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Joan schrieb am 14.5. 2003 um 17:47:54 Uhr über

Mönch

Alltag in Kirche und Kloster während der Stauferzeit


Bevor wir uns näher den kirchlichen Verhältnissen der frühen und späten Stauferzeit zuwenden, scheint es
angebracht, einige allgemeine Tendenzen und Wandlungs-Prozesse dieser Zeit in Erinnerung zu rufen und
den Hintergrund auszuleuchten, auf dem sich das Alltagsgeschehen in Kirche und Kloster abspielt. Die Zeit
des Hochmittelalters stellt eine Epoche mannigfacher Veränderungen in Gesellschaft, Wirtschaft und
Herrschaft dar, in der sich einige Grundbedingungen menschlichen Daseins tiefgehend gewandelt haben.
Aufstieg, Blüte und Niedergang der Stauferkönige fallen in diese Zeit, die durch eine kräftige Expansion der
Gesamtwirtschaft und eine enorme Zunahme der Bevölkerungszahl charakterisiert ist. Der Aufschwung in
Landwirtschaft, Handel und Gewerbe wird begleitet von einer intensiven Rodungstätigkeit, einer
umfangreichen Ausweitung der Anbauflächen und einem erstaunlichen Aufblühen des Städtewesens, so dass
wir das Hochmittelalter insgesamt als die Umbruchsepoche ansehen müssen; in der in weiten Teilen des
abendländischen Raumes die Naturalwirtschaft allmählich von der aufkommenden arbeitsteiligen Geld- und
Verkehrswirtschaft abgelöst wird. Mögen auch exakte Zahlenangaben fehlen, so können wir aufgrund neuerer
demographischer Forschungen doch davon ausgehen, dass sich die Bevölkerung in Deutschland vom 11. bis
14. Jahrhundert verdreifacht hat und um 1300 eine Größe von 13 -15 Millionen erreicht. Am deutlichsten zeigt
sich die Bevölkerungszunahme im Siedlungsbild der mitteleuropäischen Kulturlandschaft: Zahlreiche Dörfer
und Ortschaften sind neu entstanden, dichtbevölkerte Städte werden zu Zentren von Handel und Gewerbe und
die Ackerflächen soweit wie möglich ausgedehnt. Parallel zur Siedlungsverdichtung, Bevölkerungszunahme
und Wirtschaftsexpansion erfolgt der Ausbau von Herrschaft und Kirche; während im weltlichen Bereich viele
Burgen, befestigte Plätze und Herrschaftszentren neu erstehen und der Prozess der Herrschaftsverdichtung
und Territorialisierung unaufhaltsam voranschreitet, beobachtet man im kirchlichen Raum die Gründung
zahlreicher Klöster und Stifte und den Bau vieler neuer Kirchen und Kultstätten. Erst seit dem Hochmittelalter
breitet sich ein dichtes Netz von Pfarrkirchen und Kapellen über Stadt und Land aus, wovon Ausgrabungen
und die erhaltene Bausubstanz unserer ältesten Dorf- und Stadtkirchen ein beredtes Zeugnis ablegen. Mit den
hochmittelalterlichen Ausbauvorgängen, der Verdichtung der Siedlungen und der Errichtung zahlreicher neuer
Kirchen sowohl im Altsiedelland als auch in den neuerschlossenen Gebieten ist auch überall die Präsenz der
Kirche gewachsen und hat die Laien im städtischen und ländlichen Lebenskreis in einem Ausmaß erfasst, wie
dies in den Jahrhunderten des Frühmittelalters nie der Fall war. Diese Tatsachen müssen wir uns vor Augen
halten, wenn wir die Dynamik zahlreicher religiöser Bewegungen des Hoch-mittelalters und die gewandelten
Lebensbedingungen von Klerus, Mönchtum und Laienwelt während dieser Zeit angemessen beurteilen wollen.


Die Benediktiner
Nach diesem allgemeinen Überblick wollen wir uns jetzt dem alltäglichen Leben in den Klöstern zuwenden und
zunächst einen Blick auf die Zustände in den älteren Benediktinerklöster werfen. Die Bodenseeabtei
Reichenau soll als ein Beispiel für die Schwierigkeiten und Probleme dienen, mit denen ein altes
Benediktinerkloster in der Stauferzeit zu kämpfen hatte. Die berühmte Reichsabtei Reichenau war im 12.
Jahr-hundert nicht mehr das, was sie einst in ihrer karolingischen und salischen Blütezeit gewesen war. Auf
kulturellem Gebiet hatte der Abstieg schon lange begonnen, und die Zeit der großen Reichenauer Dichter und
Gelehrten war längst vorbei. Die Abtei zählte in der Stauferzeit nur noch wenige Mönche, die zudem auf ihre
hochadlige Herkunft besonderen Wert legten. Die Hauptsorge von Abt und Konvent galt dem gespannten
Verhältnis zu den adligen Lehnsleuten und besonders zu den zahlreichen Dienstmannen, die sich in einem
unaufhaltsamen Aufstiegsprozess aus ihrer ursprünglichen Unfreiheit in die Stellung machtvoller ritterlicher
Ministerialen befanden. Der größte Teil der umfangreichen Einkünfte der Reichenauer Grund-herrschaft floss
in ihre Hände, und ihre Anmaßung überschritt allmählich alle Grenzen. So wurde Abt Ludwig von Pfullendorf
nach vierjähriger Regierungszeit im Jahre 1135 von seinen eigenen ritterlichen Ministerialen vor dem Altar der
Kirche in Tuttlingen erschlagen. Anscheinend wurde diese schreckliche Mordtat von den Zeitgenossen ohne
Überraschung hingenommen und erregte kein allzu großes Aufsehen.
Mächtige Reichsabteien wie Reichenau, St. Gallen oder Fulda waren im 12. Jahr-hundert kaum noch an den
großen geistigen Auseinandersetzungen ihrer Zeit beteiligt; die Äbte und Mönche dieser Klöster kümmerten
sich in der Regel mehr um ihre Pferdeställe als um ihre Bibliotheken. Die Verwaltung und Erhaltung ihrer
ausgedehnten, über weite Regionen verstreuten Besitzungen, die Abwehr besitzgieriger Vasallen und
aufbegehrender Ministerialen und die Beschaffung des nötigen Bargeldes absorbierten alle vorhandenen
Kräfte. Dazu kamen die schweren Belastungen durch den Reichsdienst und die zeit- und kostenaufwendige
Teilnahme an königlichen Hoftagen und Feldzügen. Aus der schwierigen Lage vieler Reichsabteien
entstanden mancherorts sogar systematische Urkundenfälschungen, wie auch im Kloster Reichenau in der
ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts. Das Ziel dieser Fälschungen, die sowohl für Reichenau selbst als auch für
Nachbarklöster ausgestellt wurden, war die Erlangung gleicher Rechte für die alten Reichsabteien, wie sie die
jungen Reformklöster der Hirsauer Richtung von vornherein besaßen: Freie Abtswahl, freie Wahl des
Klostervogtes, Freiheit vor den drückenden Verpflichtungen des Reichsdienstes und Erleichterungen von den
Belastungen durch Vögte, Vasallen und Dienstmannen. Aus der Reihe der Reichenauer Äbte ragt Diethelm
von Krenkingen besonders hervor, der - einem edelfreien Geschlecht des Klettgaus entstammend - 1169 von
Kaiser Friedrich Barbarossa als Reichenauer Abt eingesetzt wurde. Mehrmals zog er mit dem Kaiser nach
Italien, und 1183 beschwor er zusammen mit vielen anderen Fürsten zu Konstanz den Frieden mit den
lombardischen Städten. Seine enge Verbindung zu den Staufern war wahrscheinlich dafür ausschlaggebend,
das er 1189 zum Bischof von Konstanz gewählt wurde, so dass er bis 1206 die Würde des Reichenauer
Abtes mit der des Konstanzer Bischofs vereinte. Während des deutschen Thronstreites wurde dann Diethelm,
ein Abtbischof von hohem Format, einer der treuesten Anhänger des Stauferkönigs Philipp.
Einen guten Zugang zum innerklösterlichen Leben eröffnet uns die Chronik des Klosters Petershausen, die
uns in lebendigen und eindrucksvollen Bildern die Verhältnisse in einem Benediktinerkloster der frühen
Stauferzeit schildert. Die alltäglichen Ereignisse des Klosters jenseits der Konstanzer Rheinbrücke ziehen an
uns vorüber, das Leben der Mönche mit ihren Erlebnissen, Visionen und Wundergeschichten, aber auch mit
ihren Fehlern und Schwierigkeiten werden farbenreich erzählt. Es fehlt auch nicht an Berichten über
Prügeleien, Diebstähle und charakterliche Schwächen der Klosterinsassen, wie es z.B. in der Geschichte
einiger Laienbrüder zum Ausdruck kommt, die sich über die Überheblichkeit des Kämmerers geärgert hatten.
Eines Tages, so heißt es in der Chronik, stürzten sie sich voller Wut auf ihn, warfen ihn zu Boden, schütteten
einen Kessel mit heißem Wasser über ihn und prügelten ihn fast zu Tode. Aus diesem Grunde wurden sie aus
dem Kloster verstoßen und in den Bann getan, auch von allen verachtet, weil dadurch weit und breit ein großes
Ärgernis entstanden war. Schließlich wurden sie auf Bitten des Bischofs und vieler anderer zu Bußübungen
zugelassen. Sie wurden öffentlich in Konstanz vor den Augen der Geistlichkeit und des Volkes geschoren und
gegeißelt und erhielten den Befehl, durch alle Klöster des Landes zu ziehen und dort überall öffentlich ihre
Schuld und Reue zu bekennen. Derartig realistische Berichte über die Schattenseiten des klösterlichen
Daseins wurden später teilweise aus der Handschrift getilgt, um der Nachwelt keinen zu ungünstigen Eindruck
von der älteren Geschichte des Klosters zu vermitteln.
Schwierige Situationen ergaben sich für viele Klöster, wenn altgewordene Äbte nicht zum Rücktritt bereit
waren, obwohl sie die Leitung des Klosters nicht mehr bewältigen konnten. Abt Bertolf von Petershausen litt
um 1127 an zunehmender Altersschwäche; gleichzeitig wurde er aber, wie der Chronist erzählt, so
überheblich, dass er zwar selbst nichts tat, aber auch anderen nicht erlaubte, die notwendigen Geschäfte des
Klosters zu erledigen. Als alles immer mehr in Unordnung und Verfall geriet, baten einige ältere Mönche
heimlich den Konstanzer Bischof, er möge Bertolf zum Verzicht auf die Abtswürde überreden. Mit Hilfe des
redegewandten Bischofs gelang es endlich, den störrischen Abt zum Rücktritt zu bewegen und einen neuen
Abt einzusetzen. Über die letzten Lebensjahre des abgedankten Abtes heißt es in der Chronik, dass die
Mönche nur noch wenig für den immer mehr von Alters-schwachsinn befallenen Abt sorgten und ihn fast
verkommen ließen. "Häufig ging er ohne Kutte im Kloster umher, redete und tat vieles ohne Verstand. Er, der
während seiner Amtszeit den Alten und Schwachen gegenüber keine Schonung gekannt hatte, kam
schließlich soweit, dass er ohne Gefühl für Zeit und Stunde, ohne jede Ordnungund trank und verdaute,
nicht einmal an den wichtigsten Festtagen fasten konnte und im eigenen Schmutz verkam, so dass er ständig
üble Gerüche verbreitete.
Im Unterschied zu den älteren Benediktinerklöster hatten die benediktinischen Reformklöster des frühen
Hochmittelalters, insbesondere die der Hirsauer Richtung, seit dem 11. Jahrhundert neue weitreichende
Impulse auf das monastische Leben und die Laienwelt ausgeübt. Die Ausstrahlungskraft dieser Reformklöster
war allerdings nach einer glanzvollen Blütezeit, die besonders im südwestdeutschen Raum zur Gründung vieler
neuer Klöster geführt hatte, in der frühen Stauferzeit bereits wieder im Verglühen. Das von Hirsau aus im
Jahre 1089 gegründete Zwiefalten an der oberen Donau hatte sich nach anfänglichen Schwierigkeiten in der
ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts zu einem bedeutenden Kloster entwickelt. Dank großzügiger Unterstützung
durch die Stifterfamilie der Grafen von Achalm und zahlreicher Schenkungen benachbarter Adelsgeschlechter
stieg Zwiefalten schon nach wenigen Jahrzehnten zu einem der reichsten Klöster im Raum zwischen
Schwäbischer Alb und dem Bodensee empor. Als die Mönche Ortlieb und Berthold in der Zeit um 1140 die
Zwiefalter Klosterchronik schrieben, genießt das in wirtschaftlicher und spiritueller Hinsicht erblühte Kloster ein
hohes Ansehen und übt eine beträchtliche Anziehungskraft auf seine Umgebung aus: 1138 befinden sich dort
70 Mönche, 130 Laienbrüder und, in einer gesonderten Niederlassung 62 Nonnen - eine insgesamt
erstaunlich hohe Zahl von Klosterinsassen. Die Zwiefalter Chronik schildert in einzigartiger Weise sowohl das
innerklösterliche Geschehen als auch die äußere Entwicklung des Klosters im Kreis seiner oberschwäbischen
Umwelt, wo sich die gegensätzlichen Interessen von Staufer und Welfen, von altem Adel und ritterlicher
Ministerialität auf vielfältige Weise verschränken und eine Atomsphäre dauernder Spannung und
gesellschaftlicher Konflikte erzeugen.
Unter innerklösterlichem Aspekt gewährt die Chronik einen informativen Einblick in die Alltagswelt eines
benediktinischen Reformklosters der frühen Stauferzeit, dessen Lebensordnung sich streng an den
Vorschriften Benedikts und an den Hirsauer Consuetudines ausrichtet. Gemäß der Regula Benedicti war der
Tagesablauf der Zwiefalter Mönche harmonisch in Zeiten des Gebets (opus Dei) der Arbeit (labor manuum)
und der geistlichen Lesung (lectio divina) eingeteilt. Diese Tageseinteilung wurde detailliert nach Stunden
berechnet und bildete die äußere Richtschnur für die planmäßige Gestaltung des Gebets- und Arbeitslebens
im Rahmen einer mönchischen Gemeinschaft. Die höchste Wertschätzung von allen klösterlichen
Frömmigkeitsübungen wurde dem Opus Dei, dem gemeinsamen Chorgebet und Gottesdienst der Mönche in
der Klosterkirche, beigemessen; die feierliche Liturgie, die Cluny und Hirsau betont herausgestellt hatten,
stand auch in Zwiefalten im Mittelpunkt des monastischen Lebens. Siebenmal am Tag begaben sich die
Mönche zum gemeinsamen Gebet in die Kirche - eine Ordnung, die dem natürlichen Lebensrhythmus der
mittelalterlichen Agrargesellschaft angepasst war. Ent-sprechend dem Stand der Sonne und der jeweiligen
Jahreszeit unterlag diese Tagesordnung gewissen Änderungen. Da man Tag und Nacht in je zwölf Stunden
einteilte, waren die Stunden nur zur Zeit der Tag- und Nachtgleiche von gleicher Dauer; im Winter dagegen
wurden die Nachtstunden länger auf Kosten der Tagstunden. Auf diese Weise unterlag die klösterliche
Zeitordnung, da sie ja dem Stand der Sonne und dem Lauf der Jahreszeiten folgte, beinahe täglich, von den
morgendlichen Laudes bis zum abendlichen Vesper, einer kleinen Veränderung. Der helle Tag gehörte ganz
der Arbeit und dem Studium; kurze Pausen brachten lediglich die Stundengebete der Prim, Terz, Sext und
Non.
Materielle Grundlage des Zwiefalter Klosterlebens bildete ein umfangreicher Grundbesitz, der die Abtei in die
Lage versetzte, in wirtschaftlicher Hinsicht weitgehend autark zu sein und fern von der Welt ihre monastischen
Ziele zu verfolgen. Wichtigstes Bindeglied zur Außenwelt war die bäuerliche Hofrecht-gemeinde, die den
Klosterbesitz gegen Abgaben und Dienste bewirtschaftete und deren soziale und berufliche Gliederung die
Chronik ausführlich erläutert. Inwieweit die soziale Lage der Zwiefalter Hörigen tatsächlich günstiger war als
die der benachbarten Grundherrschaften, wie die Chronik behauptet, lässt sich schwer abschätzen. Viele
Bauern hätten sich, so heißt es, wegen der Not und Schwere der Knechtschaft (propter afflicitionem et
multitudinem servitutis) von ihren früheren Herren losgekauft und sich in den Schutz des Klosters begeben.
Die Sorge Zwiefaltens für seine familia und die Landbevölkerung im näheren Umkreis des Klosters zeigt sich
besonders in schwierigen Ausnahmesituationen, wie z.B. im Jahre 1099 bei einer schweren Hungersnot, als
die Menschen reihenweise sterben und in Massengräbern beigesetzt werden müssen. Abt Ulrich lässt für
teures Geld Korn herbeischaffen und verteilt Tag für Tag große Mengen Mehl an die hungernde Bevölkerung.


Die Zisterzienser
Wenn auch Benediktinerklöster wie Zwiefalten und Hirsau im 12. Jahrhundert noch einige Zeit eine
überregionale Bedeutung gehabt haben, so ging die geistige Führung im monastischen Bereich doch
eindeutig an den neuen Orden der Zisterzienser über. Es war vor allem die ungeheure Ausstrahlungskraft des
Bernhard von Clairvaux, die diesen Reformorden zu seiner größten Wirksamkeit und Ausbreitung verhalf, so
dass man das 12. Jahrhundert mit Recht als das Jahrhundert der Zisterzienser bezeichnet hat. Die Mönche
des 1098 im burgundischem Citeaux gegründeten Klosters wollten ohne Kompromisse zur ursprünglichen
Strenge der Regula Benedicti zurückkehren und legten besonderen Wert auf eine klare Trennung von der
Welt und auf eine Rückkehr zu einem Mönchsleben in Einfachheit und Armut. Die radikale Abkehr vom
weltlichen Treiben und der Aufbau von Klöstern in möglichst abgelegener Lage verlangten von den frühen
Zisterziensern neben den üblichen Formen von Gottesdienst und Chorgebet die Übernahme schwerer
körperlicher Arbeit, die in den Benediktinerklöstern fast ausnahmslos von Knechten und hörigen Bauern
geleistet wurde. Solche Arbeitsverpflichtungen wurden den Zisterziensermönchen durch den Ausbau des
Konverseninstituts zwar erleichtert, so dass sie sich wieder intensiver den spirituellen Aufgaben ihres
Klosterlebens widmen konnten, doch blieb die zisterziensische Reformbewegung während des 12.
Jahr-hunderts noch lange durch eine besondere Strenge und Härte gekennzeichnet.
Die eigentliche Ausbreitung des Zisterzienserordens über den gesamten abendländischen Raum setzte
bekanntlich erst ein, als Bernhard von Clairvaux, die markanteste Persönlichkeit der frühen Stauferzeit, 1112
in das Kloster Citeaux eingetreten war. Als Bernhard 1153 starb, zählte der Orden bereits 333 Abteien in allen
wichtigen Ländern Europas; ein Jahrhundert später waren es sogar 647 klösterliche Niederlassungen, die
Zeugnis von der ungeheuren Dynamik des Zisterzienserordens ablegten. Im südwestdeutschen Raum
entstanden die bedeutendsten Gründungen von Zisterzienserabteien in der Mitte des 12. Jahr-hunderts: 1138
Salem am Bodensee, 1139 Maulbronn im Kraichgau, 1149 Herrenalb im Nordschwarzwald und 1158
Tennenbach im Breisgau; die 1190 vom Pfalzgrafen von Tübingen gestiftete Zisterzienserabtei Bebenhausen
gehört also bereits einer späteren Gründungsphase an. Dank großzügiger Schenkungen und vor allem durch
eine geschickte Gütererwerbspolitik bauten sich die Zisterzienser im Laufe des 12. und 13. Jahrhunderts
umfangreiche Klosterbesitzungen auf, so dass Klöster wie Salem, Maulbronn und Bebenhausen in der
ausgehenden Stauferzeit bereits zu den reichsten Grundbesitzern im südwestdeutschen Raum zählten.
Ungewöhnlich hoch war auch die Zahl der Konventsmitglieder in vielen Klöstern des Zisterzienserordens. Um
1270 lebten in Bebenhausen 60 Mönche und 130 Konversen, während es Salem selbst im Jahre 1311 noch
auf 310 Klosterangehörige brachte, worunter sich 130 Mönche und 180 Konversen befanden. Wenn man
bedenkt,, dass die Konvente der mächtigen Reichsabteien St. Gallen und Reichenau zur gleichen Zeit nur
noch ein knappes Dutzend Mönche umfassten, kommt die enorme Höhe dieser Zahl voll zum Bewusstsein.
Da die Vorschriften ihres Ordens eine klösterliche Eigenwirtschaft verlangten und man die
grundherrschaftliche Besitzstruktur der Benediktinerklöster entschieden ablehnte, bemühten sich die
Zisterzienser voll Eifer um den Aufbau von Grangien, also von Ackerbauhöfen, die in der Hauptsache von
Konversen bewirtschaftet wurden. Die arbeitserfahrenen Laienbrüder bildeten demnach das Gerüst der
zisterziensischen Klosterwirtschaft und schufen die Voraussetzung dafür, dass sich die Mönche vor allem den
gottesdienstlichen Aufgaben widmen konnten. Die Konversen legten zwar ebenfalls Gelübde ab und waren
damit Angehörige des Ordens geworden, aber die Scheidung zwischen Konversen und den zum Chordienst
verpflichteten Mönchen blieb deutlich bestehen und verstärkte sich mit der Zeit sogar. Mit Hilfe einer planvollen
Wirtschaftsführung suchten die Klöster durch Tausch und Güterarrondierung den Streubesitz zu größeren
Betriebseinheiten zusammen-zulegen und leistungsfähige, in eigener Regie bewirtschaftete Klosterhöfe
auf-zubauen. In den altbesiedelten Zonen Südwestdeutschlands war dieses Ziel nur unter großen
Schwierigkeiten zu erreichen, so dass die Zisterzienser hier wie anderswo auch vor dem Mittel der
Umwandlung von Dörfern in Wirtschaftshöfen nicht zurückschreckten. So schuf Maulbronn aus dem Dorf
Elfingen mittels Bauernlegen den Elfingerhof, und Bebenhausen wandelte das Dorf Geisnang dort zu einer
Grangie um. Das gespannte Verhältnis vieler Zisterzienserklöster zur benachbarten bäuerlichen Bevölkerung
entlud sich manchmal in handgreiflichen Auseinandersetzungen, wie z.B. bei der Salemer Grangie Adelsreute,
die um 1198 von aufgebrachten Bauern eines Nachbardorfes zerstört wurde, weil sie sich in ihren
Allmenderechten beschnitten fühlten. Wie sah nun das tägliche Leben in den Klöstern des Zisterzienserordens
aus? Neben den Statuten des Generalkapitels vermitteln uns vor allem die Annalen und Chroniken einiger
Klöster interessante Einzelheiten über die Lebenssituation der Mönche und Laienbrüder. Für das Kloster
Salem gibt uns vor allem die Klosterchronik einen aufschlussreichen Einblick in die Alltagswelt eines
Zisterzienserklosters im 13. Jahrhundert. Nach Aussage dieser Quelle achten die Salemer Äbte mit großer
Sorgfalt auf die Einhaltung der Vorschriften der Ordensregel. Das Konventsleben ist nachweislich von einer
großen Strenge, harter Askese und vorbildlicher Disziplin geprägt, und Ausnahmen von Grundprinzipien des
Ordens werden nicht gestattet. Unter den Äbten dieser Zeit ragt Eberhard von Rohrdorf in besonderer Maße
hervor, der von 1191 bis 1240 fast fünfzig Jahre lang die Leitung des Klosters innehat, enge Kontakte zu den
Stauferkönigen unterhält und Salem zu einem hohen Ansehen verhilft. Damals haben die Äbte noch, wie der
Chronist betont, ihr Bett im großen Schlafsaal der Mönche, so dass die später auch in den
Zisterzienserklöstern sich vergrößernde Distanz der Äbte zu den gewöhnlichen Mönchen erst wenig spürbar
ist. Die regelmäßige Abhaltung des Stundengebetes im Mönchschor wird sorgfältig beachtet, das
Schweigegebot streng eingehalten. Die Kleidung der Mönche und Laienbrüder wird aus heimischer Wolle
hergestellt und ist schlicht und einfach gehalten; nur wenn einzelne Mönche auf Reisen gehen, bekommen sie
wärmere und bessere Kleidungs-stücke. Ihre Verwandten zu besuchen, wird ihnen selten erlaubt, und nur bei
schwerer Krankheit der Eltern und Geschwister werden Ausnahmen gestattet.
Die Kranken pflegt man mit Sorgfalt im Krankenhaus des Klosters, dem infirmitorium. Zur Aufnahme von
Reisenden und Pilgern steht man jederzeit bereit und gewährt ihnen großzügige Unterkunft und Nahrung. Auf
den Grangien gibt es einen Konversen, der für die Unterbringung von Gästen und Pilgern verantwortlich ist,
und vermutlich haben die Salemer Pfleghöfe in den Städten häufig Gäste beherbergt. Über die klösterliche
Tischordnung berichtet der Chronist: " Vom Osterfest bis zum Fest der Kreuzerhöhung wurde an den Tagen,
an denen es zwei Mahlzeiten gab, gekochtes Gemüse oder in Milch gekochter Gerstenbrei mit einem
Stückchen Käse, zum Abendessen gesottene oder ungesottene Milch vorgesetzt. Später ordnete der Abt an,
dass außer der Zeit der Osterfasten .... den Mönchen und Laienbrüdern zur Hauptmahlzeit je drei Eier
gegeben wurden". Die Handarbeit der Mönche ist in Salem während des 13. Jahrhunderts offenbar noch nicht
fallengelassen worden. Es heißt dazu in der Chronik: "Mit Ausnahme des Zellerars und seiner Gehilfen, des
Bäckers und des Verwalters der Klosterkasse gingen alle zur üblichen Handarbeit aufs Feld, zum zweimaligen
Heuen, zur Ernte und zur Weinlese .... Sogar die Äbte beteiligten sich manchmal an diesen Arbeiten". In
späterer Zeit sind auch in Salem die Feldarbeiten nur noch von Laienbrüdern und Klosterknechten
durchgeführt worden.


Die Bettelorden
Der städtische Lebens- und Wirtschaftsraum, der seit der späteren Stauferzeit in Deutschland eine
wachsende Bedeutung erlangte, wurde im 13. Jahrhundert zur bevorzugten Wirkungsstätte der neu
entstandenen Orden der Franziskaner und Dominikaner. Mit dem Aufblühen des Städtewesens und dem
wachsenden Einfluss des Bürgertums im gesellschaftlichen und politischen Bereich ging auch die Bedeutung
der älteren Klöster im religiösen Leben rapide zurück. An ihre Stelle traten die neuen Ordensbewegungen mit
ihren fast revolutionären Ideen, die jetzt mehr und mehr die geistige Führung an sich rissen und vor allem in
den städtischen Zentren unaufhaltsam vorrückten. Volksprediger in der braunen Franziskanerkutte waren es
auch, die in schweren Auseinandersetzungen Friedrichs II. mit dem Papsttum überall an vorderster Front
kämpften und die Päpste wortgewaltig unterstützten. Die Umschichtung im religiös-kirchlichen Bereich
entsprach also insgesamt den Veränderungen im gesamtgesellschaftlichen Raum, wo die Städte und das
Bürgertum zu wachsender Bedeutung gelangten.
Mit den Bettelorden entstanden völlig neuartige Elemente im religiösen Leben des Hochmittelalters, da sie
sich nicht wie die älteren Mönchsgemeinschaften in die Einsamkeit zurückzogen, auch nicht die Exklusivität
eines hochadligen Stiftes wählten, sondern mitten in die Städte hineingingen. Ihre Gönner waren keine
Angehörigen des Feudaladels, sondern Bürger, die als Handwerker und Kaufleute in den wirtschaftlich
prosperierenden Städten wirkten. Erwachsen aus dem Bestreben, jeglichem Reichtum und Luxus zu entsagen
und die Armut der apostolischen Frühzeit zu erneuern, waren die Bettelmönche von einem neuen Charisma
erfüllt und ganz dem Ideal der Besitzlosigkeit verschworen. Anders als die älteren Kloster-Gemeinschaften
richteten sie ihr religiöses Leben auch nicht auf Beschaulichkeit und Selbstheiligung aus, sondern in erster
Linie auf Wirksamkeit nach außen, auf Volksmission, Predigt und vorbildhafte Lebensgestaltung in Einfachheit
und Unterordnung, weshalb sich die Jünger des heiligen Franziskus selbst als Minoriten, als Mindere Brüder
bezeichneten. Sie wurden so zu Predigern und Seelsorgern für das einfache Volk und ständige Mahner für die
reichgewordenen Krämer und Händler, deren Abstand zu den städtischen Unterschichten sich im Rahmen der
städtischen Geldwirtschaft zunehmend vergrößerte.
Schon früh hatte Franziskus von Assisi Brüder seines Ordens nach Deutschland geschickt, um die Menschen
dieses Landes für seine religiösen Ziele zu gewinnen. Dieses Erstunternehmen schlug fehl, weil keiner der
Mönche die Landessprache verstand, sie wegen ihrer absonderlichen Tracht für lombardische Ketzer
gehalten wurden und manchmal sogar Misshandlungen zu ertragen hatten. Erst 1221 zog erneut eine Schar
von Franziskanermönchen über die Alpen nach Augsburg, wo sie von Bischof und Bürgerschaft gastfreundlich
aufgenommen wurden. Schon bald strömten ihnen zahlreiche Novizen zu, die dann als Bußprediger und
Verkünder der neuen Armutsbewegung in die verschiedensten Gegenden Deutschlands gesandt wurden.
Gegen Mitte des 13. Jahrhunderts teilt man schließlich die deutschen Franziskaner in eine oberdeutsche
Provinz mit dem Sitz in Straßburg und eine niederdeutsche mit Köln als Mittelpunkt. In Konstanz ließen sich
die Barfüßer erstmals 1240 nieder; hier erbauten sie sich sechs Jahre später auch ein eigenes Kloster mit
einer Predigtkirche. Den Bauplatz schenkte die Stadt, die Baumittel kamen durch freigiebige Spenden der
Bürger zusammen. Auch in vielen anderen Städten Südwestdeutschlands entstanden auf ähnlichem Wege
Klöster und Kirchen der franziskanischen Armutsbewegung.
Durch ihre Predigttätigkeit wie durch ihr vorbildliches Verhalten im alltäglichen Leben wurden die Mitglieder
des Franziskanerordens bald zu gefürchteten Konkurrenten der Pfarrer. Konfliktpunkte waren sowohl die
Beicht- und Predigtvollmachten der Minderbrüder als auch das Begräbnisrecht auf den Klosterfriedhöfen. Die
Spannungen wurden gesteigert durch die vielen Privilegien, die Päpste und Bischöfe den Mendikanten
gewährten und die vor allem zu Lasten der Pfarrer und der städtischen Pfarreien gingen. Deshalb war es
verständlich, dass sich die Pfarrgeistlichen am nachdrücklichsten gegen die Durchbrechung der ordentlichen
Seelsorge wehrten, wobei es zu vielen unerfreulichen Streitereien kam. So musste 1266 der Konstanzer
Bischof in einem Prozess zwischen Propst und Kapitel von Zürich und den dortigen Minoriten über die Frage
entscheiden, ob Laien auf dem Zürcher Klosterfriedhof beerdigt werden dürften. Die Pfarrgeistlichkeit hatte
sich heftig darüber beklagt, dass von der Kanzel der Minoriten nicht nur der Pleban, sondern sogar der
Schutzheilige der Propstei geschmäht worden war.
Vom Leben innerhalb der Franziskanerklöster wissen wir relativ wenig. Wir müssen dabei berücksichtigen,
dass sich das Wirken und Handeln der Mendikanten weitgehend in der Öffentlichkeit abspielte und sich so
kein ausgeprägtes inner-klösterliches Leben entfalten konnte. Berühmte Franziskaner wie David von
Augsburg und Berthold von Regensburg hielten ihre volkstümlichen Predigten meistens unter freiem Himmel
ab, da die Kirchen für die Menge der Zuhörer sich als zu klein erwiesen. Zum Auftreten Bertholds von
Regensburg heißt es in der Chronik Salimbenes: "Ihm folgte eine gewaltige Menge von Männern und Frauen
.... manchmal eine ungeheure Zahl der Bewohner mehrerer Städte zugleich, um die honigsüßen,
heilbringenden Worte aus seinem Munde zu vernehmen. Wollte er predigen, so bestieg er einen Turm aus
Holz, der wie ein Glockenturm war. Das war seine Kanzel auf freien Felde. Auf der Spitze des Turmes
pflanzten die Werkleute die Fahne auf, und so konnte das Volk erkennen, woher der Wind kam, und damit,
wohin es sich zu setzen habe, um den Prediger gut zu verstehen".


Die religiösen Frauengemeinschaften
Die neuen Bettelorden, die bei der städtischen Bevölkerung äußerst beliebt waren, stießen auch bei der
religiösen Frauenbewegung dieser Zeit auf eine außer-ordentliche Resonanz. Es waren aber insgesamt mehr
die Dominikaner, denen sich das Hauptinteresse der geistlichen Frauengemeinschaften zuwandte. Für die
Dominikanerorden wurde die Betreuung der ihm angegliederten Nonnenklöster daher ein wichtiger, wenn
auch nicht besonders geliebter Teil seiner seelsorgerischen Tätigkeit. Im südwestdeutschen Raum halfen die
Dominikaner in der späten Stauferzeit bei der Gründung von Frauenklöstern tatkräftig mit und gliederten sie
ihrem Ordensverband ein, wie das Markuskloster in Straßburg, das Kloster Unterlinden in Kolmar oder das
Dominikanerinnenkloster in Adelshausen bei Freiburg.
Schon sei Anfang des 12. Jahrhunderts hatte die religiöse Frauenbewegung einen größeren Umfang
angenommen als je zuvor. Die Reformorden der Zisterzienser und Prämonstratenser haben sich der
Frauenbewegung aber nur mit deutlicher Zurückhaltung angenommen und konnten häufig nur durch päpstliche
Intervention für eine seelsorgerische Betreuung gewonnen werden.


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