|
Aber andere Leute hatten auch Augen und dachten und wußten viel genauer, was den Wittwer Blum zu Günther’s führe, als die jungen Leute selbst es wußten. Hervorragend in dieser Erkenntniß war vor Allen die „betrogene“ Mutter der todten Adelheid, und sie beeilte sich, in sehr klaren Briefen an ihren Schwiegersohn „die zitternde Hand an die Feder zu legen“, und ihm die Früchte ihrer vernichtenden Menschenbeobachtung angedeihen zu lassen. Nach Empfang dieser Briefe faßte Blum einen raschen Entschluß. Er theilte Freund Günther deren Inhalt mit, und beschwor ihn, die Schwester aus Leipzig zu entfernen, um zu verhindern, daß die wüsten Laute solcher Dissonanzen etwa auch an ihr keusches Ohr drängen. Der Bruder beeilte sich, dem Rathe zu folgen. Jenny erhielt eine Einladung nach Kappel bei Chemnitz von ihrem Schwager Jost; im Hause des Fabrikanten Schnäbeli sollte sie wohnen. Am 5. Mai 1839 wurde die Reise angetreten. Dieser Reise danken wir eine Correspondenz, die ein wahrer Schatz genannt werden kann. Hier gebietet schon die Rücksicht auf den Raum, auf Weniges sich zu beschränken, was für Blum’s Denkweise und Charakter von besonderer Wichtigkeit ist.
|