|
Hoch-Wohlgebohrner Meister,
Ihr werdet Euch wohl erinnern Eurer Bedenken wegen denen Chorbuben, welche beflißen & convenable singen, oft über alles Maaß schön, und vermeinen, sie begriffen alle Worte, so sie dermaßen sauber, gar lateinisch vortragen. Nunmehro aber will ich dieße Buben, so viel an mir ist, in etwas entschuldigen, und zwar auf folgende Weise.
Wie wundersam ist Eure Mühle errichtet am Bach, da er herrlich fließet & mit steter Kraft das große Mühlenrad treibet. Und nunmehro geschiehet es, daß ein Bub sein eigen kleines Rädlein munter lauffen siehet & vermeinet, es sei eben solch trefflich Mühlenrad. Jetzo will ich hinzufügen: der Ohrt, von wo der Bub sein geringes Werklein betreibet, mag doch an aufwärts gelegner Stelle seyn, ergo dem Ursprunge näher. Mag der Bach dorten sanftes Bächlein heißen. Ist aber das Wasser allda nach proportion kostbahrer.
Also eilen wir zum Schluß, mit allem ergebensten Respect, zeitlebens verharrend
Ew. Hochwohlgebohren ganz gehorsamst-ergebenster Diener
Georg Erdmann
Danzig, den 16. Octobr. Anno 1718
Nicht abgeschickter Brief an JSB
(Staatsarchiv Danzig)
|