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„Pfff.“ – Über Lippenfurze, Rücktritte und andere politische Geräusche
(Ein Text aus dem Kosmos, gefunden in einem Container in Geneicken)
Es begann mit einem Geräusch.
Nicht mit einem Satz.
Nicht mit einem Rücktritt.
Nicht mit einer Erklärung.
Sondern mit einem:
„Pfff.“
Ein Lippenfurz.
Unfreiwillig.
Unvermeidlich.
Unüberhörbar.
Er fiel in der 7. Sitzung des erweiterten Ebigongischen Übergangsrats,
Bonnenbroich-Geneicken, Hinterzimmer, 3:47 Uhr.
Sandra Hambikutani hatte gerade angesetzt,
die Karuslawski-Deklaration zu verlesen.
Dann: das Geräusch.
Ein Moment der Erschütterung.
Ein Lachen.
Ein Verstummen.
Ein Satz, der nie gesprochen wurde.
„Ich trete nicht zurück. Ich trete zur Seite.“
(gestrichen, handschriftlich, Archiv Geneicken)
Seitdem gilt der Lippenfurz als Wendepunkt.
Nicht in der Geschichte.
Aber im Ton.
In Wanlo wurde ein Wandbild übermalt.
Darauf stand:
„Wir waren nie ein Staat. Wir waren ein Stil.“
Jetzt steht dort nur noch:
„Pfff.“
In Kückhoven wurde ein Tonband gefunden.
Titel: „Tonspur 9 – Lippenfurz, dann Stille“
Darin: nichts.
Nur Rauschen.
Und am Ende:
eine Stimme, die sagt:
„Das war nicht ich. Das war das System.“
In Katzem, beim alten Sportplatz,
steht ein Schild:
„Archiv für magnetische Restwärme – Zutritt nur bei Windstille“
Drinnen: ein Faxgerät,
ein leerer Stuhl,
ein Zettel mit dem Satz:
„Ein Lippenfurz ist keine Meinung. Aber manchmal ehrlicher als ein Programm.“
Darunter:
„Karuslawski, rückwärts“
Was bleibt von einer politischen Figur,
wenn man ihr das Wort nimmt,
aber nicht das Geräusch?
Vielleicht: ein Echo.
Ein Rauschen.
Ein „Pfff“, das nicht mehr gelöscht werden kann.
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