|
Dem theilnehmenden Leser dieser Skizze wird die künstlerische Thätigkeit Rietz’s in fünffacher Art klar geworden sein: der Meister füllte würdig seinen Platz als tüchtiger Violoncellist aus, er schenkte der musikalischen Welt eine Reihe trefflicher Compositionen und ermöglichte, im Besitze einer umfassenden musikalisch-philologischen Bildung, seinen Zeitgenossen die genaue, von allen Schlacken freigewordene Kenntniß vieler Meisterwerke der classischen Musikperiode, er wirkte und wirkt noch segensvoll als Lehrer, in unübertrefflicher Weise aber als Dirigent. Es hieße Eulen nach Athen tragen, in letzterer Beziehung noch Worte zu verlieren, die Musikkreise Düsseldorfs, Aachens, Leipzigs und Dresdens mögen hierfür Zeugniß ablegen. Als Componist erscheint Rietz als Schüler und Jünger Mendelssohn’s, ohne sich jedoch in erfindungslose, sclavische Nachahmung zu verlieren. Im Besitze vollständiger Beherrschung aller Formen- und Kunstmittel, wußte er aus jeder seiner bedeutenderen Compositionen ein Product einer durchempfundenen, selbsterlebten Seelenstimmung zu machen, so daß dieselben deshalb sämmtlich als wahr und tiefgefühlt erscheinen. Viele seiner Schöpfungen sind völlig populär geworden, worunter die Concert-Ouverturen, die Lustspiel-Ouverturen, der „Schlachtgesang“, die „Dithyrambe“ Schiller’s, das „Lied vom Wein“ und andere zu rechnen sind.
|