Einige überdurchschnittlich positiv bewertete
Assoziationen zu »Antikriegsgedichte«
voice recorder schrieb am 31.12. 2002 um 02:12:07 Uhr zu
Bewertung: 3 Punkt(e)
Sagt NEIN! Mütter, sagt NEIN!
Denn, wenn ihr nicht NEIN sagt, wenn IHR nicht nein sagt, Mütter, dann:
dann:
In den lärmenden dampfdunstigen Hafenstädten werden die großen Schiffe stöhnend verstummen und wie titanische mammutskadaver wasserleichig träge gegen die toten vereinsamten Kaimauern schwanken, algen-, tang- und muschelüberwest den früher so schimmernden dröhnenden Leib, friedhöflich fischfaulig duftend, mürbe, siech, gestorben die Straßenbahnen werden wie sinnlose glanzlose glasäugige Käfige blöde verbeult und abgeblättert neben den verwirrten Stahlskeletten der Drähte und Gleise liegen, hinter morschen dachdurchlöcherten Schuppen, in verlorenen kraterzerrissenen Straßen -
eine schlammgraue dickbreiige bleierne Stille wird sich heranwälzen, gefräßig, wachsend, wird anwachsen in den Schulen und Universitäten und Schauspielhäusern, auf Sport- und Kinderspielplätzen, grausig und gierig, unaufhaltsam -
der sonnige saftige Wein wird an den verfallenen Hängen
verfaulen, der Reis wird in der verdorrten Erde vertrocknen,
die Kartoffel wird auf den brachliegenden Äckern erfrieren
und die Kühe werden ihre totsteifen Beine wie umgekippte
Melkschemel in den Himmel strecken -
neben verrosteten Pflügen hingesunken sein wie ein erschlagenes Heer, und die qualmenden Ziegeischornsteine, die Essen und die Schlote der stampfenden Fabriken werden, vom ewigen Gras zugedeckt, zerbröckeln - zerbröckeln - zer-
bröckeln -
dann wird der letzte Mensch, mit zerfetzten Gedärmen und verpesteter Lunge, antwortlos und einsam unter der giftig glühenden Sonne und unter wankenden Gestirnen umherirren, einsam zwischen den unübersehbaren Massengräbern und den kalten Götzen der gigantischen betonklotzigen verödeten Städte, der letzte Mensch, dürr, wahnsinnig, lästernd, klagend - und seine furchtbare Klage: WARUM? wird ungehört in der Steppe verrinnen, durch die geborstenen Ruinen wehen, versickern im Schutt der Kirchen, gegen Hochbunker klatschen, in Blutlachen fallen, ungehört, antwortlos, letzter
Tierschrei des letzten Tieres Mensch -
all dieses wird eintreffen, morgen, morgen vielleicht, viel-
leicht heute nacht schon, vielleicht heute nacht, wenn - wenn - - wenn ihr nicht NEIN sagt.
in den Instituten werden die genialen Erfindungen der großen
Ärzte sauer werden, verrotten, pilzig verschimmeln -
in den Köchen, Kammern und Kellern, in den Kühlhäusern
und Speichern werden die letzten Säcke Mehl, die letzten
Gläser Erdbeeren, Kürbis und Kirschsaft verkommen - das
Brot unter den umgestürzten Tischen und auf zersplitterten
Tellern grün werden und die ausgelaufene Butter wird
stinken wie Schmierseife, das Korn auf den Feldern wird
325
324
voice recorder schrieb am 14.1. 2003 um 07:53:25 Uhr zu
Bewertung: 2 Punkt(e)
Paul Gerhard (1607-1676)
NACH DEM GROSSEN KRIEGE
Gottlob, nun ist erschollen
Das edle Fried- und FreudenWOrt,
Daß nunmehr ruhen sollen
Die Spieß und Schwerter und ihr Mord.
Wohlauf und nimm un wieder
Dein Saitenspiel hervor!
0 Deutschland, singe Lieder
Im hohen vollen Chor!
Erhebe dein Genüt,
Zu deinem Gott und sprich: Herr, deine Gnad' und Gute Bleibt dennoch ewigli,h.
Wir haben nichts verdienst
Als schwere Straf und großen Zorn,
Weil stets bei uns noch grünet
Der freche schnöde Sündendorn.
Wir sind fürwahr geschlagen
Mit harter scharfer Rot',
Und dennoch muß man fragen.Wer ist, der Buße tut?
Wir sind und bleib" böse,
Gott ist und bleibet t,e"
Hilft, daß sich bei n, löse
Der Krieg und sein Geschrei.
Sei tausendmal willkommen,
Du teure, werte Friedensgab,!
Jetzt sehn wir, was fÜr Frommen
Dein Bei-uns-Wohnen in sich hab'.
In dich hat Gott versenkst
All unser Glück und Heil;
Wer dich betrübt und kränket,
Der drückt ihm selbst den Pfeil
Des Herzleids in das Flerze
Und löscht aus Unverstand
Die güldne Freudenkerze
Mit seiner eigne, Hand.
54
Das drückt uns niemand besser In unsre Seel und Herz hinein Als ihr zerstörten Schlösser Und Städte voller Schutt und Stein; ihr vormals schönen Felder, Mit frischer Saat bestreut, jetzt aber lauter Wälder
Und dürre wüste Heid',
Ihr Gräber, voller Leichen
Und blutigem Heldenschweiß,
Der Helden, derer gleichen
Auf Erden man nicht weiß.
Hier trübe deine Sinnen,
0 Mensch! und laß den Tränenbach
Aus beiden Augen rinnen;
Geh in dein Herz und denke nach.
Was Gott bisher gesendet,
Das hast du ausgelacht;
Nun hat er sich gewendet
Und väterlich bedacht,
Vom Grimm und scharfen Dringen Zu deinem Heil zu ruhn,
Ob er dich möchte zwingen Mit Lieb' und Gutestun.
Ach, laß dich doch erwecken!
Wach auf! wach auf! du harte Welt,
Eh als das harte Schrecken
Dich schnell und plötzlich überfällt.
Wer aber Christum liebet,
Sei unerschrocknen Muts;
Der Friede, so er giebet,
Bedeutet alles Gut's.
Er will die Lehre geben:
Das Ende naht herzu,
Da sollt ihr bei Gott [eben In ew'gem Fried' und Ruh.
55
voice recorder schrieb am 24.1. 2003 um 17:10:54 Uhr zu
Bewertung: 5 Punkt(e)
Georg Trakl (1887-1914)
ABENDLAND
1914-1945
Else Lasker-Schüler in Verehrung
Ihr großen Städte
Steinern aufgebaut
In der Ebene!
So sprachlos folgt
Der Heimatlose
Mit dunkler Stirne dem Wind,
Kahlen Bäumen am Hügel.
Ihr weithin dämmernden Ströme!
Gewaltig ängstet
Schaurige Abendröte
Im Sturmgewölk,
Ihr sterbenden Völker!
Bleiche Woge
Zerschellend am Strande der Nacht, Wallace Stevens Anna Achmatowa lean Marc Bernard
Fallende Sterne. Pavlo Tycyna
Charles Hamilton Sorley Lion Feuchtwanger Gottfried Benn
G@zaGy6ni WilfredOwen StefanZweig CarlSandburg KarIKraus
ErichMühsam ErnstToller BertoltBrecht SiegfriedSassoon
RicardaHuch KurtTucholsk@/ OskarLoerke ElseLasker-Schüler
Klabund Majkjohansen johannesR.Becher WalterMehring
PaulEluard ErichKästner HermannBroch Andr(eBreton
jaro51avSeifert RafaeiAlberti Pab]oNeruda WystanHughAuden
PaulCelan MiguelHernandez KuanChao
UnbekannterjapanischerSoldat MarnixVanGavere jeancocteau
FraozWerfel HenriMichaux StephenSpender YvanGoll
LouisAragon jeanfollain MaxHerrmann-Neisse WalterMeckaueT
GabrielaMistral AlbrechtGoes Franti@ekHalas DämasoAlonso
CecilDayLewis DionisioRidruejo PierreEmmanuel
RoyMcFadden FriedrichHagen JacquesPr@vert WilhelmLehmann
SinaidaRosen AlbrechtHaushofer AlfonsoGat"o RudolfHagelstange
MenelaosLudeniis HermannAdier JosefK.Mrosik
SiegfriedEinstein BernhardSeeger KarIKrolow
Hermann Hesse Werner Ber@engrL;en
90
voice recorder schrieb am 7.2. 2003 um 02:24:27 Uhr zu
Bewertung: 1 Punkt(e)
Und der Forscher durch seine Instrumente die unmenschlichen Provinzen betrachtet, die Virusbazillen oder
Jupiter, gewaltig vollendet:
,Aber das Leben meiner Freunde. Ich frage, ich frage.'
Und die Armen in ihren kalten Wohnungen lassen die Zeitung Fallen: "Unsere Tage sind verloren. 0 zeigt uns
Geschichte, die handelnde Kraft,
Die Ordnerin, Zeit, den erfrischenden Fluß.-
Und die Nationen tun alle Schreie zusammen, rufen das Leben,
Das den Leibern der Einzelnen Gestalt gibt und die privaten
Nächtlichen Schrecken beordert:
,schufest du nicht die Städte ähnlich wie Schwämme
"Und die weiten kriegerischen Räume des Hais
Und des Tigers, und nicht die muntere Sphäre der Vögel?
Intervenierei 0 komme herab als Taube,
Als zorniger Vater oder freundlicher Techniker: Doch kommell
Und das Leben, wenn Oberhaupt es erwidert, spricht aus Den Augen und Lungen, den Läden und Plätzen der Stadt:
"0 nein, ich bin nicht der Beweger,
Nicht heute, nicht für euch, Für euch bin ich
,Der Ja-Sager, der Bar-Freund, der leicht zu Betrügende: Ich bin was immer ihr tut; ich bin euer Vorsatz Zum Gutsein, euer lustiges Buch;
Ich bin eure Stimme im Amt. Ich bin eure Ehe.
,Was schlagt ihr vor? Die Gerechte Stadt zu erbauen? Ich will es. Ich stimme zu. Selbstmord-Entschluß? Den Romantischen Tod? Ich Stimme zu, denn
Ich bin eure Wahl, eure Entscheidung: ja, ich bin Spanien.-
Viele haben es auf entfernten Halbinseln gehört, Auf schläfrigen Ebenen, in den entlegenen Nestern,
In dem korrupten Herzen der Stadt,
Und wanderten hin wie Möwen oder wie BlÜtenstaub,
158
Wie Zapfen hafteten sie an dem langen Expreß,
Der die unrechten Länder durchfuhr, die Nacht und die Tunnel;
Sie strömten über das Wasser;
Durchquerten die Pässe: sie kamen und boten ihr Leben.
Auf jener dürren Ebene, jenem Afrika abgetrennten,
So grob ans erfinderische Europa geflickten Gebiet,
jener flußdurchschnittenen Tafel
Sind unsre Fiebergespenster genau und lebendig.
Morgen, vielleicht, die Zukunft: die Untersuchung der Müdigkeit
Und die Bewegungen der Packer, die allmähliche Erforschung
Aller Nuancen der Strahlung;
Morgen die Erweiterung des Bewußtseins durch Diät und Atmung.
Morgen die Wiederentdeckung der romantischen Liebe;
Das Photographieren von Verbrechen; all jener Spaß
Unter dem mächtigen Schatten der Freiheit;
Morgen die Stunde des Zeremonienmeisters und der Konzerte.
Morgen: die Jugend, die Dichter berstend wie Bomben,
Die Wege am See, die Winter vollkommener Freundschaft;
Morgen: am Sommerabend
Die Radrennen in der Vorstadt; doch heute: der Kampf.
Heute das unvermeidliche Wachsen der Todes-
Chance; die bewußte Hinnahme der Schuld als Mörder;
Heute die Verschwendung von Kräften
In Aufsätzen für den Tag, die öde Versammlung.
Heute der Trostersatz; die geteilte Zigarette;
Die Karten im kerzenerleuchteten Schuppen, der heisere
Sänger, die männlichen Witze; der Abschied,
Linkisch und nicht erfreulich, vor der Verwundung.
Die Sterne sind tot; die Tiere schauen nicht her:
Wir sind allein mit dem Tag und die Zeit ist kurz,
Und die Geschichte sagt vielleicht Ach
Zu den Besiegten, doch kann nicht verzeihn oder helfen.
159
voice recorder schrieb am 10.1. 2003 um 02:40:05 Uhr zu
Bewertung: 1 Punkt(e)
Tu Fu (712-770)
AUSMARSCH
Die Pferde schnauben, die Karren schrein,
Soldaten marschieren mit Pfeil und Bogen.
Väter, Mütter, Frauen, Kinder laufen zwischen ihren Reihn.
In einer dichten Staubwolke sind sie über die Brücke gezogen.
Sie zerren zitternd an den Kleidern der Soldaten,
streicheln einzeln alle ihre Glieder.
Der Frauen Jammer steigt wie Nebel auf und regnet nieder.
Leute begegnen ihnen: Woher? Wohin? Wozu?
Was ist aus euch geworden?
Die Soldaten knirschen: Immer marsch ... auf den Marsch ...
Als wir fünfzehn Jahr alt waren zogen wir nach Norden.
Aber jetzt heißt's: Marsch nac@ Westen ... immer marsch ...
Als man uns (einst) einberief, die schwarze Gaze
unser junges Haupt umwand.
Ach, mit weißem Fiaupte kehrten wir zurück -
und werden nun von neuem in die Schlacht gesandt.
Unersättlich ist des Kaisers Hunger nach der Macht der Welt.
Vor seiner Stirn verdampft des Volkes Odem.
Vergebens pflügen unsre Fraun das Feld.
Dornsträuche wuchern auf dem dürren Boden.
Wie fressend Feuer glüht der Krieg. Es blutet Tag und Stunde.
Der Menschen Leben gilt nicht mehr als das der Tauben oder Hunde.
Wer neigt sich noch in Ehrfurcht einem Greise zu?
Soll ich des Leides immer mehr mit meinem Pinsel malen?
Nicht mal der Winter bringt den Waffen Roh,
Und unsre Eltern müssen Steuern zahlen ...
Wenn unsre Frauen Kinder einst gebären:
0 daß es keine Knaben wärenl
Denn eine Tochter gibt man seinem Nachbar als ein leeres
Gefäß zur Eh'. Ein Sohn verwest im Kriege, unbegraben ...
34
Kaiser, sahst du im Traum den Strand des Ku-ku-noor-Meeres,
Wo die verstreuten Gebeine keine Ruhe haben?
Wo die jungen Toten die alten Toten mit ihren Schreien stören? Himmel hängt düster, Regen sprüht kalt, d Röhren.
Jammer rinnt vom Gestein ins Meer aus tausen
Tu Fu
DIE FESTUNG Bo [)l TSCHENG
in der hochgelegenen Festung Bo Di Tscheng ziehen Wolken und Dünste bei den Toren hinaus. Unterhalb der Festung regnet es in Strömen.
Und ihr zu Füßen, zwischen den steilen Wänden der Schluchter, rauscht, durch den Regen angeschwollen, der Große Strom dahin mit einer Hast und inem Lärm, wie wenn Donnerschläge einander bekämpfen. Oben aber, hinter alten Bäumen,
erscheinen Sonne oder Mond vor lauter Nebel nur als trübe Scheibe.
ich hörte sagen: Pferde, die in den Kampf ziehen, zeigen nicht die gleiche Hurtigkeit, wie jene, die heimkehren. Von den tausend berührnten Familien Chinas sind etwa hundert übriggeblieben. jämmerlich klagen die Witwen, die überdies noch durch Steuern und Zwangsabgaben verarmen, in allen Dörfern der herbstlichen Ebenen
vernimmt das horchend, Ohr Weinen und Wehklagen.
35
solarschule schrieb am 19.2. 2003 um 02:52:00 Uhr zu
Bewertung: 1 Punkt(e)
des Seltenen und Unverhofften, Hades-kühlender Schatten,
Früchte des Paradieses ... ?
Sie treten, leichter atmend, erlöst fast durch die nüchterne Pforte, darüber, unlesbar, die Inschrift vermerkt ist: Lasciate ogni speranza ...
Kisten sind da gestapelt, mit Kognak aus Cognac, rotbraunem Medoc, Vin du Bourgogne, die erlesensten Arten, Labsal für
Kronen und Päpste, eifersüchtig gehüteter Schlaftrunk von ratlosen Stabsoffizieren; Säcke aus Costa Rica,
Whisky aus London, Zigarren, Zigaretten, Fässer mit Schmalz und wagenrad-große Käse; Konserven, Speckseiten - leise schaukelnd im Luftdruck springender Bomben zwei richtige Schinken ... Dahinter, wie ein Kugelfang gegen Hunger, ungezählte Säcke mit Mehl,
weißem, staubigem Mehl, mehligem Staub, Berge von Staub ...
Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs Mäuse, entronnen den mit Kadavern und Opfern der Rasse gefällten Trichtern und Gräben, in einer riesigen Kammer aus Stahl und Beton endlich geborgen! - mit sträubendem Barthaar und fiebrigen, kleinen Augen die Zunge zwischen den Schneidezähnen, vor der Schlaraffen-Falle des Schicksals. -
Stiefeltritte. Krachende Kistendeckei.
200
Abgeschlagene Flaschenhälse, und glucksend ,türzt der Rausch aus den Flaschen. Eine schmutzige Hand zieht ein Messer, säbe@t sechs halbpfund-schwere Scheiben von Schinken,
oben,
verteilt sie (indessen
tausend, zwölfhundert Meter höher, eine sauber gewaschene andere Hand Bomben ausklinkt.) Und noch ehe die ins Fleisch geschlagenen Zähne den Fetzen an sich gerissen, ei, springt die tödliche Feder vom BÜg »Klapp!« sagt die Falle und hat sie. Manchmal bewegt in Augenwink Gottes Meer und vulkane - leise, unhörbar; aber das gellerde, poiternde Echo vernimmst du.
mitten im i3iß hieb die Luft sie zu Boden. Es tanzte der Bunker. Stahl und Beton rissen gewaltig an ihrer unlarrnung-, mben Zwei, drei aus der Reihe fallender B zerkrachten, zerspeliten das feste Gefüge, begruben r-nit Bergen "n Schutt und Geniäuer, verbogenem Stahl und kittendeni Erdreich den Gang und die Pforte.
Leise schlug die zerrissene Luft
über dem Hügel zusammen, wie Wasser über versinkenden Schiffen.
Unten, unter dem Hügel, rieselte, wallte und schwebte pudriger Staub durch die Kammer, farblos im Dunkel, das wie ein Tuch alles bedeckte, den Speck und die Mäuse, Staub von Gestern und Heute und Morgen.
Staub. Zeitloser Staub.
201
voice recorder schrieb am 14.1. 2003 um 07:52:38 Uhr zu
Bewertung: 1 Punkt(e)
Faustina Zappi-Maratti (um 1679-1745) Karl Wilhelm Ramier (1725-1798)
VETURIA AN DIE KÖNIGE
CORIOLANUS stand, um Schimpf zu rächen und Unrecht, ... 0 ihr, verderblicher als der entbrannte
Unerbittlich-erzürnt, nahe dem zitternden Rom. Vesuv, als unterirdische
Und schon sah er es sich und seinen Volskiern dienstbar, Gewitter! ihr, des magern Hungers Bundsverwandte,
Seine Feinde gebeugt, seine Verbannung gerächt; Der Pest Verschworene!
Siehe da trat entgegen dem furchtbar-bösen Gedanken
Unbewaffnet ein Weib, und sie errettete Rom. Die ihr den schnellen Tod in alle Meere
Seine Mutter Veturia ging ihm entgegen; er wollte Auf Donnergaleonen bringt,
Küssen die Mutterhand, doch sie verschmähte den Kuß. Und von Lisboa bis zum I<alten oby Heere
"Du bist nicht mein Sohn! Ein Felsstein hat dich geboren; Zum Wechselmorde dingt!
Nenne Veturia nicht, nenne die Mutter nicht Rom.' -
Schamrot zog er zurück. Was keine Heere vermochten, Und ach, mit Deutschlands Bürgern Deutschlands Bürger
Zerfleischet, einen bessern Held,
Hat der rühmliclie Stolz, Stolz einer Frau getan. Der Brennen weisen König, zu betrüben! Würger Der Welt und Afterwelt!
Wenn eurer Mordsucht einst ein Friede wehret,
Der jedem das geraubte Land
Und seine bangen Festen wiedergibt, verheeret,
Entvölkert, abgebrannt:
Ewald Christian von Kleist (1715-1759) ihr Könige, wie wird es euch nicht reuen
(Wo nicht die fromme Reue fleucht,
AN DIE KÖNIGE Durch Wollust, falsche Weisheit, laute Schmeicheleien
Des Höflings -eggescheucht),
Ihr, denen unsklavische Völker das Heft und die Schätze der Erde
Vertrauten, ach, tötet ihr sie mit ihren eigenen Waffen? Daß euer Stahl unmenschlich Millionen
Ihr Väter der Menschen, begehrt ihr noch mehr glückseliger Kinder: Urenkelsöhne niederstieß:
So kauft sie doch ohne das Blut der Erstgeborenen! Hört mich, Daß keiner, satt des Unglücks, seine Legionen
Ihr Fürsten, daß Gott euch höre! gebt seine Sichel dem Schnitter, Das Blutfeld räumen hieß.
Dem Pflüger die Rosse zurück. Spannt eure Segel dem Ost auf
Und erntet den Reichtum der Inseln im Meer. Pflanzt menschliche Gärten, 1
Setzt kluge Wächter hinein. Belohnt mit Ansehn und Ehre
Die, deren nächtliche Lampe den ganzen Erdball erleuchtet.
Forscht nach in denhütten, ob nicht, entferntvon denschwellen dergroßeri,
Ein Weiser sich selber dort lebt, und schenkt ihn dem Volke zum Richter:
Er schlag' im Palaste den Frevel und helfe der weinenden Unschuld.
61
60
| Einige zufällige Stichwörter |
Kleingartenanlage
Erstellt am 29.8. 2004 um 14:55:33 Uhr von humpf, enthält 8 Texte
Mülldeponie
Erstellt am 1.4. 2024 um 14:58:51 Uhr von Rüdi aus der Heilanstalt, enthält 7 Texte
dasRadioausdemZahnimHund
Erstellt am 29.10. 2023 um 21:41:29 Uhr von schmidt, enthält 3 Texte
|