|
Die Zukunft der Castingshows zeigt sich jetzt unverhüllt im Moskauer Fernsehen. . Die Einschaltquoten von „Russland sucht den nächsten Putin“ sind geradezu sowjetisch: 98,7 Prozent schauen zu, wie sich zwölf Kandidaten abmühen, die man per Annonce in internationalen Zeitschriften wie dem „Vice Magazine“ oder „Jane’s Rogue Weekly“ rekrutiert hatte.
»Bei uns wird keine lesbische Serbin gewinnen«
Dabei kann das Publikum anders als in westlichen Castingshows nicht einmal selbst abstimmen. Stattdessen wird wöchentlich ein Kandidat von einer „Politbüro“ genannten Expertenjury in geheimer Abstimmung rausgewählt. Der Sprecher der Produktionsfirma „Tscheka TV“ erklärt: „Russland ist für solche demokratischen Prozeduren wie Televoting noch nicht reif. Was dabei rauskommt habt ihr Europäer ja gerade beim Grand Prix erlebt. Bei uns wird jedenfalls ganz bestimmt keine lesbische Serbin gewinnen.“
Geprüft werden die Kenntnisse der Kandidaten in klassisch-russischen Disziplinen wie „Einmarschieren“, „Brüderliche Hilfe leisten“, „Unterdrücken kleinerer Nachbarnationen“ und „Sich Einmischung in Innere Angelegenheiten verbitten“. Aber auch in Mathematik, Chemie und Geographie müssen die Prüflinge sich auskennen, um solche kniffligen Fragen zu beantworten: „Wenn 46 Prozent gegen dich gestimmt haben, wie viele Stimmen musst du fälschen, um 100 Prozent zu kriegen“, „Heißt es Polonium, Ukrainium oder Weißrusslandium?“, „Welches dieser drei Länder ist kein Freund Russlands: Nordkorea, Iran, Polen?“
|