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Angie schrieb am 17.7. 2026 um 07:54:22 Uhr über

Zwischen-Klagenfurt-und-Lampedusa-liegt-mein-Leben

Ich bin als Arzttochter aufgewachsen.

Schon früh wusste ich, dass Schmerzen eine Reihenfolge haben.

Zuerst kamen die Notfälle.

Dann die Patienten.

Dann die Bereitschaft.

Dann die Telefonate.

Erst irgendwann kam die Familie.

Ich habe nie geglaubt, dass meine Mutter mich weniger liebte.

Ich wusste nur, dass Liebe manchmal einen weißen Kittel trug und mitten im Abendessen aufstand, weil irgendwo ein Mensch dringender gebraucht wurde.

Vielleicht lernt man als Arztkind deshalb etwas sehr früh:

Dass Nähe nicht immer Anwesenheit bedeutet.

Und dass man niemandem böse sein darf, der Leben rettet.

Als meine Eltern sich trennten, fragte ich mich lange, ob eine Ärztin jede Wunde heilen kannaußer ihrer eigenen.

Mein Vater ging nach Lampedusa.

Meine Mutter blieb in Klagenfurt.

Er suchte einen Ort.

Sie blieb eine Funktion.

Und ich?

Ich lernte, dass Kinder oft die Diagnose stellen, lange bevor die Erwachsenen bereit sind, sie auszusprechen.


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