»Wir bemühen uns weiter um nichts, als um unser Gedächtniß an zu füllen; lassen aber den Verstand und das Gewissen leer. Gleichwie die Vögel zuweilen Futter suchen, und es in dem Schnabel tragen, ohne etwas davon zu genießen, um ihre Jungen damit zu füttern: eben so plündern auch unsere Pedanten die Wissenschaft aus den Büchern, und tragen sie nur auf den Lippen, bloß damit sie nicht modericht wird und an damit sie an die frische Luft kömmt. Es ist wunderbar, daß ich selbst von dieser Thorheit ein vollkommenes Beyspiel gebe. Ist dann das, was ich in diesem Werke meistens thue, nicht eben so? Ich sehe wie ich hier und da aus Büchern ungeheissen die Stellen, welche mir gefallen, weg schnappen kann: nicht um sie auf zu heben; (denn ich habe keine Vorrathskammer) sondern um sie in dieses zu bringen, wo sie doch, die Wahrheit zu sagen, so wenig mein sind als an ihrem ersten Orte.«
Des Herrn von Montagne Versuche, I. Buch, XXIV. Hauptstück S. 221
|