|
Unter Abhärtung versteht man im heutigen Sprachgebrauch Maßnahmen, die das Ziel haben, das Immunsystem des Körpers zu stärken, um ihn weniger anfällig gegen Krankheiten zu machen, vor allem gegen Erkältungen und grippale Infekte. Der Begriff war jedoch bereits im 18. Jahrhundert bekannt und besaß ursprünglich eine umfassendere Bedeutung im Sinne von Erziehung zu allgemeiner körperlicher Härte und Unempfindlichkeit als Gegenmittel zu einer angeblichen „Verweichlichung“ der Menschen in der modernen Zivilisationsgesellschaft.
In der Oeconomischen Encyclopädie von Johann Georg Krünitz aus dem 18. Jahrhundert ist der Begriff Leibes-Abhärtung schon enthalten, definiert als „die Gewöhnung des Körpers, den Eindrücken der Witterung, und andern Beschwerden widerstehen zu können, oder solche nicht zu empfinden; im Gegensatze der Entstehung des weichlichen oder zärtlichen Körpers, oder der Leibes-Schwächung.“ Die Abhärtung wurde nicht nur Männern empfohlen, sondern ebenso den Frauen. Das Damenkonversationslexikon, 1834 in Leipzig erschienen, führt im Grunde alle Beschwerden erwachsener Frauen auf „vernachlässigte Abhärtung“ zurück. Es nannte „die griechischen Jungfrauen“, die an Wettläufen teilnahmen, und die Frauen des antiken Sparta, die auch bei Kälte unbekleidet auf Stroh schliefen, als Vorbilder.
|