert, wofür Amerika steht, von dieser Dummheit, diesen kranken Träumen, der Außenpolitik und dem Kulturimperialismus. Nur schnell eine A4-Seite. Er hat den Verdacht, dass die meisten Amerikaner nicht die geringste Ahnung haben, was er und viele andere europäische Intellektuelle von Amerika halten.
Papa würde ihnen gerne zu denken geben. Damit sie Lehrgeld zahlen.
Ich sage, mein Flugzeug startet in einer Viertelstunde.
Das mit dem Flugblatt machen wir nächstes Mal.
Erlend Loe, “Die Tage müssen anders werden. Die Nächte auch”
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