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Der erste Text am 23.12. 2002 um 01:10:09 Uhr schrieb
sans papiers über antikriegsgedichte
Der neuste Text am 11.11. 2024 um 07:06:59 Uhr schrieb
Gerhard über antikriegsgedichte
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am 28.12. 2002 um 03:54:57 Uhr schrieb
voice recorder über antikriegsgedichte

am 29.1. 2003 um 11:30:56 Uhr schrieb
Dexter EM über antikriegsgedichte

am 10.1. 2003 um 02:37:42 Uhr schrieb
voice recorder über antikriegsgedichte

Einige überdurchschnittlich positiv bewertete

Assoziationen zu »Antikriegsgedichte«

voice recorder schrieb am 19.1. 2003 um 03:47:45 Uhr zu

antikriegsgedichte

Bewertung: 3 Punkt(e)

Lodernd fiel um ihn das Dorf zusammen: Aber ruhig wie der große Sinn
Seiner Stiftung sah er auf die Flammen
Der umringenden Verwüstung hin.
Finster blickt er, von der Nacht umgrauet
Und von Mondesanblick halb erliellt,
Ober diesen Hügel und beschauet
Wie ein dunkler Geist das Leichenfeld.

Hier der See und dort des Stromes Fluten
Spiegelten zurück das Todesschwert,
Dieser Himmel sah das Opfer bluten,
Dieser Hügel war ein Opferherd;
Hier im Bach hat Menschenblut geflossen,
Wo der Halm im tvionde zuckend nickt,
Hat vielleicht ein Auge, halb geschlossen,
Nach der Heimatgegend hingeblickt.

War es Klang von einer fernen Quelle, Was so dumpf zu meinem Herzen sprach? oder schwebt Geseufz um jede Stelle, Wo ein Herz, ein Herz voll Liebe brach? ist es Wandeln einer düstern Trauer, Was am Sumpf dem Hagebusch entrauscht, Und nun schweigt und wie ein dunkelgrauer Nebelstreif im Nachtgeflüster lauscht?

Dieser Staub am Wege hing um Seelen.
Wo ich trete, stäubt vielleicht ein Herz.
Gott! und hier aus diesen Augenhöhlen
Starrete zu dir hinauf der Schmerz.
Welch ein Anblick! Hieher, Volksregierer,
Hier, bei dem verwitterten Gebein,
Schwöre, deinem Volk ein sanfter Führer,
Deiner Welt ein Friedensgott zu sein.


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dich nach Ruhme dürstet!
Hier schau her, wenn
Zähle diese Schädel, völkerhirt, vor dem Ernste, der dein Haupt entfürstet in die Stiile niederlegen wird.
Laß im Traum das Leben dich umwimmern, Das hier unterging in starres Graun! Ist es denn so herrlich, sich mit Trümmern in die Weitgeschichte einzubaun?

Einen Lorbeerkranz verschmähn, ist edel! Mehr als Heidenruhm ist menschenglück! Ein bekränztes Haupt wird auch zum Schädel Und der Lorbeerkranz zum Rasenstück. Cäsar fiel an einem dunklen Tage Ab vom Leben wie entstürmtes Laub, Friedrich liegt im engen Sarkophage, Alexander ist ein wenig Staub.

Fließt das Leben auch aus einer Quelle, Die durch hochbekränzte Tage rinnt: irgendwo erscheint die dunkle Stelle, Wo das Leben stillesteht und sinnt. Katharinens Lorbeertaten zögen Gern verhüllt den Lethestrom hinab; Bessre retten ihre Gruft und legen Sanftre Kronen nieder auf ihr Grab.

Dort, dort unten, wo zur letzten Krümrne
Wie ein Strahl der Lebensweg sich bricht,
Tönet eine feierliche Stimme,
Die dem Wandrer dumpf entgegenspricht:
Was nicht rein ist, wird in Nacht verschwinden, Des Verwüsters Hand ist ausgestreckt, und die Wahrheit wird den Menschen finden, Ob ihn Dunkel oder Glanz verstecktl


65

voice recorder schrieb am 31.1. 2003 um 14:14:00 Uhr zu

antikriegsgedichte

Bewertung: 2 Punkt(e)

Ernst Toller (1893-1939) Ernst Toller

LEICHEN IM PRIESTER\VALD DEN MÜTTERN

Ein Düngerhaufen faulender Menschenleiber: Mütter,
Verglaste Augen, blutgeronnen, Eure Hoffnung, Eure frohe Bürde
Zerspellte Hirne, ausgespiene Eingeweide, Liegt in aufgewühlter Erde,
Die Luft verpestet vom Kadaverstank, Röchelt zwischen Drahtverhauen,
Ein einzig grauenvoller Wahnsinnschrei! Irtet blind durch gelbes Korn.

0 Frauen Frankreichs, Die auf Feldern jubelnd stürmten,
Frauen Deutschlands, Torkeln eingekerkert, wahnsinnschwärend,
säht ihr Eure Männer! Blinde Tiere durch die Welt.

Sie tasten mit zerfetzten Händen Mütter! einander.
Nach den verquollnen Leibern ihrer Feinde, Eure Söhne taten das

Gebärde, leichenstarr, ward brüderlicher Hauch, Grabt Euch tiefer in den Schmerz,
Ja, sie umarmen sich.
0 schauerlich Umarrnenl Laßt ihn zerren, ätzen, wühlen,
Recket gramverkrampfte Arme,

Ich sehe, sehe, bleibe stumm. Seid Vulkane, glutend Meer:
Bin ich ein Tier, ein Metzgerhund? Schmerz gebäre Tat!
GeSChändete....................................
Gemordete...................................... Euer Leid, Millionen Mütter,
Dien' als Saat durchpflügter Erde,
Lasse keimen
Menschlichkeit.








110

voice recorder schrieb am 8.1. 2003 um 04:48:40 Uhr zu

antikriegsgedichte

Bewertung: 3 Punkt(e)

Unbekannter mozarabischer Dichter (6.-8. jh.)

KIRCHENHYMNUS ZUR KRIEGSZEIT

Grause kriege erregt wilder barbare,
Knirschend häuft seine wut kriege auf kriege, jauchzend spritzt er umher blutige morde, Nach verwüstungen lechzt froh seine gierde.

Unaufhörlichen krieg schleudert sein tolles Zügelloses Geschlecht, spaltet die wogen Mit unzähliger @ar weiter gewässer,
Schreckt mit hartem geschoß friedliche fluren.

Ihrem schrecklichen feind wendet den rücken
Die kohorte sogar christlicher kämpfer,
Zitternd durch das gestrüpp, niedergeschlagen
Durch die schmähliche furcht flieht sie ermattet.

Ungestraft jene schar tausende quälend,
Schlachtet tausende hin grausam sie metzeind:
Die das heilige bad reinigte, dienen
Nackt am wege zum fraß scheußlichen raben.

Heilige bauten sodann, tempel des friedens
Und altäre, die Gott einzig geweiht sind,
Bricht mit jubelnder lust alle der stolze,
Plündert voller triumph alle der räuber.

Mit gefräßiger gier zehrt des barbaren
Feuer städte und dorf, freundliche häuser,
Und gefesselt entführt greise und knaben,
Witwen, gattinnen er, liebliche mädchen.

Die nur Gott sich geweiht, grausames schicksal,
13ittres schicksal beklagt weinend die jungfrau,
Die verletzung der scham schmerzet die jungfrau,
Lieber qualvollen tod wünschte die jungfrau.

Unsre sündige lust hat das gewaltige obei wahrlich verdient, heiliger schöpfer, Doch wir flehen dich an alle in demut, Deinem traurigen volk zeige die milde.

lesus, göttlicher sohn, sohn des allmächtigen, Wahre tugend, du heil, herrlich durch leiden, Friede, sichere ruh, höchste der zierden,
Sei ein gnädiger herr deinen bekennern.

Deine diener verschon um deine leiden, Dem erneuerten mut scheuche die ängste, unsern flüchtigen feind mindre und rnalme, Uns verleihe die gunst ewigen friedens.

Stete ehre und lob, ruhm sei dem Vater,
Lob in ewigkeit dir, ehre dem Sohne,
Einige ehre mit dir Heiligem Geiste,
So wie immer es war, jetzt und in ewen.








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toschibar schrieb am 30.12. 2002 um 23:51:24 Uhr zu

antikriegsgedichte

Bewertung: 2 Punkt(e)

Der unmenschliche Feind rollt tosend
ein in unser schönes Land.
Ich, ein kleines Reh liebkosend,
mit der Waffe in der Hand.

Der Feind rückt näher, bis zur Furt,
ich muss flüchten, weiß nicht wie.
Das Reh ist gehbehindert von Geburt.
Kanns nicht tragen, habs im Knie.

Steh´ dem Feind fast Aug´ in Auge,
Das Reh, das Reh, es fürchtet sich.
Von der Stirn rinnt mir die Lauge,
und ich weine bitterlich.

Das Reh dem Feinde überlassen? Nein!
Es zerbräche mir das Herz.
Das Reh: »Gemeinsam Warten auf Freund Hein
Ich: »Das war hoffentlich ein Scherz

Und so kams wie´s kommen sollte:
als der Panzer lauter grollte.
hab ich mich voll Angst verpisst,
und das Reh gilt als vermisst.

voice recorder schrieb am 19.1. 2003 um 03:58:36 Uhr zu

antikriegsgedichte

Bewertung: 1 Punkt(e)

William Blake (1757-1827) Friedrich Hölderlin (1770-1843)


DER FRIEDEN
WER HÄLT STAND?

ss" in andern Zorn
Wie wenn die alten Wa
Oh, eine Stimme wie Donner andelt wieder
In schrecklidiern verw
und eine Zunge,

die Gurgel des Krieges zu drosseln! Kämen, zu reinigen, da es not war,

Wenn die Sinne erschüttert sind So gärt' und wuchs und wogte von Jahr zu Jahr

und die Seele zum Wahnsinn getrieben wird: Rastlos und überschwernmte das bange Land

Wer hält stand? Die unerhörte Schlacht, daß weit hüllt schen.

Wenn die Seelen der Unterdrückten as Haupt der Men

in den aufgewühlten rasenden Lüften kämpfen: Dunkel und Blässe d

Wer hält stand? wie Wellen, auf
Die Heidenkräfte flogen,
Wenn der Wirbelwind des Zornes und schwanden weg, du kürztest o Rächerinl

vom Throne Gottes kommt, beit schnell und

wenn das Stirnrunzeln Seines Antlitzes Der sie gedient, die A

die Völker zusammentreibt: Brachtest in Ruhe sie heim, die Streiter.

Wer hält stand? 0 du, die unerbittlich und unbesiegt

Wenn die Sünde ihre breiten Flügel Zu seiner Zeit den Obergewaltgen trifft,

über das Schlachtfeld schlägt Glied hinab vorn

und jauchzend in der Todesflut segelt; Daß bis ins letzte Geschlecht erzittert,
wenn Seelen shlage sein armes
in das immerwährende Feuer gerissen werden Die du geheim den Stachel und Zügel hältst,
und Unholde der Hölle Zu hemmen und zu fördern, o Nemesis,
jubeln über den Erschlagenen: Strafst du die Toter, noch, es schliefen
Wer hält stand? Unter Italiens Lorbeergärten
Oh, wer hat dies verschuldet?
Oh, wer kann antworten am Throne Gottes? sonst ungestört die alten Eroberer.
Die Könige und Edlen des Landes haben es getan. Und schonst du auch der rnüßigen Hirten nicht,
Hör es nicht, Himmel! Und haben endlich wohl genug den
Deine Werkzeuge haben es getan. oppigen Schlummer gebüßt die Völker?

wer hub es an? wer brachte den Fluch? von heut
ists nicht und nicht von gestern, und die zuerst
Das Maß verloren, unsre Väter
Wußten es nicht, und es trieb ihr Geist sie.


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solarschule schrieb am 11.2. 2003 um 03:33:06 Uhr zu

antikriegsgedichte

Bewertung: 1 Punkt(e)

Franz Werfei (1890-1945)

DIE WORTEMACHER DES KRIEGES

Die große Zeit! Des Geistes Haus zerschssen
Mit spitzem Jammer in die Lüfte sticht.
Doch aus den Rinnen, Ritzen, Kellern, Gossen
Befreit und jauchzend das Geziefer bricht.

Das Einzige, wofür wir einig lebten,
Des Brudertums in uns das tiefe Fest,
Wenn wir vor Einem Himmel niederbebten,
Ist nun der Raub für eine Rattenpest.

Die Tröpfe lallen, und die Streber krächzen
Und nennen Mannheit ihren alten Kot.
Daß nur die fetten Weiber ihnen lechzen,
Wölbt sich die 0,d,nsbrust ins Morgenrot.

Die Dummheit hat sich der Gewalt geliehen,
Die Bestie darf hassen und sie singt.
Ach, der Geruch der Lüge ist gediehen,
Daß er den Duft des Blutes überstinkt.

Das alte Lied! Die Unschuld muß verbluten,
Indes die Frechheit einen Sinn erscilwitzt.
Und eh nicht die Gericht-Posaunen tuten,
Ist nur Verzweiflung, was der Mensch besitzt.








166

LAZARUS, SCHLÄFST DU? Henri Michaux (geb. 1899)

Nerven-Krieg

Erden-
Stände-
Rassen-
Ruinen-
Eisen-
Bedienten-
Kokarden-
Wind-
Wind-
Wind-Krieg
Luft-Spuren-, Meer-Spuren-, Sensen-Spuren-Krieg
Fronten-Krieg und Jammer-Krieg die sich verwickeln

die uns verwickeln
unter dem Krach, unter der Verachtung
unter Gestern, unter den Scherben des gefallenen Standbilds unter ungeheuren Veto-Tafeln
Gefangene im Misthaufen
unter morgen gebrochenes Kreuz, unter Morgen
unter Morgen
während Millionen und Millionen Menschen fortgehn, in den Tod eintreten sogar ohne einen eigenen Schrei

Millionen und Millionen
das Thermometer friert wie ein Bein aber eine Stimme gellt aufs äußerste ...
und Millionen und Millionen kommandiert vom Norden bis zum Süden gehen fort und treten ein in den Tod
Lazarus, du schläfst? wie?
Sie sterben, Lazarus
sie sterben
und keir) Leiclientuch weder Niartlia noch Maria oft kaum mehr der Kadaver


167

voice recorder schrieb am 6.1. 2003 um 03:06:02 Uhr zu

antikriegsgedichte

Bewertung: 1 Punkt(e)

auf dem Kampfplatz erschienen,

Paar an Paar, wie zu",rnengekoppelt,
und der Milliardenarrneen
Donnertritt

werstweit schrnetternd und dramatisch verdoppelnd da preßte der Erdball

die Pole zusammen

und verharrte erwartungsvoll, und es traten grauhaarige Meere
aus den Uferrahmen

und betrachteten trüb das Theater.
Sonne,

der ewige strenge Richter,

l'iefden Steg hinab zwischen flammenden Pfählen, und die Augen der Himmelslichter quollen vor Wißbegier aus den Höhlen.

Die Sekunde wartete, faul und zag. Und als das blutige Kriegsvariet@ begonnen, so spannend wie ein Begattungsakt, blieb atemlos stehen der Augenblick. jäh zersprang

die Sekunde in tausend Scherben,

indes die Arena im Rauchgrund versank und der Himmel sich tiefschwarz färbte. Die andern Sekunden kamen ins Rasen, explodierten, brüllten

und verflogen.

Die Schüsse schäumten und schlugen Blasen über blutroten Feuerwogen.

Vorwärts!

Herrgott, rette unsre See . . .
Schreie, die Lungen der Divisionen blähn,
304
Vorwärts -
mit geifernden Mündern durch Schlamrn! Der siegreiche Georg sei unser Emblem!

Tratatatatam, tatatam, tatatarntam,

tratatatatam, tatatam, tatatam.

Requisiteur!
Errichte Katafalke!
Witwen in die Menge'
je mehr, um so feierlicher! Der Fakten Feuerwerk
sc@o)9
zum Himmel empor immer ungeheuerlicher! Der weinende Leuchtturm gießt Tränenkaskaden in des Ozeans Finsternis, und irgendwo winden sich

ganze Geschwader,
auf die Lanzen der Minen gespießt ...

Flammenspeier!
Du findest und strafst überall. Als Rakete stürz ich in den Himmel im Nu.
Von oben rieselt ein roter Strahl,

das Blut
von P@goud.
Aufgerührte Wasser,
Lüfte
und Erden.
Zu welchen Zielen eilt ihr, Schritte?
ich spüre die Seele
Wahnsinnsgebärden,
ihr Schluchzen, ihr Drängen, ihr Bitten:

305

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