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Eine Summe von Welt- und Lebenskenntniß strömte durch diese Reisen auf sie ein, immer neue und reichere Nahrung gewann ihr Kunstgeschmack, und dies verfeinerte Empfinden prägte sie auch der Ausstattung ihres Heims zu Wiesbaden auf, dem sie durch die selbsterworbenen Mittel behagliche Vornehmheit verleihen konnte. Dort zu weilen war ihr unter all den Anstrengungen der Künstlerfahrten, unter dem Drängen früh übernommener Verpflichtungen oft nur allzu kurz vergönnt. Ihr Auftreten jedoch einer größeren Sonderung und Einschränkung zu unterwerfen, wie es auch für das Gleichgewicht ihrer Seele wohlthätig gewesen wäre, möchte der gefeierten und vielbegehrten Künstlerin schwer geworden sein. Da wurde durch ihre im Sommer 1891 erfolgte Verlobung mit dem Amtsrichter Dr. Hardmuth ihrem Leben ein anderes Ziel gesetzt. Am Abschluß ihrer künstlerischen Laufbahn stand die Mitwirkung in der Bach’schen H-moll-Messe zur hundertjährigen Jubelfeier der Singakademie in Berlin im Mai und eine kurze, im Herbst unternommene Concerttournee, ein Loslösen von dem reichen Künstlerberuf, das zugleich der Abschied vom Leben werden sollte. Denn Krankheit und Siechthum umfingen Hermine bald nach ihrer Verheirathung unüberwindlich und rafften die bis dahin allzeit Gesunde und Frische in einem kurzen Jahre dahin, ihren Nächsten, und besonders der so innig mit ihrem künstlerischen Werden verbundenen Schwester, eine unersetzliche Lücke zurücklassend. Minna S. hat dann die schöne Aufgabe erfüllt, in einem anziehenden Buche das Leben ihrer Schwester zu schildern. Danach erscheint sie uns als eine Lichtgestalt unter den Künstlerinnen ihrer Zeit, der die Göttergabe zu Theil geworden ist, nur in dem Glanz und in der Kraft der Jugend zu wirken.
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