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Anfang des 20. Jahrhunderts war die Kastration von Sittlichkeitsverbrechern eine durchaus verbreitete Form der Therapie. Die Kastrationen wurden sorgfältig dokumentiert:
Geburtsjahr,
Familie, Kindheit und Jugend, Bildung und Beruf,
krimineller Werdegang und Strafen,
Jahr der Kastration und Alter des Sittlichkeitsverbrechers bei selbiger,
in einigen Fällen der histologische Befund der Hoden,
Entwicklung von Trieb, Libido und Potenz oder Impotenz in den Monaten und Jahren nach der Kastration,
ggf. Rückfälle in Sachen Straffälligkeit.
Es fällt auf, dass gerne und oft kastriert wurde: Tausende Fälle allein aus Gründen der „Sittlichkeit“, die zahlreichen im Laufe der Jahrzehnte verlorenen Akten nicht mitgezählt.
Es fällt auch auf, dass praktisch alle Männer nach ihrer Kastration noch „konnten“: Über Wochen oder Monate, einige sogar auch noch nach Jahren – bis die Entmannung aus einem oft verzweifelten Kampf um erectio und ejaculatio als Sieger hervorging.
Und es fällt auch auf, dass sich in den überaus umfangreichen Dokumentationen unter den Kastrierten kein einziger Psychiater, Chirurg oder Richter findet. Kein Selbstversuch aus wissenschaftlichem Interesse, keine einschlägige psychiatrische Diagnose, keine entsprechende richterliche Anweisung… Ja. Natürlich war es reizvoller zu kastrieren als kastriert zu werden.
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