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Erich Mühsam (1878-1934)
KRIEGSLIED
Schädel spalten, Rippen brechen, spionieren, requirieren,
Patrouillieren, exerzieren,
fluchen, bluten, hungern, frieren ... So lebt der edle Kriegerstand,
die Flinte in der linken Hand,
das Messer in der rechten Hand -
mit Gott, mit Gott, mit Gott
mit Gott für König und Vaterland.
Aus dem Bett von Lehm und Jauche
zur Attacke auf dem Bauchel
Trommelfeuer - Handgranaten
Wunden - Leichen - Heidentaten bravo, tapfere Soldateni
So lebt der edle Kriegerstand, das Eisenkreuz am Preußenband, die Tapferkeit am Bayernband, mit Gott, mit Gott, mit Gott, mit Gott für König und Vaterland.
Stillgestandenl Hoch die Beine!
Augen gradeaus, ihr Schweine! Visitiert und schlecht befunden. Keinen Urlaub. Angebunden. Strafdienst extra sieben Stunden. So lebt der edle Kriegerstand. Jawohl, Herr Oberleutenantl Und zu Befehl, Herr Leutenant! Mit Gott, mit Gott, mit Gott, mit Gott für König und Vaterland.
Vorwärts mit Tabak und Kümmel!
Bajonette. Schlachtgetümmel.
Vorwärts! Sterben oder Siegen!
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Deutseher'kennt'K@in'Grfieeii@-.
Knochen splittern, Fetzen fliegen. So lebt der edle Kriegerstand. Der Schweiß tropft in den Grabenrand, das Blut tropft in den Straßenrand mit Gott, mit Gott, mit Gott,
mit Gott für König und Vaterland.
Angeschossen, - hochgeschmissen, -
Bauch und Därme aufgerissen.
Rote Häuser - blauer Äther -
Teufell Alle heiligen Väter! ... Mutter! Mutter!l Sanitäter!!! so stirbt der edle Kriegerstand, in Stiefel, Maul und Ohren Sand und auf das Grab drei Schippen Sand mit Gott, mit Gott, mit Gott, mit Gott für König und Vaterland.
Erich Mühsam
VERSOHNUNG
Tore der Freiheit auf! - Feinde von gestern, nehmt unsre Hände hin, Brüder und Schwestern! Arbeiter, Bauersmann, Bürger, Soldat eigenes Schicksal will eigenen Rat.
Glückliche Ernte will zeitige Saat. Nieder die Grenzen, die uns geschieden! Völkerfreiheit wirke das Band ewiger Freundschaft von Land zu Land, wirke der Völker ewigen Frieden.
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