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Der erste Text am 23.12. 2002 um 01:10:09 Uhr schrieb
sans papiers über antikriegsgedichte
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Gerhard über antikriegsgedichte
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am 8.1. 2003 um 04:46:47 Uhr schrieb
voice recorder über antikriegsgedichte

am 20.4. 2009 um 18:02:49 Uhr schrieb
Michel und Bruno und ein Schatten von mir über antikriegsgedichte

am 8.1. 2003 um 04:39:02 Uhr schrieb
voice recorder über antikriegsgedichte

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Assoziationen zu »Antikriegsgedichte«

voice recorder schrieb am 24.1. 2003 um 17:10:54 Uhr zu

antikriegsgedichte

Bewertung: 5 Punkt(e)

Georg Trakl (1887-1914)

ABENDLAND

1914-1945
Else Lasker-Schüler in Verehrung

Ihr großen Städte
Steinern aufgebaut
In der Ebene!
So sprachlos folgt
Der Heimatlose
Mit dunkler Stirne dem Wind,
Kahlen Bäumen am Hügel.

Ihr weithin dämmernden Ströme!

Gewaltig ängstet

Schaurige Abendröte

Im Sturmgewölk,

Ihr sterbenden Völker!

Bleiche Woge

Zerschellend am Strande der Nacht, Wallace Stevens Anna Achmatowa lean Marc Bernard
Fallende Sterne. Pavlo Tycyna
Charles Hamilton Sorley Lion Feuchtwanger Gottfried Benn

G@zaGy6ni WilfredOwen StefanZweig CarlSandburg KarIKraus

ErichMühsam ErnstToller BertoltBrecht SiegfriedSassoon
RicardaHuch KurtTucholsk@/ OskarLoerke ElseLasker-Schüler
Klabund Majkjohansen johannesR.Becher WalterMehring

PaulEluard ErichKästner HermannBroch Andr(eBreton
jaro51avSeifert RafaeiAlberti Pab]oNeruda WystanHughAuden

PaulCelan MiguelHernandez KuanChao
UnbekannterjapanischerSoldat MarnixVanGavere jeancocteau
FraozWerfel HenriMichaux StephenSpender YvanGoll
LouisAragon jeanfollain MaxHerrmann-Neisse WalterMeckaueT

GabrielaMistral AlbrechtGoes Franti@ekHalas DämasoAlonso

CecilDayLewis DionisioRidruejo PierreEmmanuel
RoyMcFadden FriedrichHagen JacquesPr@vert WilhelmLehmann
SinaidaRosen AlbrechtHaushofer AlfonsoGat"o RudolfHagelstange

MenelaosLudeniis HermannAdier JosefK.Mrosik
SiegfriedEinstein BernhardSeeger KarIKrolow
Hermann Hesse Werner Ber@engrL;en

90

voice recorder schrieb am 31.12. 2002 um 02:12:07 Uhr zu

antikriegsgedichte

Bewertung: 3 Punkt(e)

Sagt NEIN! Mütter, sagt NEIN!
Denn, wenn ihr nicht NEIN sagt, wenn IHR nicht nein sagt, Mütter, dann:
dann:

In den lärmenden dampfdunstigen Hafenstädten werden die großen Schiffe stöhnend verstummen und wie titanische mammutskadaver wasserleichig träge gegen die toten vereinsamten Kaimauern schwanken, algen-, tang- und muschelüberwest den früher so schimmernden dröhnenden Leib, friedhöflich fischfaulig duftend, mürbe, siech, gestorben die Straßenbahnen werden wie sinnlose glanzlose glasäugige Käfige blöde verbeult und abgeblättert neben den verwirrten Stahlskeletten der Drähte und Gleise liegen, hinter morschen dachdurchlöcherten Schuppen, in verlorenen kraterzerrissenen Straßen -
eine schlammgraue dickbreiige bleierne Stille wird sich heranwälzen, gefräßig, wachsend, wird anwachsen in den Schulen und Universitäten und Schauspielhäusern, auf Sport- und Kinderspielplätzen, grausig und gierig, unaufhaltsam -

der sonnige saftige Wein wird an den verfallenen Hängen
verfaulen, der Reis wird in der verdorrten Erde vertrocknen,
die Kartoffel wird auf den brachliegenden Äckern erfrieren
und die Kühe werden ihre totsteifen Beine wie umgekippte
Melkschemel in den Himmel strecken -

neben verrosteten Pflügen hingesunken sein wie ein erschlagenes Heer, und die qualmenden Ziegeischornsteine, die Essen und die Schlote der stampfenden Fabriken werden, vom ewigen Gras zugedeckt, zerbröckeln - zerbröckeln - zer-

bröckeln -

dann wird der letzte Mensch, mit zerfetzten Gedärmen und verpesteter Lunge, antwortlos und einsam unter der giftig glühenden Sonne und unter wankenden Gestirnen umherirren, einsam zwischen den unübersehbaren Massengräbern und den kalten Götzen der gigantischen betonklotzigen verödeten Städte, der letzte Mensch, dürr, wahnsinnig, lästernd, klagend - und seine furchtbare Klage: WARUM? wird ungehört in der Steppe verrinnen, durch die geborstenen Ruinen wehen, versickern im Schutt der Kirchen, gegen Hochbunker klatschen, in Blutlachen fallen, ungehört, antwortlos, letzter

Tierschrei des letzten Tieres Mensch -
all dieses wird eintreffen, morgen, morgen vielleicht, viel-

leicht heute nacht schon, vielleicht heute nacht, wenn - wenn - - wenn ihr nicht NEIN sagt.








in den Instituten werden die genialen Erfindungen der großen
Ärzte sauer werden, verrotten, pilzig verschimmeln -
in den Köchen, Kammern und Kellern, in den Kühlhäusern
und Speichern werden die letzten Säcke Mehl, die letzten
Gläser Erdbeeren, Kürbis und Kirschsaft verkommen - das
Brot unter den umgestürzten Tischen und auf zersplitterten
Tellern grün werden und die ausgelaufene Butter wird
stinken wie Schmierseife, das Korn auf den Feldern wird

325
324

voice recorder schrieb am 6.1. 2003 um 03:06:02 Uhr zu

antikriegsgedichte

Bewertung: 1 Punkt(e)

auf dem Kampfplatz erschienen,

Paar an Paar, wie zu",rnengekoppelt,
und der Milliardenarrneen
Donnertritt

werstweit schrnetternd und dramatisch verdoppelnd da preßte der Erdball

die Pole zusammen

und verharrte erwartungsvoll, und es traten grauhaarige Meere
aus den Uferrahmen

und betrachteten trüb das Theater.
Sonne,

der ewige strenge Richter,

l'iefden Steg hinab zwischen flammenden Pfählen, und die Augen der Himmelslichter quollen vor Wißbegier aus den Höhlen.

Die Sekunde wartete, faul und zag. Und als das blutige Kriegsvariet@ begonnen, so spannend wie ein Begattungsakt, blieb atemlos stehen der Augenblick. jäh zersprang

die Sekunde in tausend Scherben,

indes die Arena im Rauchgrund versank und der Himmel sich tiefschwarz färbte. Die andern Sekunden kamen ins Rasen, explodierten, brüllten

und verflogen.

Die Schüsse schäumten und schlugen Blasen über blutroten Feuerwogen.

Vorwärts!

Herrgott, rette unsre See . . .
Schreie, die Lungen der Divisionen blähn,
304
Vorwärts -
mit geifernden Mündern durch Schlamrn! Der siegreiche Georg sei unser Emblem!

Tratatatatam, tatatam, tatatarntam,

tratatatatam, tatatam, tatatam.

Requisiteur!
Errichte Katafalke!
Witwen in die Menge'
je mehr, um so feierlicher! Der Fakten Feuerwerk
sc@o)9
zum Himmel empor immer ungeheuerlicher! Der weinende Leuchtturm gießt Tränenkaskaden in des Ozeans Finsternis, und irgendwo winden sich

ganze Geschwader,
auf die Lanzen der Minen gespießt ...

Flammenspeier!
Du findest und strafst überall. Als Rakete stürz ich in den Himmel im Nu.
Von oben rieselt ein roter Strahl,

das Blut
von P@goud.
Aufgerührte Wasser,
Lüfte
und Erden.
Zu welchen Zielen eilt ihr, Schritte?
ich spüre die Seele
Wahnsinnsgebärden,
ihr Schluchzen, ihr Drängen, ihr Bitten:

305

voice recorder schrieb am 19.1. 2003 um 03:58:36 Uhr zu

antikriegsgedichte

Bewertung: 1 Punkt(e)

William Blake (1757-1827) Friedrich Hölderlin (1770-1843)


DER FRIEDEN
WER HÄLT STAND?

ss" in andern Zorn
Wie wenn die alten Wa
Oh, eine Stimme wie Donner andelt wieder
In schrecklidiern verw
und eine Zunge,

die Gurgel des Krieges zu drosseln! Kämen, zu reinigen, da es not war,

Wenn die Sinne erschüttert sind So gärt' und wuchs und wogte von Jahr zu Jahr

und die Seele zum Wahnsinn getrieben wird: Rastlos und überschwernmte das bange Land

Wer hält stand? Die unerhörte Schlacht, daß weit hüllt schen.

Wenn die Seelen der Unterdrückten as Haupt der Men

in den aufgewühlten rasenden Lüften kämpfen: Dunkel und Blässe d

Wer hält stand? wie Wellen, auf
Die Heidenkräfte flogen,
Wenn der Wirbelwind des Zornes und schwanden weg, du kürztest o Rächerinl

vom Throne Gottes kommt, beit schnell und

wenn das Stirnrunzeln Seines Antlitzes Der sie gedient, die A

die Völker zusammentreibt: Brachtest in Ruhe sie heim, die Streiter.

Wer hält stand? 0 du, die unerbittlich und unbesiegt

Wenn die Sünde ihre breiten Flügel Zu seiner Zeit den Obergewaltgen trifft,

über das Schlachtfeld schlägt Glied hinab vorn

und jauchzend in der Todesflut segelt; Daß bis ins letzte Geschlecht erzittert,
wenn Seelen shlage sein armes
in das immerwährende Feuer gerissen werden Die du geheim den Stachel und Zügel hältst,
und Unholde der Hölle Zu hemmen und zu fördern, o Nemesis,
jubeln über den Erschlagenen: Strafst du die Toter, noch, es schliefen
Wer hält stand? Unter Italiens Lorbeergärten
Oh, wer hat dies verschuldet?
Oh, wer kann antworten am Throne Gottes? sonst ungestört die alten Eroberer.
Die Könige und Edlen des Landes haben es getan. Und schonst du auch der rnüßigen Hirten nicht,
Hör es nicht, Himmel! Und haben endlich wohl genug den
Deine Werkzeuge haben es getan. oppigen Schlummer gebüßt die Völker?

wer hub es an? wer brachte den Fluch? von heut
ists nicht und nicht von gestern, und die zuerst
Das Maß verloren, unsre Väter
Wußten es nicht, und es trieb ihr Geist sie.


73
72

voice recorder schrieb am 3.1. 2003 um 05:13:47 Uhr zu

antikriegsgedichte

Bewertung: 1 Punkt(e)

Allen Ginsberg (geh. 1926)

AMERIKA

Amerika ich gab dir alles und jetzt bin ich nicht,.
Amerika zwei Dollar siebenundzwanzig 17. Januar 1956. Ich darf nicht querköpfig sein.

Amerika wann endet der Krieg unter Menschen? Leck dich mit deiner Atombombe.

Ich fühl mich schlecht. Laß mich in Ruh.

Ich schreib mein Gedicht erst wenn ich bei Trost bin. Amerika wann wirst du Engeln gleichen?
Wann wirfst du die Kleider ab?

Wann verstehst du dich endlich vom Grab aus? Wann wirst du deiner Million Trotzkisten würdig? Amerika warum weint man in deinen Leseräumen? Amerika wann schickst du deine Eier nach Indien? Ich hab dein tolles Treiben satt.

Wann kann ich ins Kaufhaus gehn und was ich brauche mit meinem guten

Amerika letztlich sind du und ich 'Olikomnlen, und nicht Aussehn kaufen?
Mich belastet dein Getriebe zu sehr. das Jenseits.
Wecktest in mir den Heiligen.

Wir müßten uns auf andere Art verstehen können.

Burroughs ist in Tanger. Ich glaube auf immer. Das ist böse.
Meinst du wirklich böse oder ist dies nur eine Art von lux?
Ich versuche zum Thema zu kommen.

Ich geh diese Zwangsvorstellungen nicht auf.
Amerika stoß mich nicht, ich weiß was ich tue.
Amerika die Pflaurnenblüten fallen.

Ich lese monatelang keine Zeitungen mehr, täglich beginnt ein Mordprozeß.
Amerika ich weine den Altkommunisten nach.

Amerika ich war selber als Kind Kommunist ich bereue es nicht.
Ich rauche Marihuana sooft ich kann.

Ich sitze oft tagelang zu Hause und schaue die Rosen im Schrank an.
In Chinatown betrink ich mich und laß mich nicht umlegen.
Ich bin vom bösen Ende überzeugt.
Du hättest gestaunt als ich Marx las.
Mein Psychoanalytiker gibt mir vollkommen recht.

274

Ich sag kein Vaterunser. und kosmische \/ibrationen.


ich hab mystische Visionen
A,erika ich hab dir noch nicht erzählt was du aus Onkel Max gemacht hast als er aus Rußland kam.

ich rede dich an. azin regulieren lassen?

willst du dein Gefühlsieben vom Time Mag
ich bin besessen vom Time Magazin.
ich lese es jede Woche. ch am Kiosk vorbeischleiche-

Sein Titelblatt starrt mich an jedesmal wenn i lothek.
ich les es im Erdgeschoß der Berkeley-Leihbib r S

Es rzählt mir stets "n Verantwortung. Geschäftsleute meinen es e n t.
Filmproduzenten meinen es ernst. Außer m ir meint es jeder ernst.
Es wird mir klar, daß ich Amerika bin.
ich führe wieder ein Selbstgespräch.
Asien steht gegen mich auf.
Kein Chinese hat's so schlecht wie ich.
Nun muß ich den Bestand meiner Staatskasse aufnehmen.
Mein Saldo besteht aus zwei Strängen Marihuana Millionen von Geschlechts-

Geschwindigkeit und fünfundzwanzigtausend irrenhäuse,n.

teilen einer nicht veröffentlichten Privatliteratur mit zweitausend Kilometer


die im Licht von fünfhundert Sonnen in meinen Blum

ichtisgpterenche nicht von meinen Zuchthäusern und von Millione n Minderberech-

ich habe die Bordelle Frankreichs abgeschafft, jetzt kommt Tanger dran.

entöpfen leben.

ich bin bestrebt Präsident zu werden, obwohl ich katholisch bin.
Amerika wie kann ich in deiner dummen Tonart eine heilige Litanei

schreiben?
ich fahre fort wie Hen,y Ford meine Strophen sind so individuell
mehr noch, sie sind all, verschiedenen Geschlechts.

wie seine Autos, 0 das StÜck, $ 500 Kredit für deine
Amerika ich verkauf dir Strophen zu $ 250
alten Strophen.
Amerika befrei Ton, mooney
Amerika nett die spanischen Loyalisten rben.

Amerika Sacco und Vanzetti sollen nicht ste

275

voice recorder schrieb am 10.1. 2003 um 02:40:05 Uhr zu

antikriegsgedichte

Bewertung: 1 Punkt(e)

Tu Fu (712-770)

AUSMARSCH

Die Pferde schnauben, die Karren schrein,
Soldaten marschieren mit Pfeil und Bogen.

Väter, Mütter, Frauen, Kinder laufen zwischen ihren Reihn.

In einer dichten Staubwolke sind sie über die Brücke gezogen.
Sie zerren zitternd an den Kleidern der Soldaten,
streicheln einzeln alle ihre Glieder.
Der Frauen Jammer steigt wie Nebel auf und regnet nieder.

Leute begegnen ihnen: Woher? Wohin? Wozu?
Was ist aus euch geworden?

Die Soldaten knirschen: Immer marsch ... auf den Marsch ...

Als wir fünfzehn Jahr alt waren zogen wir nach Norden.

Aber jetzt heißt's: Marsch nac@ Westen ... immer marsch ...
Als man uns (einst) einberief, die schwarze Gaze
unser junges Haupt umwand.
Ach, mit weißem Fiaupte kehrten wir zurück -

und werden nun von neuem in die Schlacht gesandt.

Unersättlich ist des Kaisers Hunger nach der Macht der Welt.
Vor seiner Stirn verdampft des Volkes Odem.
Vergebens pflügen unsre Fraun das Feld.
Dornsträuche wuchern auf dem dürren Boden.

Wie fressend Feuer glüht der Krieg. Es blutet Tag und Stunde.

Der Menschen Leben gilt nicht mehr als das der Tauben oder Hunde.
Wer neigt sich noch in Ehrfurcht einem Greise zu?

Soll ich des Leides immer mehr mit meinem Pinsel malen?
Nicht mal der Winter bringt den Waffen Roh,
Und unsre Eltern müssen Steuern zahlen ...

Wenn unsre Frauen Kinder einst gebären:
0 daß es keine Knaben wärenl

Denn eine Tochter gibt man seinem Nachbar als ein leeres
Gefäß zur Eh'. Ein Sohn verwest im Kriege, unbegraben ...

34

Kaiser, sahst du im Traum den Strand des Ku-ku-noor-Meeres,

Wo die verstreuten Gebeine keine Ruhe haben?

Wo die jungen Toten die alten Toten mit ihren Schreien stören? Himmel hängt düster, Regen sprüht kalt, d Röhren.



Jammer rinnt vom Gestein ins Meer aus tausen








Tu Fu
DIE FESTUNG Bo [)l TSCHENG
in der hochgelegenen Festung Bo Di Tscheng ziehen Wolken und Dünste bei den Toren hinaus. Unterhalb der Festung regnet es in Strömen.
Und ihr zu Füßen, zwischen den steilen Wänden der Schluchter, rauscht, durch den Regen angeschwollen, der Große Strom dahin mit einer Hast und inem Lärm, wie wenn Donnerschläge einander bekämpfen. Oben aber, hinter alten Bäumen,
erscheinen Sonne oder Mond vor lauter Nebel nur als trübe Scheibe.

ich hörte sagen: Pferde, die in den Kampf ziehen, zeigen nicht die gleiche Hurtigkeit, wie jene, die heimkehren. Von den tausend berührnten Familien Chinas sind etwa hundert übriggeblieben. jämmerlich klagen die Witwen, die überdies noch durch Steuern und Zwangsabgaben verarmen, in allen Dörfern der herbstlichen Ebenen
vernimmt das horchend, Ohr Weinen und Wehklagen.
35

voice recorder schrieb am 19.1. 2003 um 03:52:06 Uhr zu

antikriegsgedichte

Bewertung: 1 Punkt(e)

Matthias Claudius (1740-1815)
KRIEGSLIED
s ist Krieg! 's ist Krieg! 0 Gottes Engel wehre
Und rede du darein!
's ist leider Krieg - und ich begehre
Nicht schuld daran zu sein!

Was sollt ich machen, wenn im Schlaf mit Grämen
Und blutig, bleich und blaß
Die Geister der Erschlagenen zu mir kämen
Und vor mir weinten, was?

Wenn wackre Männer, die sich Ehre suchten,
Verstümmelt und halbtot

Im Statib sich vor mir wälzten und mir flucliten
In ihrer Todesnot?

Wenn tausend, tausend Väter, Mütter, Bräute,
So glücklicti vor dem Krieg,
Nun alle elend, alle arme Leute,
Wehklagen über mich?

Wenn Hunger, böse Seuch und ihre Nöten
Freund, Freund und Feind ins Grab
Versammelten, und mir zu Ihren kräliten
Von einer Leich herab!

Was hülf mir Kron und Land und Gold und Ehre?
Die könnten mich nicht freun!
Is ist leider Krieg - Lind ich begehre
Nicht schuld daran zu sein!

Christoph August Tiedge (1752-1841)
ELEGIE AUF DEM SCHLACHTFELD BEI KUNERSDORF
Nacht umfängt den Wald. Von jenen Hügeln
Stieg der Tag ins Abendland hinab;
Blumen schlafen, und die Sterne spiegeln

In den Seen ihren Frieden ab.
Mich laßt hier in dieses Waldes Schauern,
Wo der Fichtenschatten mich verbirgt;
Hier soll einsam meine Seele trauern
Um die Menschheit, die der Wahn erwürgt.

Drängt euch um mich her, ihr Fichtenbäurne! Hüllt mich ein wie eine tiefe Gruft!
Seufzend, wie das Atmen schwerer YTä'ümla, Weh' um mich die Stimme dieser Luft. Hier an dieses Hügels dunkler Spitze Schwebt, wie Geisterwandeln, banges Grauen, Hier, hier will ich vom bemoosten Sitze jene Schädetstätten überschauen.

0 sie können sich nicht mehr verdammen,
Die hier ruhn; sie ruhen Hand in Hand.
Ihre Seelen gingen ja zusammen,
Gingen über in ein Friedensiand.
Haben gern einander dort erwidert,
Was die Liebe gibt und Lieb' erhält;
Nur der Sinn der Menschen, noch entbrüdert, Weist den Himmel weg aus dieser Weit.

Dort das Dörfchen unter Weidenbäumen.
Seine Väter sahn die grause Schlacht:
0 sie schlafen ruhig und verträumen
In den Gräbern jene Flammennacht!
Vor den Hütten, die der Asch' entstiegen,
Ragt der alte Kirchenturm empor,
Hält in seinen narbenvollen Zögen
Seine Weit noch unsern Tagen vor.


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