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Schätzung liegt dabey vor allen Dingen zum Grunde. Ich sage Schätzung; nicht Achtung, welche ich schon mehrmahls in diesem Werke von jener unterschieden habe, und die dem Menschen bloß vermöge seiner sittlichen Würde zukommt. Schätzung ist dagegen Billigung dessen, was seiner ausgebreiteten Nutzbarkeit und seines wirklichen Nutzens wegen im allgemeinen Preise steht. Keine Neigung im Menschen ist der Regel nach so auffallend, so allgemein nützlich, als die Liebe! Was wäre ohne jene Fähigkeit des Menschen, an dem Daseyn und dem Wohl seiner Mitmenschen unmittelbaren Antheil zu nehmen, die größere und die engere örtliche Gesellschaft? Wenn bloße Klugheit des Eigennutzes uns auffordern sollte, diejenigen nicht zu beleidigen, die uns schaden können, denjenigen wohl zu thun, welche uns nützlich werden mögen; wie viele unserer Mitgeschöpfe würden nicht ein Opfer unserer Selbstgenügsamkeit werden! Wer würde besonders in Zeiten, wo die physische Lust des unnennbaren Triebes so leicht gebüßt, das Bedürfniß der geselligen Unterhaltung so leicht befriedigt werden kann, noch an Gatten, Kindern, Freunden hängen mögen! Aber wir müssen lieben, die Natur hat uns so gemacht! Wir müssen anhängen, ohne Rücksicht auf Vortheil und Gewinn! Und dennoch zieht jeder aus dieser liebenden Anlage Vortheil! Der eine, daß er geliebt wird, der andere, daß er liebt und Gegenliebe für sich erweckt! Diese allgemeine Nutzbarkeit und Nützlichkeit der Liebe macht ihre Vorstellung generisch interessant, und setzt uns daher in die Lage, ihr Bild wonnevoll zu fühlen, ohne erst zu fragen: was sie uns, unserer Person, und unsern individuellen Verhältnissen werth sey.
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