Einige überdurchschnittlich positiv bewertete
Assoziationen zu »Antikriegsgedichte«
voice recorder schrieb am 31.1. 2003 um 14:14:00 Uhr zu
Bewertung: 2 Punkt(e)
Ernst Toller (1893-1939) Ernst Toller
LEICHEN IM PRIESTER\VALD DEN MÜTTERN
Ein Düngerhaufen faulender Menschenleiber: Mütter,
Verglaste Augen, blutgeronnen, Eure Hoffnung, Eure frohe Bürde
Zerspellte Hirne, ausgespiene Eingeweide, Liegt in aufgewühlter Erde,
Die Luft verpestet vom Kadaverstank, Röchelt zwischen Drahtverhauen,
Ein einzig grauenvoller Wahnsinnschrei! Irtet blind durch gelbes Korn.
0 Frauen Frankreichs, Die auf Feldern jubelnd stürmten,
Frauen Deutschlands, Torkeln eingekerkert, wahnsinnschwärend,
säht ihr Eure Männer! Blinde Tiere durch die Welt.
Sie tasten mit zerfetzten Händen Mütter! einander.
Nach den verquollnen Leibern ihrer Feinde, Eure Söhne taten das
Gebärde, leichenstarr, ward brüderlicher Hauch, Grabt Euch tiefer in den Schmerz,
Ja, sie umarmen sich.
0 schauerlich Umarrnenl Laßt ihn zerren, ätzen, wühlen,
Recket gramverkrampfte Arme,
Ich sehe, sehe, bleibe stumm. Seid Vulkane, glutend Meer:
Bin ich ein Tier, ein Metzgerhund? Schmerz gebäre Tat!
GeSChändete....................................
Gemordete...................................... Euer Leid, Millionen Mütter,
Dien' als Saat durchpflügter Erde,
Lasse keimen
Menschlichkeit.
110
voice recorder schrieb am 31.12. 2002 um 02:12:07 Uhr zu
Bewertung: 3 Punkt(e)
Sagt NEIN! Mütter, sagt NEIN!
Denn, wenn ihr nicht NEIN sagt, wenn IHR nicht nein sagt, Mütter, dann:
dann:
In den lärmenden dampfdunstigen Hafenstädten werden die großen Schiffe stöhnend verstummen und wie titanische mammutskadaver wasserleichig träge gegen die toten vereinsamten Kaimauern schwanken, algen-, tang- und muschelüberwest den früher so schimmernden dröhnenden Leib, friedhöflich fischfaulig duftend, mürbe, siech, gestorben die Straßenbahnen werden wie sinnlose glanzlose glasäugige Käfige blöde verbeult und abgeblättert neben den verwirrten Stahlskeletten der Drähte und Gleise liegen, hinter morschen dachdurchlöcherten Schuppen, in verlorenen kraterzerrissenen Straßen -
eine schlammgraue dickbreiige bleierne Stille wird sich heranwälzen, gefräßig, wachsend, wird anwachsen in den Schulen und Universitäten und Schauspielhäusern, auf Sport- und Kinderspielplätzen, grausig und gierig, unaufhaltsam -
der sonnige saftige Wein wird an den verfallenen Hängen
verfaulen, der Reis wird in der verdorrten Erde vertrocknen,
die Kartoffel wird auf den brachliegenden Äckern erfrieren
und die Kühe werden ihre totsteifen Beine wie umgekippte
Melkschemel in den Himmel strecken -
neben verrosteten Pflügen hingesunken sein wie ein erschlagenes Heer, und die qualmenden Ziegeischornsteine, die Essen und die Schlote der stampfenden Fabriken werden, vom ewigen Gras zugedeckt, zerbröckeln - zerbröckeln - zer-
bröckeln -
dann wird der letzte Mensch, mit zerfetzten Gedärmen und verpesteter Lunge, antwortlos und einsam unter der giftig glühenden Sonne und unter wankenden Gestirnen umherirren, einsam zwischen den unübersehbaren Massengräbern und den kalten Götzen der gigantischen betonklotzigen verödeten Städte, der letzte Mensch, dürr, wahnsinnig, lästernd, klagend - und seine furchtbare Klage: WARUM? wird ungehört in der Steppe verrinnen, durch die geborstenen Ruinen wehen, versickern im Schutt der Kirchen, gegen Hochbunker klatschen, in Blutlachen fallen, ungehört, antwortlos, letzter
Tierschrei des letzten Tieres Mensch -
all dieses wird eintreffen, morgen, morgen vielleicht, viel-
leicht heute nacht schon, vielleicht heute nacht, wenn - wenn - - wenn ihr nicht NEIN sagt.
in den Instituten werden die genialen Erfindungen der großen
Ärzte sauer werden, verrotten, pilzig verschimmeln -
in den Köchen, Kammern und Kellern, in den Kühlhäusern
und Speichern werden die letzten Säcke Mehl, die letzten
Gläser Erdbeeren, Kürbis und Kirschsaft verkommen - das
Brot unter den umgestürzten Tischen und auf zersplitterten
Tellern grün werden und die ausgelaufene Butter wird
stinken wie Schmierseife, das Korn auf den Feldern wird
325
324
voice recorder schrieb am 26.1. 2003 um 17:53:22 Uhr zu
Bewertung: 2 Punkt(e)
prioritätsprichtununterbrochenmitkriegsgegnern
kriegsgegenerbesetzensämtlichestudios
Von vergessenen Tränen,
Unsere Augen
Verdunkelt vom täglichen Anblick der Schmach,
Ein eiserner Ring
Erdrückt unsere Kehle,
Die einstens lobsang die Schönheit der Weit.
Wir können nicht reden,
Wir können nur stöhnen.
Wie die Vögel im Sturm
Gesträubten Gefieders
Niedergeduckt
Wärmen wir uns
Einer am andern,
Aber wir ballen die Fäuste,
Daß das Blut uns rot aus den Nägeln springt.
Er aber,
Trunken von Blut,
Frech von der Mast
Heiliger Menschen,
Räkelt sich breit
Auf der ewigen Erde,
Vom Morgen bis Mittag
Liegt er hingestreckt,
Zermalmend die Äcker,
Zerberstend die Wälder,
Zerdrückend die Städte,
Der Menschenschlinger
Und lacht
Mit dem kalten Auge, dem tränenlosen
In die Himmel,
Wo die Götter, die schläfrigen, schlafen und schlafen.
Aber hüte dich, Polyphem!
Es brennen heimlich
Die Feuer der Rache
104
in unseren Seelen.
Der Atem der -rote" @a@t sie zur Glut.
Schon schmieden
Wir nächtl@ den Pfahl,
Den Pfahl für dein Auge,
Das harte, das kalte, das tränenlose!
Hüte dich, hüte dich, polypheni,
Schon schärfen wir
Die Spitze im Feuerl
Friss nur, saufe, niäste dich an,
polyphern,
Doch wenn du dann träumst VOM ewigen Fraße,
Stoßen wir dir die Nacht in die Stirn,
nd des Grauens
Und aus der Höhle des Bluts u
Schreiten
Wir, Brüder der Völker, Brüder der Zeiten, Ober deine stinkende Leiche in die ewigen Himmel der Weit.
Carl Sandburg (geh. 1878)
GRAS
HÄUFT Berge von Leibern bei Austerlitz und Waterloo,
Grabt sie ein und laßt mich arbeiten - ich bin das Gras. ich decke zu.
Häuft Berge bei Gettysburg,
Häuft Berge bei Ypern und Verdun. Grabt sie ein und laßt mich arbeiten.
Zwei Jahre, zehn Jahre, und Reisende fragen den Kundigen:
Was war hier los? Wo sind wir hier? ich bin das GrasLaßt mich arbeiten.
105
voice recorder schrieb am 24.1. 2003 um 17:10:54 Uhr zu
Bewertung: 5 Punkt(e)
Georg Trakl (1887-1914)
ABENDLAND
1914-1945
Else Lasker-Schüler in Verehrung
Ihr großen Städte
Steinern aufgebaut
In der Ebene!
So sprachlos folgt
Der Heimatlose
Mit dunkler Stirne dem Wind,
Kahlen Bäumen am Hügel.
Ihr weithin dämmernden Ströme!
Gewaltig ängstet
Schaurige Abendröte
Im Sturmgewölk,
Ihr sterbenden Völker!
Bleiche Woge
Zerschellend am Strande der Nacht, Wallace Stevens Anna Achmatowa lean Marc Bernard
Fallende Sterne. Pavlo Tycyna
Charles Hamilton Sorley Lion Feuchtwanger Gottfried Benn
G@zaGy6ni WilfredOwen StefanZweig CarlSandburg KarIKraus
ErichMühsam ErnstToller BertoltBrecht SiegfriedSassoon
RicardaHuch KurtTucholsk@/ OskarLoerke ElseLasker-Schüler
Klabund Majkjohansen johannesR.Becher WalterMehring
PaulEluard ErichKästner HermannBroch Andr(eBreton
jaro51avSeifert RafaeiAlberti Pab]oNeruda WystanHughAuden
PaulCelan MiguelHernandez KuanChao
UnbekannterjapanischerSoldat MarnixVanGavere jeancocteau
FraozWerfel HenriMichaux StephenSpender YvanGoll
LouisAragon jeanfollain MaxHerrmann-Neisse WalterMeckaueT
GabrielaMistral AlbrechtGoes Franti@ekHalas DämasoAlonso
CecilDayLewis DionisioRidruejo PierreEmmanuel
RoyMcFadden FriedrichHagen JacquesPr@vert WilhelmLehmann
SinaidaRosen AlbrechtHaushofer AlfonsoGat"o RudolfHagelstange
MenelaosLudeniis HermannAdier JosefK.Mrosik
SiegfriedEinstein BernhardSeeger KarIKrolow
Hermann Hesse Werner Ber@engrL;en
90
voice recorder schrieb am 14.1. 2003 um 07:53:25 Uhr zu
Bewertung: 2 Punkt(e)
Paul Gerhard (1607-1676)
NACH DEM GROSSEN KRIEGE
Gottlob, nun ist erschollen
Das edle Fried- und FreudenWOrt,
Daß nunmehr ruhen sollen
Die Spieß und Schwerter und ihr Mord.
Wohlauf und nimm un wieder
Dein Saitenspiel hervor!
0 Deutschland, singe Lieder
Im hohen vollen Chor!
Erhebe dein Genüt,
Zu deinem Gott und sprich: Herr, deine Gnad' und Gute Bleibt dennoch ewigli,h.
Wir haben nichts verdienst
Als schwere Straf und großen Zorn,
Weil stets bei uns noch grünet
Der freche schnöde Sündendorn.
Wir sind fürwahr geschlagen
Mit harter scharfer Rot',
Und dennoch muß man fragen.Wer ist, der Buße tut?
Wir sind und bleib" böse,
Gott ist und bleibet t,e"
Hilft, daß sich bei n, löse
Der Krieg und sein Geschrei.
Sei tausendmal willkommen,
Du teure, werte Friedensgab,!
Jetzt sehn wir, was fÜr Frommen
Dein Bei-uns-Wohnen in sich hab'.
In dich hat Gott versenkst
All unser Glück und Heil;
Wer dich betrübt und kränket,
Der drückt ihm selbst den Pfeil
Des Herzleids in das Flerze
Und löscht aus Unverstand
Die güldne Freudenkerze
Mit seiner eigne, Hand.
54
Das drückt uns niemand besser In unsre Seel und Herz hinein Als ihr zerstörten Schlösser Und Städte voller Schutt und Stein; ihr vormals schönen Felder, Mit frischer Saat bestreut, jetzt aber lauter Wälder
Und dürre wüste Heid',
Ihr Gräber, voller Leichen
Und blutigem Heldenschweiß,
Der Helden, derer gleichen
Auf Erden man nicht weiß.
Hier trübe deine Sinnen,
0 Mensch! und laß den Tränenbach
Aus beiden Augen rinnen;
Geh in dein Herz und denke nach.
Was Gott bisher gesendet,
Das hast du ausgelacht;
Nun hat er sich gewendet
Und väterlich bedacht,
Vom Grimm und scharfen Dringen Zu deinem Heil zu ruhn,
Ob er dich möchte zwingen Mit Lieb' und Gutestun.
Ach, laß dich doch erwecken!
Wach auf! wach auf! du harte Welt,
Eh als das harte Schrecken
Dich schnell und plötzlich überfällt.
Wer aber Christum liebet,
Sei unerschrocknen Muts;
Der Friede, so er giebet,
Bedeutet alles Gut's.
Er will die Lehre geben:
Das Ende naht herzu,
Da sollt ihr bei Gott [eben In ew'gem Fried' und Ruh.
55
voice recorder schrieb am 4.2. 2003 um 03:24:42 Uhr zu
Bewertung: 1 Punkt(e)
Johannes R. Becher (1891-1958) Walter Mehring (geh. 1896)
Aus dem GROSSEN SONETT', 11 und 111 0gA TORILIM VON KRI,-G, FRIED,-N LJND INFLA TION
Rezitativ:
Es fragt am Chemin des Dames und fragt in den Masuren,
Die Welle fragt, es fragt am tiefen Meeresgrund, So begann es: im Jahre des Herrn 1914 schien des
Das Dickicht fragt, wo längst verloren sind die Spuren, Wohlstands kein Ende und Mehrwert lohnte die
Voll schwarzer Erde fragt darunter Mund an Mund. Herren in solchem Überfluß, daß sie sprachen:
Unsere Kräfte erlahmen, und es sprach das Militär:
In den Ardennen fragt's, es fragen die Karpathen,
\Ion Alpenwiesen her, blau blüht dort Enzian, Man achtet unsrer nicht mehr.
Es fragen die Armeen gefallener Soldaten, Amenl
Sie schaun in jedes Haus und schaun dich fragend an. Chor:
Es ist der Tag, da hörst du nur die eine Frag" So zogen wir mit der eisernen Ration,
um im Stahlbad vom Wohlstand zu gesunden -
Es fragt, es fragt herauf durch die vergangnen Tage, So zogen wir, von der Mordkommission
Es fragt, und fragend geht es Stadt und Dorf entlang. Zum Erschießen tauglich befunden -
Sie rufen einzeln jetzt und rufen laut in Chören: So zogen wir durch das Brandenburger Tor
"Wir hören, Brüder, euchl Laßt eure Antwort hörenl' Mit Haubitzen, mit Tanks und Granaten -
Es fragt, begleitet wie von hellem Hörnerklang. So zogen aus allen Winkeln von Europa hervor
Soldaten - Soldaten - Soldaten.
So stampfte ein Erdteil in gleichem Schritt und Tritt
Die Toten fragen nicht nach Messen und Paraden. Und es zogen Seuchen, Mord und Hunger mit uns mit -
Denn dafür fielen sie ja auf dem Schlachtfeld nicht. in der schönen, in der neuen, in der schönen, in der neuen
Es ist, als wären wir von ihnen vorgeladen, In der schönen, neuen, grauen Felduniform.
Die Toten standen auf und halten heut Gericht. Rezitativ:
Da jammerten die 13ürger, wir gaben Gold für
Ein General tritt vor und spricht von "Heldenehren', Eisen, aber die Herren antworteten: Gott wird es Euch
Ein Dichter will, umsonst, die Frage nicht verstehn, tausendfach vergelten und die Feinde es heimzahlen
Ein Denker will sogar die Toten noch belehren, milliardenfach. Da weinten alle Mütter: Unsere
Ein Richter will, umsonst, die Toten hintergehn. Männer sind erschossen, unsere Kinder sterben unterernährt!
Ein Spekulant erklärt: ihr habt noch nachzuzahlen Aber die Herren antworten: wir liefernl Da begehrte
Für jeden Namen, der auf unsern Ehrenmalen das Volk auf: Wie lange noch? Aber der Kaiser antwortete:
Verzeichnet ist und dort, dort ewig weiterlebtf' Bis mir Gott den Endsieg beschert.
Da ruft es allerorts: Wieviel habt, ungelogen, Chor:
Ihr Herren schon bisher aus uns Gewinn gezogen?! So zogen wir Helden, auch das Frontschwein genannt,
Die Rechnung her, damit ihr Rechenschaft uns gebt!- in die Siegfriedstellung ein.
Des Kaisers Rock verwanzt und die Lungen gasverbrarint,
140
141
toschibar schrieb am 30.12. 2002 um 23:51:24 Uhr zu
Bewertung: 2 Punkt(e)
Der unmenschliche Feind rollt tosend
ein in unser schönes Land.
Ich, ein kleines Reh liebkosend,
mit der Waffe in der Hand.
Der Feind rückt näher, bis zur Furt,
ich muss flüchten, weiß nicht wie.
Das Reh ist gehbehindert von Geburt.
Kanns nicht tragen, habs im Knie.
Steh´ dem Feind fast Aug´ in Auge,
Das Reh, das Reh, es fürchtet sich.
Von der Stirn rinnt mir die Lauge,
und ich weine bitterlich.
Das Reh dem Feinde überlassen? Nein!
Es zerbräche mir das Herz.
Das Reh: »Gemeinsam Warten auf Freund Hein?«
Ich: »Das war hoffentlich ein Scherz.«
Und so kams wie´s kommen sollte:
als der Panzer lauter grollte.
hab ich mich voll Angst verpisst,
und das Reh gilt als vermisst.
| Einige zufällige Stichwörter |
Panda
Erstellt am 1.9. 2002 um 16:59:22 Uhr von Ugullugu, enthält 10 Texte
girlgang
Erstellt am 22.8. 2021 um 10:50:07 Uhr von Don't Panic! , enthält 17 Texte
DerSagenumwobeneKelchderKotze220
Erstellt am 18.8. 2005 um 12:14:37 Uhr von F, enthält 7 Texte
Einbläser
Erstellt am 29.12. 2002 um 12:15:35 Uhr von Arbeitsamt, enthält 4 Texte
metamer
Erstellt am 9.9. 2005 um 13:23:06 Uhr von freshindica, enthält 6 Texte
|